Das Grosse Thier bittet um Mithilfe

Dieses bemerkenswerte Stück Innenansicht aus der Welt des Bahamas-Fussvolks wirft eine interessante Frage auf. Und zwar diese Stelle:

nachdem ein Ba’hamas Autor von „globalistische(n) Freunde(n) islamischer Massenintegration“ schwadronierte, und meines Erachtens nach in übelster Tradition* einem Juden vorwarf, an der Zersetzung des Abendlandes mitzuwirken. Ich habe mal gelernt, dass genau das Antisemitismus ist. Autoren, denn es sprang ihm ein weiterer bei, derjenigen Zeitschrift, die zurecht immer linken Antisemitismus kritisiert hatte, scheinen auf dem anderen Auge blind zu sein.

Wir wären natürlich sehr daran interessiert, wer das war und was er gesagt hat, und wo man das findet. Ob in irgendeiner Druckausgabe (sng), oder wie üblich auf Facebook. Am schönsten wäre natürlich ein sauberer Screenshot.

Die Stelle trägt folgende Fussnote:

*Passage auf Wunsch des Herausgebers geändert.

Mit Herausgeber ist vermutlich Stefan Laurin gemeint. Wäre doch auch interessant, wie die Passage ursprünglich gelautet hatte. Wer kann dazu etwas beitragen?

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Anti-westliche Islamkritik?

Und damit wäre ein zentrales Unterscheidungsmerkmal formuliert: Es gibt einerseits weltweit antiwestliche Islamkritik und dann eine, die sich unverbrüchlich den Ideen des Westens verpflichtet fühlt. Die einfache Frage lautet deshalb: Which side are you on?

Schreibt Thomas von der Osten-Sacken auf dem Blog der jungle world. Ich meine: wenn er schon dabei war, hätte er gleich noch Köpfe auf die Nägel machen können. Thomas, du hast mit den Typen doch eh abgeschlossen bzw. die mit dir; auf wen musst du Rücksicht nehmen, dass du nicht sagen kannst: es gibt so etwas wie antisemitische Islamkritik. Und damit meine ich gar nicht nur eine gewisse Hassliteratur der Hizbullah, wo man ganz ungeniert auf westliche Vorarbeiten aufbaut und den sunnitischen Salafismus direkt zu einer „talmudischen Sekte“ erklärt. Ja, das ist auch „Islamkritik“, und sie ist der christlichen übrigens in den theologischen Argumenten gar nicht unähnlich. Ich meine aber gar nicht nur diese.

Ich kenne da welche, die vor lauter „Verteidigung des Abendlands“ Islamkritik treiben, als wären sie Bruno Bauer und trieben „Kritik“ des Judentums. Wie weit ist das denn alles wirklich voneinander weg? Wieviel der heutigen „Islamkritik“ erinnert an antisemitische Auslassungen von früher über das traditionelle Milieu des osteuropäischen Judentums? Oder an Auslassungen unserer auf den St. Paulus immer so stolzen Gelehrten über den fanatischen Glauben an den toten Buchstaben des religiösen Gesetzes? Bei wie vielem, was sich gegen die Muslime richtet, kann man das Gefühl haben, es geht vorläufig nicht gegen die Juden?

Oder lass es mich andersrum probieren: Die Antideutschen haben jahrzehntelang an einer Kritik des Antisemitismus gearbeitet, und entweder das war alles umsonst, oder es sollte doch ein bisschen was davon stimmen. Irgendwas hiervon: der Antisemitismus ist nicht einfach dasselbe wie Rassismus; er tritt nicht einfach als Herrschaftsideologie auf, sondern als Welterklärungsmodell; er wandelt sich über die Epochen, nimmt neue Vorstellungen auf, maskiert sich, chiffriert sich; er kommt nicht aus Unwissen, und mit Argumenten ist ihm letztlich nicht beizukommen; er ist nicht eine Summe persönlicher Vorurteile, sondern eine gesellschaftliche Bewusstseinsform; er kommt bei Linken wie bei Rechten vor; er kommt ohne jeden Bezug darauf aus, was Juden tatsächlich sind und tun; und die, die ihm verfallen sind, streiten vehement ab, das zu sein, gerade weil sie sich hinter der jeweils neuen Maske des Antisemitismus verstecken können.

