Gegendarstellung: Lob der Partei

Dem Grossen Thier ist ein entsetzlicher Fehler unterlaufen, für den es an dieser Stelle öffentlich um Entschuldigung bitten möchte. Wir haben, Monate ist das jetzt her, eine abscheuliche Eselei zugeschickt bekommen: eine dummdreist zusammengestümperte Rechtfertigungsschrift für ausgerechnet die DKP, die abgestandenste Sekte auf dem reaktionären Flügel der Linken.

Was noch viel schlimmer war: die Redaktion kam zu der Ansicht, der Verfasser des Textes sei Jakob Hayner, allseits geschätzter Autor und Mitherausgeber der Zeitschrift „Kunst, Spektakel, Revolution“.

Aber das schlimmste ist: ein Redakteur des Thier, von dem wir uns mittlerweile getrennt haben, hat den Text für gut befunden und auf den Blog gestellt. Dort steht es nun; wir haben vorläufig den angeblichen Verfassernamen als „H.“ abgekürzt.

Sehen wir uns den Schaden einmal genau an, ob so etwas wirklich von Jakob Hayner geschrieben sein kann.

Jeder kämpft ja auf dem verlorenen Posten, auf dem man nun einmal ist – so gut oder schlecht es eben geht. …Und wäre man ehrlicher, wüsste man auch, dass das alles gar nicht so schlimm ist. Ebenso wie die DKP.

Wenn man „das alles“, zu dem die DKP gehört, für schlimm hält, ist man also unehrlich: Das sagt H. so. Was will man da noch sagen? Bei einem Missgeschöpf wie der DKP lässt sich zum Glück allerhand sagen.

Die DKP wurde gegründet im Jahr des Einmarschs der fünf Armeen in Prag. In dem Jahr, da sich für alle Welt endgültig zeigte, dass es von dem „Sozialismus“ zum Sozialismus einen gangbaren Weg nicht gibt. Ich sage nicht: einen friedlichen, geraden etc., sondern: einen gangbaren.

Gerade die gesellschaftlichen Kräfte, die einen Weg von der Realität dieser Systeme, die sich ja fast schulterzuckend den real existierenden Sozialismus nannten, zu einer funktionierenden sozialistischen Demokratie zu gehen und erzwingen in der Lage gewesen wären, gerade diese Kräfte wandten sich in der Zeit unwiderbringlich von ihm ab, nämlich die Arbeiterschaft.

Diese späteste Ursache des Scheiterns dieses Sozialismus begeht die DKP durch ihre Neukonstituierung 1968 feierlich. Konnte das niemand wissen? Aber man hat es gewusst, und man hat es ihr gesagt. Die DKP ist schon zu Anfang hart und berechtigt kritisiert worden, nicht nur wegen ihrer Unterwürfigkeit gegen das DDR-Bonzenwesen und ihren Pseudo-Marxismus, sondern wegen des ausgesprochenen Spaltertums, dass in ihrer Gründung selbst lag; die ja auch weniger aus Verhandlungen der Arbeiterschaft, als aus Verhandlungen zweier deutscher Regierungen hervorging.

Die APO hatte immer einen KPD-Flügel gehabt, und es war nicht immer leicht mit diesem, aber mit seiner Verselbständigung war sie nicht mehr zusammenzuhalten. Um so mehr, als die neue Partei die maoistischen Elemente der illegalen KPD nicht zu integrieren in der Lage war, und sie als ebenfalls selbständige Sekten freisetzte.

Jede dieser Sekten hatte, die DKP voran, irgendeinem ausländischen Despotat und Vaterland der Werktätigen den Lehnseid geschworen, wie es der Brauch; eine irrer als die andre; und alles zusammengenommen machte der ganze St.Veits-Tanz ein Gespött aus der Linken, wie sie es besser nicht gekonnt hätten, wenn man sie bezahlt hätte.

Wenn man „ehrlicher“ wäre, hätte man, so H., an alledem eigentlich nichts auszusetzen. Ausserdem, es

kämpften und kämpfen in dieser Partei, wie in nahezu jeder anderen Politsekte auch, ein revisionistischer mit einem weniger revisionistischen Flügel, wobei es sich versteht, dass der vernünftige, also nicht revisionistische Flügel grundsätzlich in der Minderheit blieb.

Es hat freilich, wovon H. allerdings ahnungslos ist, schon früher Leute gegeben, die die DKP insgesamt eine revisionistische Partei genannt haben. Und zwar nicht nur die Trotzkisten und Maoisten, sondern auch solche, die gar keiner Sekte angehören, aber bei ihren Sachen sich gerne auf Marx beziehen statt auf irgendeine selbstverfertigte Theorie wie die des sog. Monopolkapitalismus, der antimonopolistischen Demoratie und andere schön ausgedachten Dinge mehr.

