Am 25-26. Februar ereignete sich in Amsterdam eine massive Arbeitsniederlegung unter den Bedingungen der Illegalität und militärischer Besatzung, die unter dem Namen de Februaristaking, der Februarstreik in die Geschichte einging. Vorausgegangen sind dem Streik Provokationen und Angriffe der deutschen und niederländischen Nazis gegen jüdische BürgerInnen in der Stadt. Ein bei den Ausschreitungen schwer verletzter Nazi krepierte Tage später an seinen Verletzungen, worauf die lokale Nazipresse eine Hetzkampagne begann und dabei auf altbekannte mittelalterliche Tropen vom gemarterten Kind (ach, nein, das war ‚ne ganz andere Geschichte) zurückgriff. Die Nazis verhafteten danach über Amsterdamer 400 Juden. Am 25 riefen die bereits illegale Kommunistische Partei, andere sozialistische Organisationen (darunter die MLL-front, die separate Betrachtung verdienen würde) und Gewerkschaften zu einer Demonstration und einem Streik auf. Für die Arbeiterschaft war es außerdem der willkommene Anlass gegen steigende Arbeitslosigkeit, Inflation und Zwangsarbeit (öfter in Deutschland) zu protestieren. Still gestanden hat alles: Werften und Straßenbahnen, Büros und Geschäfte schlossen. Der Streik wurde an zahlreichen anderen Orten unterstützt. Der Höhere Polizei- und SS-Führer in den besetzten Niederladen H. A. Rauter räsonierte: „Streik gibt es nicht im Dritten Reich“ und verhängte den Ausnahmezustand. Am 26. Februar wurde „de Staking“ gewaltsam beendet. Die Aktion war erfolglos: Von der etwa 140000 Menschen zählenden jüdischen Diaspora überlebten nur 27000 die deutsche Besatzung. Ich bezweifle, ganz ehrlich, dass diejenigen, die heute Anne Frank ein Geschirrtuch umhängen wollen, etwas vergleichbares für ihre Nachbarn – egal welcher Nationalität – gemacht hätten.
(…) Es sei schwer zu erklären, warum bisher so wenig Filmmaterial vom Februarstreik gefunden wurde, sagt Kok. „Die Niederlande waren damals gut sechs Monate lang von den Deutschen besetzt. Bis dahin zeigten sie sich noch von ihrer ‚freundlichen‘ Seite. Es gab noch reichlich Fotomaterial, und es wurde viel fotografiert, auch von Amateuren. Wir haben zahlreiche Aufnahmen von vor und nach dem Februarstreik.“
Auf der Suche nach Filmmaterial vom Februarstreik rief die NOS kürzlich zu Mithilfe auf. Zwar sind viele Geschichten über den Streik bekannt, doch existieren so gut wie keine Bilder. Der Protest legte 1941 große Teile von Amsterdam, Hilversum, der Zaanstreek, Kennemerland, Weesp und Utrecht lahm.
Kok beschreibt die Atmosphäre am ersten Streiktag als „eine Art Befreiungseuphorie“. „Tausende Menschen waren auf den Straßen Amsterdams, auf dem Noordermarkt, der Westerstraat und dem Spui. Die Deutschen waren vom Streik noch völlig überwältigt. Die Bedingungen zum Fotografieren waren eigentlich sehr gut.“ (…)
https://nos.nl/artikel/2089009-indrukwekkende-foto-februaristaking-opgedoken