Wenn dies aber wahr ist, was hindert uns eigentlich, das Muster wiederzuerkennen? Unsere heutigen Islamkritiker argumentieren ja auch, wie sie selbst als erste betonen, keineswegs rassistisch, sondern erstens gegen eine bestimmte Religion, die aber dann doch zweitens wieder etwas viel allgemeineres ist als eine Religion, nämlich ein gesellschaftliches Verhältnis, Despotie oder Bandenherrschaft oder Nationalsozialismus; aber nicht als gesellschaftliches Verhältnis gefasst, sondern dann doch irgendwie von den einzelnen Angehörigen der konkreten Religion ausgehend.

Revoltierende Jugendliche etwa 2011 in England sind dann Beispiel von z.B. „Gangland-Islamismus“, auch ohne jeden muslimischen Hintergrund; „Islam“ wird auf einmal fast eine Metapher für „Bandenwesen“. Aber neben den wirklich bestehenden Banden, die gewissermassen qua Bande muslimisch sein sollen, auch wo diese aus Christen bestehen, gibt es dann noch die konkreten Muslime, die auch dann pars pro toto für „das Bandenwesen“ stehen, wenn sie selbst überhaupt nicht in Banden tätig sind, sondern z.B. ganz normale Leute. Man bezeichnet dann also den vermeinten Gesellschaftszerfall (in „die Banden“) als Islamisierung der Gesellschaft, aber genauso auch die Zuwanderung von wirklichen Muslimen.

Was ist das überhaupt für eine Logik? Gibt es irgendwelche anderen Leute, über die so geredet wird?

Auf die Weise verdoppelt sich das, was man als Feind ausgemacht hat, in den wirklich bestehenden und in eine Sorte von Leuten, die als dieser Feind gilt kraft Religionszugehörigkeit. Dann muss einem „der Islam“ nur noch zur Weltgefahr und zum uranfänglichen Endgegner werden, (☑) und man hat die Suppe zusammen. Die wirklichen und die bloss eingebildeten Gegner tauschen dann ihre Plätze: die wirklich handelnden Akteure des gesellschaftlichen Prozesses werden zufällige Randfiguren, die bloss eingebildeten Akteure werden zu den wirklichen Ursachen. Die allein noch nötige schattenhafte Macht im Hintergrund ergibt sich organisch aus dem ganzen Wahngebilde, wenn sich zeigt, dass der Staat vermutlich aus schwächlichem Liberalismus gegen diese Umtriebe nicht ausreichend einschreitet; dann fällt einem ein, dass er von sogenannten Globalisten durchsetzt ist, die selbst im Bunde mit „dem Islam“ stehen, und von sogenannten Gutmenschen oder Islamverstehern, die sich aus falsch verstandenem Liberalismus über die wahren Absichten „des Islam“ täuschen lassen.

Dass bisher niemandem eingefallen ist, die Rolle der jüdischen Hintermänner mit Sunniten zu besetzen (ausser General Flynn), hat historische Gründe; und genau das ist der Garant dafür, wo das alles enden wird, ob es unsere Islamkritiker wollen werden oder auch nicht. Bis zu diesem Punkt aber hat man eine Logik vor sich, die man genausogut bei Hitlers Lehrer Dietrich Eckart in seinem Buch „Der Bolschewismus von Moses bis Lenin“ finden kann. (1)

Oder ich irre mich, und Antisemitismus ist gar keine gesellschaftliche Denkform? Kann sein. Es gibt eine Möglichkeit, das herauszufinden. Vielleicht tragen wir mal zusammen, was wir so an Islamkritik kennen, das ohne Anleihen beim Antisemitismus auskommt. Ich bin sicher, mir ist sowas schon untergekommen. Oder? Vielleicht täuscht man sich ja auch, und es hat so etwas noch gar nie gegeben? Vielleicht wirds Zeit.