Diese Ahnungslosigkeit ist aber nicht gelernt, sondern naturwüchsig. Er begreift es aufrichtig nicht, wie man die Lehren der Klassiker so leicht missachten kann, wie wir es tun, ja wie man direkt sagen kann: die Lehren der leninistischen Klassiker, das ist der Revisionismus.

Ehrlicherweise muss man auch sagen: Mehr war wohl zu der Zeit nicht drin.

sagt H. stattdessen zu alledem. Mehr als eine Pseudo-Partei mit einem Pseudo-Marxismus als Parteidoktrin zu gründen? Zu gütig. Ja, wenn man in so unrevolutionären Zeiten wie 1968 lebt! Es blieb einem schier nichts anderes übrig. Zu was für Dingen müsste man sich dann heute erst gezwungen sehen, „ehrlicherweise“!

Nämlich

Die bundesdeutsche Gesellschaft erwies sich im Kern als reaktionärer als es die Ereignisse um 1967 nahelegen mochten

Rly? Die bundesdeutsche Gesellschaft hat sich damals in Wahrheit grundlegend verändert, namentlich ihre Arbeiterklasse. Zu schade, dass das den guten Leuten von der DKP völlig entgehen musste, die damals im FDJ-Blauhemd herumstolzierten. Wer war den reaktionärer als wer? Wenn man natürlich die DKP, die von der DDR ausgehaltene Scheinpartei, zum Mass nimmt, wie unbegreiflich reaktionär von den westdeutschen Arbeitern, dieser nicht in Strömen zugelaufen zu sein!

Von woher kamen denn dieser reaktionären Gesellschaft diese „Ereignisse“? H. scheint sich auf die uralte Selbsttäuschung der westberliner Studenten Studenten und ihresgleichen überall im Land zu verlegen, dass sie, die Studenten, mit ihren Umzügen auf der Strasse „68“ gemacht hätten. Nichts davon ist wahr. Sie waren nicht die Welle, sie waren der Schaum, der sich auf ihrem Kamm kräuselte. Die Welle aber hatte ihre Basis tief in der Gesellschaft, die H. für so reaktionär hält, und sie hatte sie tief aufgewühlt und umgegraben. War nicht umgekehrt gemessen daran die DKP jedenfalls reaktionärer als die Gesellschaft? Wir denken so.

Erst die Alternativen machten dann offensiv ihren Frieden…riefen zu den …»Schwitzhändchenketten« (Wolfgang Pohrt) für den Frieden auf, an denen sich dann auch die von Bedeutungslosigkeit bedrohte DKP beteiligte. In Zeiten der Reaktion bleibt niemand von Dummheiten verschont

Man zitiert den bei uns beliebten Pohrt immer dann, wenn man lügen will. „Erst die Alternativen“, und die DKP musste sich dann notgedrungen fügen. Nun, es war glatt umgekehrt. Die DKP und ihre Freunde von der „stalino-christlichen Allianz“, wie das Debord nannte, haben dem Wort „Frieden“ einen faulen Klang gemacht, indem sie es zur sowjetischen Propaganda-Phrase herunterbrachten. Eine Friedensbewegung, die sich für die Atomwaffen der Sowjetunion und den afghanischen Krieg unzuständig erklärte; und die jede Solidarität mit der oppositionellen Friedensbewegung des Ostens ablehnte. Mit einem wohlplatzierten gehässigen Pohrt-Zitat lässt sich von der Verlogenheit dieser DKP-geführten Bewegung gut ablenken, gerade indem man sie zu attackieren scheint; man muss nur unter dem Knall und Qualm geschwind so tun, als hätte die DKP mit der Sache eigentlich nichts zu tun. Es steht Pohrt drauf, also wirds stimmen. Es ist ja auch der späte Pohrt, von dem H. und andere den unerträglich besserwisserisch abwiegelnden Ton her haben, dieses „wenn man mal ganz ehrlich ist, ist das doch alles nicht so schlimm“; ein eristischer Kniff, den ich H. dringend empfehle, auch einmal vor Live-Publikum auszuprobieren.

notorischer Danebenlieger wie Trotzki, Bakunin und Pannekoeck

Wir freuen uns auf die Liste der Nicht-Danebenliegenden Sozialistischen Klassiker, die H. uns sicher dereinst zur Kenntnis bringen wird. Wird Enver Hoça dazugehören? Oder Pol Pot? Es gibt sogar in diesem infamen Textchen wenig, was infamer ist als das Wörtchen „Danebenlieger“. So viel Einverständnis mit dem Weltlauf. Aber wird H. dann fairerweise darauf verzichten, sich mit Zitaten Walter Benjamins zu schmücken? Oh ganz sicher nicht. Dazu macht Benjamin einfach zuviel her.

