Stolz hatte die Sumud-Flottille vor ein paar Tagen angekündigt, dass jetzt sogar die ukrainische Vertretung dabei ist. Zum Einen, ist es wohl eine Lieblingsbeschäftigung der Pseudolinken, anzudeuten, das man gerade irgendwelche Kämpfe bzw. Konflikte miteinander verbindet (von der ganzen Welt am Liebsten, nur um sie für irgend so ein Phantasma vom „befreitem“ Palästina zu bündeln); zum Zweiten braucht man irgendwas exotisches und prominent-politikastisches seitdem Greta mit ihrem Freund die Ferien woanders verbringen wird.

Es handelt sich um Andriy Movchan und Nina Potarska. Ich bin nun mal niemand, der den beiden ihr „Ukrainiertum“ bzw. das Recht absprechen kann, bei jedem bösartigen Unfug ihrer Wahl die ukrainischen Nationalflaggen herumzuschleppen und so zu tun, als würden sie legitimerweise die Ukraine dabei vertreten. Ich könnte es auch – mit jeder beliebigen Flagge. Es ist deren gutes Recht, auch wenn sie, wie z.B. Movchan, seit vielen Jahren ausgewandert sind. Auch wenn der gute Mann während seiner aktivistischen Karriere von rechts nach links gegangen ist (besser so als umgekehrt), einen gewissen Hang zum völkischen hat er wohl behalten. Das Geschwätz von „settler colonialism“ werde ich hier nicht wiedergeben, seht es mir nach. Ginge es um halbwegs korrekte politische Analogien, sollten die beiden unter den Flaggen der Luhansker und Donezker „Volksrepubliken“ unterwegs sein.
Die „linke“ Öffentlichkeit ist entzückt, inklusive das ehrwürdige ukrainische Portal „Spilne / Commons“. Davon, dass man offensichtlich mit Islamisten zusammen segelt, dass auch die letzten Auflagen dieses schwimmenden Zirkuses kaum Hilfsgüter an Bord hatten, sondern vielmehr nur ihre auf Smartfones festgehaltene Selbstdarstellungen nach Gaza bringen wollten (manche Clowns verloren ihre Handys vor lauter Umweltbewusstsein sogar im Mittelmeer) – das alles hat diese aus AntisemitInnen des reinen Gewissens und der Menschenrechte bestehende „progressive“ Öffentlichkeit immer noch keine Kenntnis genommen. Wundert mich nicht, denn es geht ja, wie gesagt nicht um irgendeine humanitäre Mission. Dass solche Ausflüge dem Ansehen nicht schaden und keine ernsthaften persönlichen und berufsmäßigen Konsequenzen haben werden, dass macht mir eher Sorgen. Das muss sich ändern. Israel kann sich auch selbst schützen, aber dermaßen dümmlich-naive Leute sollen ihre akademischen Titel und sonstige credibility einbüßen können. (Betrifft eh alle, die mitsegeln. Hallo, Greenpeace!) Warum sollten solche Handlungen keinen Preis haben?
Wie Cedrik Mohutnyi vor einiger Zeit darauf hingewiesen hat – die Pseudolinken weltweit unterscheiden sich untereinander nicht, insbesondere mit einem akademischen Hintergrund: Eitel bis narzisstisch, unerträglich moralisierend, von Menschheit und Menschlichkeit schwatzend und bis zu den Tränen gerührt vor eigener erhabener Dummheit.
Auch UkrainerInnen mit einem „white savior“ Syndrom werden den palästinensischen AraberInnen nicht helfen.
– spf