1 Wenn einen das unglaubhaft vorkommt, liegt das vielleicht daran, dass man von der Hetze gegen die jüdischen Flüchtlinge aus Osteuropa nach 1916 noch nie ein Wort gehört hat, die man entweder als rückständig und unzivilisiert verschrieen hat oder als gefährliche bolschewistische Mordbrenner, die schon Russland ins Unglück gestürzt haben und jetzt darauf brennen, auch Deutschland zu zerstören. Es sieht um so irritierende aus wie heute, je genauer man hinschaut.

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Worum zu Teufel geht es III

Neues aus der „Schwatzbude“ (Rosa Luxemburg):

Doch schon bevor es losging, zeichnete sich ab: Seehofer will an Maaßen festhalten. Und die Kanzlerin gab leise zu verstehen, dass ihr nach einer weiteren Eskalation nicht der Sinn steht.

Die „Compact“ wird also noch ein paar Tage auf ihren nächsten Starautoren warten müssen, aber wohl nicht besonders lange, sondern ungefähr zum bayerischen Wahltag. Die CDU wird den nicht in Gnade wieder annehmen ausgerechnet am Tag, wo sie Victor Orbán fallen gelassen haben:

Das EU-Parlament fordert mit 448 gegen 197 Stimmen ein Strafverfahren wegen Rechtsstaatsverstößen gegen die ungarische Regierung. Das kann zum Entzug der Stimmrechte im Ministerrat führen.

Wer weiss, vielleicht wird man irgendwann sagen, dass sie an dem Tag auch die Partei Seehofers fallen gelassen hat:

So stellten sich die CSU-Europaabgeordneten hinter Ungarns umstrittenen Regierungschef und damit gegen ihren eigenen Fraktionschef und möglichen Spitzenkandidaten bei der Europawahl: Manfred Weber. … Die deutschen CDU-Europaabgeordneten hielten Weber, anders als seine CSU-Parteifreunde, mehrheitlich die Treue. … Entscheidend war wohl auch ein Hinweis von CSU-Chef Horst Seehofer. Seehofer ist lange genug selbst Abgeordneter, er weiß, dass er seinen Leuten in Straßburg nicht einfach Anweisungen geben kann. Trotzdem ließ Seehofer nach Informationen des SPIEGEL keinen Zweifel daran, auf welcher Seite er steht – auf der Orbáns, und nicht auf der des eigenen Spitzenkandidaten.

Der Merkel- und Macron-Block nimmt Formen an und greift nach der Macht in der EU. Wer hätte dem Bürgertum das noch zugetraut? Und noch jemand anders lässt die CSU fallen: die Bayern. Neueste Umfrage vom 12.9.: es gibt keine rechnerische Landtagsmehrheit aus CSU und AfD mehr.

Der Ausgang solcher Wahlen ist, wie sich leicht zeigen kann, in nur sehr beschränktem Masse scheissegal. Diese Dinge laufen aus die erste grosse Niederlage der Partei, für die Jürgen Elsässer jetzt arbeitet, seit 2013 hinaus. Bisher hat es doch für alle insgeheim so ausgesehen, als wäre das die kommene Macht und alles laufe ihnen zu. Es wird die Leute noch auf ganz andere Gedanken bringen. Das Zeitalter Merkels wird nicht von Orbán und der AfD beendet werden.

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Gute Frage XXI

Wird Hans-Georg Maaßen nach seiner baldigen Frühpensionierung mit dem thüringer Ex-VS-Chef Roewer und Wehrssportgruppen-Hofmann in der „Compact“ Mutmassungen über den NSU austauschen?

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Klar

Waffen, alles klar.

Die Tunnel dienten den Aktivisten „als Rückzugsort, als Schlafstätte, Versteck und vermutlich auch Schmuggelroute, um Waffen und Krawallmacher in den Forst zu bringen“, sagte ein leitender Polizist der Zeitung

Ja, ne, is klar.

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Nochmal: Polizeiintrige

Da habt ihrs.