Das Geschwafel von der demokratischen Mehrheit, dem Dutschke in einem schwachen Moment verfallen war, obwohl er es besser wusste, hilft sicher nicht weiter

Dutschke ist dem nicht in einem schwachen Moment verfallen, Dutschke ist aus der DDR abgehauen, und wenn er so etwas hätte haben wollen, was H. wohl Sozialismus nennt, dann wär er vielleicht gleich da geblieben. Man muss seine Ansichten nicht teilen, aber ihm andichten, er hätte es besser gewusst, das geht vom verlognen ins unverschämte.

Aber wer den Genossen aus den falschen Gründen an den Kragen will, um sie letztlich mit demokratischen Mehrheiten belehren zu wollen, erledigt objektiv das Geschäft unserer Feinde

Nun, ich weiss nicht, H., ob es dir aufgefallen ist, aber schon wenn man die Reden, die du selbst führst, ernst nimmt, kann man nur zu dem Schluss kommen: es wäre in der Tat nötig, sehr gründlich das Geschäft eurer Feinde zu erledigen. Genau diesem Klima der aufgeblasenen Dummheit und Verlogenheit, in dem du dich so wohl fühlst, haben wir in der Tat an den Kragen zu gehen. Klassenfeind, wie dein lieber Ernst Busch sang, bleibt Klassenfeind.

Urteilen Sie selbst, meine Damen und Herren, ob dieses stumpfe Geschwätz wirklich von dem bekannten Kunstredakteur und Kritiker Jakob Hayner stammen kann, oder ob wir Opfer eines abgefeimten Betrugs geworden sind!

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Slavoj Žižek

Jetzt weiss ich endlich, an wen der mich immer erinnert.


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Danke, Yanis Varoufakis

Hier sagt er diesen schönen Satz:

Deutschland befindet sich sogar in einer gewaltigen Krise und die Knappheit von Toilettenpapier ist lediglich ein Hinweis auf ein strukturelles Problem. Die ganzen Hilfspakete, die jetzt aufgelegt werden, zeigen, dass die politisch Verantwortlichen diese Vorahnung teilen.

Mit Recht. In sein Stammlokal kommt er wahrscheinlich trotzdem immernoch nicht mehr rein. Auch das mit Recht.

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Aus dem Bericht des RKI

Die „Massnahmen“ wie man es nennt, sind ja nun offenbar unterschiedlich wirkungsvoll. Via A. Reimen:

Am Gründonnerstag hat das Robert-Koch-Institut (RKI) einen neuen Fachartikel vorab veröffentlicht [1], den wir heute kurz vorstellen wollen. Dieser endet mit einem interessanten Ergebnis, das im Artikel aber nicht näher diskutiert oder interpretiert wird.

A. Reimen fragt zu Recht:

Kommen wir nun zum
Gewinnspiel
und der Preisfrage:

Welchen zusätzlichen Erfolg hatten die Maßnahmen vom 23.3. in Bezug auf die Reduktion des Infektionsgeschehens?
Begründen Sie Ihre Antwort in ein zwei kurzen Sätzen unter Zuhilfenahme von Abbildung 4.

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Ein Vorabdruck aus „Staat oder Revolution Bd. II“

Der Artikel von J. Finkenberger über die Frühromantik aus der seit Jahren angekündigten, jetzt erst erschienen Ausgabe 7 von »Kunst, Spektakel, Revolution« ist in der Rohfassung hier zu finden.

Das Stück ist, glaube ich, in der KSR als Vorabdruck aus „Staat oder Revolution, Bd. II“ angekündigt, obwohl ich fast sicher bin, dass ich die entsprechende Passage einfach durch einen Hinweis auf die Veröffentlichung in der KSR mit Seitenzahl ersetzt habe.

Anyway, es wird dort auf die Verwicklung der britischen Romantik in die Revolutionsgeschichte geben, wie es ja auch dem Vortrag zu dem Beitrag vor 3 Jahren in Weimar angesprochen war. Mitschnitt davon sollte die KSR irgendwo rumliegen haben.
Vielleicht im selben Ordner, wo Lukas auch dieses Hörspiel

Hier soll nicht im Einzelnen der Nachweis geführt werden, dass diese beiden, ebenso wie die Schlegel, Tieck, Schleiermacher, Hölderlin, Schelling und andere Parteigänger der Revolution waren; das soll ruhig versuchen zu bestreiten, wer glaubt, es zu können; es geht um die Frage, welcher Art die Parteinahme war, und das heisst eigentlich das selbe wie: worum es in der Revolution überhaupt ging.