Über das Video, das zeigen soll, wie dunkelhäutige Menschen nahe des Johannisplatzes in Chemnitz gejagt werden, sagte er: „Es liegen keine Belege dafür vor, dass das im Internet kursierende Video zu diesem angeblichen Vorfall authentisch ist.“ Nach seiner vorsichtigen Bewertung „sprechen gute Gründe dafür, dass es sich um eine gezielte Falschinformation handelt, um möglicherweise die Öffentlichkeit von dem Mord in Chemnitz abzulenken“. Details dazu, wer eine solche „Falschinformation“ gestreut haben könnte, nannte Maaßen nicht

Muss er auch nicht. Ebensowenig, wie ich das Video kenne, von dem die Rede ist. Aber ich schrubbe in meiner bezahlten Zeit Dreck aus Ritzen, und er dirigiert den „tiefen Staat“. Unsere Intrigen sind noch wenig wert. Die seines Hauses sind Schlagzeilen.

Über die Vorgänge in Chemnitz hoffen wir, noch Aufschluss zu gewinnen. Was hat die Polizei des Freistaats Sachsen da eigentlich für ein Spiel getrieben? Einsendungen erwünscht.

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#13 ist da!

IMG_0538Auch wenn wir es selber nicht mehr geglaubt und beinahe vergessen haben, die Nummero 13 (in Worten: dreizehn) ist da. An den üblichen Stellen bei üblichen Verdächtigen erhältlich. Oder eben so, wie es geschireben steht:

In vergangenen Jahren haben wir uns mehrmals überlegt, wie wir die Finanzierung dieses äußerst unregelmäßig erscheinenden Blattes auf unser liebes Publikum abwälzen. Das hat mäßig bis gar nicht funktioniert. Und weil Gelder von George Soros und der Gustav-Noske-ehemals-Rosa-Luxemburg-Stiftung bei weitem nicht reichen, gibt es jetzt im Jahre sieben des Bestehens folgende Neuerungen:

Sammelbestellungen werden generell bevorzugt, die alten „Großkunden“ werden größtenteils nach wie vor beliefert. Wer ein, zwei oder mehrere Hefte bestellen möchte, hat von nun an zwei Möglichkeiten. Old school / DIY-LiebhaberInnen können gerne einen entsprechend (das sind derzeit bei der Deutschen Post 1,45€, kann sich mal wieder ändern) frankierten Briefumschlag (DIN A5) an A.Mittelstädt, Zweinaundorferstr. 19, 04318 Leipzig schicken. Leute, bei denen die Zukunft bereits angefangen hat, überweisen etwa 1,5€ oder gerne mehr via PayPal an dasgrossethier (a) gmx . de. Bitcoin-, Ethereum- und Yandex.Money-Konten werden noch eingerichtet. Spenden sind generell willkommen. (Bitte keine Sachspenden!) Es lohnt sich allerdings immer davor uns eine Email mit der Anfrage / Bestellung zu schreiben, vor allem wenn es mehr Hefte werden sollen. So viel kann man einem interessierten Publikum unseres Erachtens zumuten.

In diesem Sinne, was kost’n die Säu‘?

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Ein schwieriges Verhältnis: Thomas von der Osten-Sacken, Bahamas und die Revolution

von Seepferd

 

Nach dem langen Überlegen, ob es sich denn überhaupt lohnt, darauf einzugehen; ob es überhaupt Sinn macht, solche Sachen noch zu erklären. Es schadet nicht dem besagten Nahost-Experten nicht mehr als der Antizionismus-Vorwurf letztens, der aus der bekannten Ecke kam. Das Hündchenrudel, der den Experten daraufhin angefallen hat, soll sich künftig vorsehen. Es kann ihm jede Zeit genauso ergehen, denn die „Ideologiekritiker“ (und  „-kritikerInnen“, wenn Paulette Gensler schon darauf besteht) verhalten sich nicht anders als der von ihnen kritisierte Zusammenschluss von Einzigen bei Max Stirner, als die Formierung des Kritikers zur Bande, als ein Raket nämlich. Und dieses wird jeden (und jede, wenn Paulette Gensler schon darauf besteht), der/die gestern noch dabei war, unter die Räder werfen, wenn es die heutige Geschäftslage erfordert.

Wir aber wollen nicht von der Osten-Sacken an die Pelle rücken, sondern der „Szene“ und ihrer Presse. Denn die „Rufschädigung“ habe er „ganz selbstständig in eigener Sache betrieben“, wie man so schreibt. In der Tat. Es ist vor ein paar Tagen ein interessanter Text auf mena-watch.com und auf dem Blog der jungle world erschienen – wie soll man es überhaupt bezeichnen? – über „das Ende der Revolution“ im Iran.

In einem aber liegt die Daily Mail ganz falsch, wenn sie ihren Artikel so betitelt: ‚Revolution is coming‘. Nein, was immer im Iran geschehen mag, eine Revolution wird es nicht sein, wenn Menschen für ‚ „Meinungsfreiheit und Frauenrechte“ auf die Straße gehen. Vielmehr handelt es sich darum, eine Revolution, die islamische von 1979, zu beenden, wie Amir Taheri schon im Jahre 2009 richtig bemerkte. Und nichts bräuchte der Iran dringender als ein Ende dieser Revolution mit all ihren fatalen Folgen.

Davon abgesehen, dass der besagte Experte die Klassenzusammensetzung bei den Geschehenissen von 1979 und 2009 komplett ignoriert; die Frage umgeht, ob eine bürgerlich-demokratische Revolution ohne das, was man früher als das Proletariat bezeichnet hat, jemals funktionieren und erfolgreich werden konnte; ob das, was sich im Iran anbahnt, im bürgerlich-demokratischen Rahmen verbleiben und seine Erfüllung finden kann. Er kauft nämlich der klerikal-faschistischen Gegenrevolution ihre Selbstbezeichnung als Revolution (wenn auch nur „islamische“) ohne Widerrede ab.

Diese „Meinungsfreiheit und Frauenrechte“, sind kein Normalzustand, keine Einrichtung der Welt, die man per default hat und die erst durch Revolutionen und andere Katastrophen gestört wird. Sie sind selbst revolutionären Ursprungs, eine Störung des bisherigen Weltlaufs. Dass es nicht einer Revolutionierung aller Verhältnisse in der iranischen (und nicht nur; ist es vielleicht wieder Zeit sich mit Trotzkis Konzeption der permanenten Revolution zu beschäftigen, hm?) Gesellschaft, sondern einer Beendigung jeglicher umstürzlerischen Tätigkeiten bedarf, mag die Position von der Osten-Sackens sein. Ähnliche Aversionen gegen revolutionäre Umwälzungen wurden allerdings auch auf der Bahamas-Konferenz Dezember 2017 in Halle verlautbart.

Was man aber von der Osten-Sacken zugutehalten kann, ist, dass er mit unnötigen Horkheimerzitaten nicht um sich wirft. Weder mit dem von einem wahren Konservativen, der eher einem wahren Revolutionären verwandt ist (findet man sinngemäß auch bei Paul Goodman btw), noch mit dem vom Kommunismus, an dem man umso fester hält, je unrealistischer dieser wird. Mit diesem „Kommunismus“ gehen mittlerweile Leute hausieren, die sich jeglicher kommunistischen Sache längst versagt haben, wenn sie ihre noch trotteligere Generika von Hate Speech Antifa maßregeln. So ein „Kommunismus“ lässt sich bequem in der Ecke abstellen, muss nicht gefüttert werden und verlangt nicht nach seiner Verwirklichung, weil er abstrakt ist, weil dem Zitatenkasten entnommen ist.

Und nun die Gewinnfrage, warum – von der Vorliebe für Horkheimerzitaten abgesehen – vertragen sich Bahamiten mit von der Osten-Sacken nicht? Ist die Frage Ihnen „existenziell“ genug? Schreiben Sie uns und gewinnen Sie tolle Preise!

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Nachtrag zur Restvernunft

Folgendes berichtet die Lügenpresse bzw. Reuters aus einem Interview mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten:

Trump asserted that he retained the power to intervene in the probe, but that he had chosen not to do so for the moment.

“I can go in, and I could do whatever — I could run it if I want. But I decided to stay out,” he said. “I’m totally allowed to be involved if I wanted to be. So far, I haven’t chosen to be involved. I’ll stay out.”

Trump meint also, und Alan Dershowitz wird ihm vielleicht zustimmen: der Präsident ist die oberste Bundesbehörde der USA (und eigentlich die einzige, unitary executive), und damit auch supreme law enforcement official; er könnte also, wenn er wollte, eine Strafsache gegen ihn und sein Umfeld direkt an sich ziehen und die Ermittlungen selbst führen so, wie er es für richtig hält. Und zwar statt der „with hunt“ gegen ihn, die „so bad for America“ ist, eine gegen seine Gegner veranstalten, wie er es immer wieder fordert.

Carl Schmitt hätte sowas plenitpotestas immediater in omnibus genannt, unmittelbare Vollgewalt in allen Angelegenheiten; allerdings erst nach 1945. Vorher hatte er eine etwas eigene deutsche Übersetzung dafür.

Die gute Nachricht ist: es stimmt natürlich nicht. Trump könnte das nicht. Er ist als oberste Bundesbehörde nicht nur an die Verfassung gebunden, sondern auch an die Gesetze. Und er kann nicht selbst in die Rechte der Strafverfolgung eintreten in eigener Sache. Die schlechte Nachtricht ist: er scheint es nicht zu glauben. Die zweite schlechte Nachricht: er kann einen Strohmann einsetzen, der es für ihn macht. Die beiden schlechten Nachrichten weisen zwei unterschiedliche mögliche Wege zum Faschismus.

Es wird wohl ein interessanter Herbst, wie es aussieht. Die Trottel, denen für Trump und seine Leute in vollem Ernst das Wort „Restvernunft“ eingefallen ist, weil die USA ja früher gegen Hitler gekämpft haben, tun recht daran, in solchen Zeiten an Gewissheiten festzuhalten. Solche Gewissheiten bieten Halt und Zuversicht, und seien sie noch so falsch; und ich weiss, sie lesen alle heimlich Nietzsche:

Die Krähen schrei’n
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnei’n –
Wohl dem, der jetzt noch – Heimat hat!

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Über ein verbreitetes Missverständnis der israelsolidarischen Linken

Unter proisraelischen Linken hat sich die Formel eingebürgert, man sei generell gegen Staaten, aber Israel sei der Staat, der „als letztes abgeschafft“ werden soll; einstweilen sei er noch notwendig, um die von Antisemitismus bedrohten Juden zu schützen. In allen Ländern sollen Anarchisten also gegen ihre jeweilige Herrschaft agitieren, nur ihre israelischen Genossen müssten sich Zurückhaltung auferlegen und abwarten, bis im Rest der Welt Ausbeutung und Unterdrückung ein Ende haben.

Martin Stobbe hat diese Haltung in der neuen Ausgabe der linken Zeitschrift Bahamas als widersprüchlich kritisiert: Die Israelsolidarität sei diesen Leuten im Grunde äußerlich, lediglich eine „eher befremdlich erscheinende Zutat“ ihres Programms, dem es „blindwütig und unreflektiert immer um die sofortige Abschaffung aller Nationen“ gehe. Stobbe legt den linken Freunden Israels nahe, generell auf ihre Kritik des Nationalstaats zu verzichten, da nur mit einer staatsbejahenden Haltung eine konsistente Israelsolidarität möglich sei.

Stobbe trifft hier einen wunden Punkt. Auch wenn man seine Schlussfolgerungen nicht teilt, muss man doch zugestehen, dass die Vorstellung von Israel als dem „zuletzt abzuschaffenden Staat“ tatsächlich sehr ungereimt ist.

Zunächst leuchtet nicht ein, warum gerade Israel in Sachen Revolution hintan stehen soll. Es ist ein modernes Land mit hoch entwickelter Industrie, einer relativ gebildeten Bevölkerung und einer reichen Tradition sozialer Kämpfe. Wenn also die revolutionäre Bewegung weltweit endlich den ersehnten Aufschwung nimmt, so kann ich mir gut vorstellen, dass Israel eines der ersten Länder sein wird, die mit von der Partie sind. Jedenfalls scheinen mir die Voraussetzungen für eine erfolgreiche anarchistisch-kommunistische Umwälzung dort viel eher gegeben als beispielsweise im Gazastreifen oder auch in den nordsyrischen Kurdengebieten, die zur Zeit von vielen revolutionsromantisch verklärt werden.

Bleibt die Gefahr antisemitischer Verfolgung und der Schutz, den der jüdische Staat hier bieten soll. Diese Bedrohung ist tatsächlich sehr real. Und wenn wir einmal annehmen, dass sich in Israel eine soziale Revolution ereignen sollte, so wird dies wahrscheinlich den Hass der Antisemiten und aller Reaktionäre sogar noch verstärken. Wenn die Israelis wirklich Ernst machten mit der Abschaffung des Privateigentums, der Familie und des Staates, so würden die Antisemiten ihre Vorurteile vom zersetzenden Charakter des Judentums bestätigt sehen. Die Juden hätten also allen Grund, um ihre Sicherheit zu fürchten.

Der grundlegende Denkfehler der linken Israelfreunde scheint mir aber, dass sie glauben, Menschen bräuchten unbedingt einen Staat, um sich zu verteidigen. Das ist nicht der Fall. Wenn dereinst tatsächlich Arbeiterräte die Macht in Tel Aviv und Jerusalem übernehmen würden, so hieße das nicht, dass die Menschen alle Waffen wegwerfen und ihre beim Militärdienst erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten vergessen. Ich denke, die Israelis könnten sich ihrer Feinde noch immer ganz gut erwehren, wenn sie die straff hierarchischen Israel Defence Forces in eine selbstorganisierte Volksmiliz nach dem Vorbild der anarchistischen Milizen im spanischen Bürgerkrieg umwandeln würden (mit moderner Bewaffnung, versteht sich!).

Apropos spanischer Bürgerkrieg: Damals waren es die Stalinisten, die sagten: „Wir brauchen jetzt noch den Staat und die Hierarchie – die soziale Revolution muss warten, bis wir den Faschismus besiegt haben.“ Mit Hilfe der Sowjetunion setzten sie ihre Vorstellungen gegen die Anarchisten durch. Genützt hat das freilich nichts, die Faschisten gewannen trotzdem. Und glaubt man George Orwells Ausführungen in Mein Katalonien, so hat das revolutionäre Spanien nicht trotz, sondern wegen der Wiederherstellung der Hierarchie in den Armee und der Gesellschaft verloren. Nicht nur wussten die Leute auf der republikanischen Seite immer weniger, wofür sie eigentlich kämpfen, da sie ihre gewonnenen Freiheiten Stück für Stück wieder abgeben mussten – vor allem aber verloren sie die Möglichkeiten einer revolutionären Vorwärtsverteidigung durch die Propagierung ihrer Ideen unter den Bauern und Arbeitern im faschistischen Hinterland und in Spanisch-Marokko, dem Hauptstützpunkt von Francos Truppen. Die Revolution ist ein Krieg, der nicht primär auf dem militärischen, sondern auf dem sozialen Terrain entschieden wird.

Auch ein revolutionäres Israel könnte – anders als das heutige kapitalistische – den unterdrückten Massen in den Palästinensergebieten, in den arabischen Ländern und im Iran ein echtes Verbrüderungsangebot machen: „Wenn ihr eure Waffen nicht mehr gegen uns, sondern gegen eure wirklichen Bedränger richtet, werden wir euch helfen, eure eigenen Herren zum Teufel zu jagen – auf das die schwarz-roten Fahnen auch über Damaskus, Riad und Teheran wehen.“

Zugegeben: Das sind alles nur Gedankenspiele, ohne Halt in der Realität. Arbeiterräte scheinen heute weder in Tel Aviv noch irgendwo sonst auf der Tagesordnung. Aber solche Gedankenspiele muss man von Zeit zu Zeit machen, damit man sich etwas klarer wird über die eigenen Ziele und möglichen Wege dahin. Dass die linken Freunde Israels überhaupt auf eine solche Formel wie die vom „zuletzt abzuschaffenden Staat“ kommen konnten, zeigt meines Erachtens, dass sie über die Überwindung der Herrschaft bisher nur in sehr abstrakten und oberflächlichen Begriffen nachgedacht haben. Entgegen der Meinung Martin Stobbes scheint es mir eher so, dass die Idee von der Abschaffung des Staates nur eine „eher befremdlich erscheinende Zutat“ im ansonsten recht konventionellen Denken der linken Freunde Israels ist. Der Bahamas-Autor kann also beruhigt sein: Von diesem Milieu geht mit Sicherheit keine Gefahr für den Staat aus.

Alfred Masur

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Fundstück des Tages

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