Das ungelöste Problem einer gesellschaftlichen Synthesis macht sich geltend in der Errichtung einer gesonderten Zwangsgewalt neben der Gesellschaft, in der undurchschaubaren konvulsivischen Dynamik ihrer Entwicklung, in Terror und Gegenterror. Dieses Problem ist durch die Revolution unwiderruflich gestellt und nicht im Ansatz gelöst.

Die Vorgeschichte ist bloss suspendiert, ein „Anfang der modernen Geschichte“ noch nicht gemacht. Nicht erst ein Rücksturz droht, sondern die neue Zeit ist bereits auf der Schwelle gestürzt, und was wir seitdem Geschichte nennen, ist nur dieser Sturz.

Die unter Linken verbreitete faule Ansicht will, als seien alles dies Erscheinungen eines „Irrationalismus“, als eines von Natur konterrevolutionären Prinzips. Der Materialismus kann es sich kaum so einfach machen. Dieses Urteil träfe den Materialismus selbst. Denn nichts ist irrationaler als die Materie (…)

Als das geschrieben worden ist, vor 5 Jahren, war es noch ganz selbstverständlich, dass das in der KSR erscheinen würde, als Fortsetzung zu einem früher dort erschienen Text. Das ist heute, wenn ich mich umsehe, gar nicht mehr so selbstverständlich. Und in kurzer Zeit wird es erstaunen, dass solcher „freiburger Materialismus“ je dort gedruckt werden konnte. Die Dinge ändern sich immer erst lange nicht, dann auf einmal alle auf einmal.

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Auch so Dinge

As for restaurants themselves, chef Asma Khan tells me the biggest issue is unionisation. “After this,” she says, “our priority should be to create a powerful union that is the voice of the workers, not the owners and investors.”

Das hier aus dem Guardian ist schon eher übers obere Ende der Gastronomie, aber es trifft sich mit Dingen, die auch am unteren Ende gedacht werden.

Now is the time to start having honest conversations about food prices and supply chains, high rents and civic space, about who restaurants – or at least the ones that get coverage – really benefit.

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Ach übrigens, Würzburg!

Als Nachtrag zu unserem letzten Artikel über das Würzburger DKP-Umfeld.

Herzlichen Glückwunsch zur neuen Generation von Claqeuren genozidärer Regime: eine neue SDAJ.

ENDKAMPF UM IDLIB – FRIEDEN FÜR SYRIEN UND MIT RUSSLAND! JETZT!

Im seit 2011 andauernden, imperialistischen Überfall auf die arabische Republik Syrien unter Bashar al-Assad ist nach der erfolgreichen Rückeroberung von Aleppo

usw. usf.

Hatte man gehofft, dass diese Sorte irgendwann aussterben? Hatte man gehofft, dass solche Regime Sympathisanten verlieren nach alledem? Es wachsen immer neue nach. Bei Hans Söllner heissts irgendwo: Der eine geht, der andre kommt, Faschisten sterm net aus. Genauso ists bei den Stalinisten auch. Jede Lüge findet immer irgendeinen, der sie glauben will, es gibt Segmente im Internet, wo ungeheuer viele Lügen erzählt werden, und eine gewaltige Armee von jungen Leuten, die dringend neue passende Lügen suchen, je mehr von den alten Lügen fallen.

Ist das übrigens das Instagram von denen ihrm Sprecher? Feierlich.

Dem sein Stahlhelm ist schon gepresst, wies aussieht. Noch ein paar fun facts: derselbe Typ war VisdP für den Nachdenkseiten-Lesekreis Würzburg. Ich frage mich, wo die sich wohl treffen.

Wir treffen uns in einem Raum über dem Buchladen Neuer Weg. Die Adresse lautet:
Sanderstraße 23-25, Würzburg

Ah! Beim Neuen Weg. Das hätt ich jetzt nicht gedacht. – Einen Redebeitrag beim „Ostermarsch“ findet man standesgemäss auf Weltnetz.tv. Wer das nicht kennt, das sieht super seriös aus. Kreml-Troll Chic der 2010er. Heisst auch super seriös, find ich. Bei uns zuhause in den 1990ern haben die Nazis das Internet so genannt, Weltnetz.

Auch so eine Nachdenkseiten-Gründung, die Seite, angeblich. Dieter Dehm steckt da mit drin auch.

Ach, vor dem Neuen Weg! Das hätte ich jetzt nicht gedacht. Vielleicht sollte man mal schauen, was die so treiben.

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Die europäischen Finanzminister und die neuere Krise

Genau das hier ist der Kontext dieser Dinge:

Es wehte ein Hauch von Griechenlandkrise durch den virtuellen Konferenzraum der Eurogruppe.

Vor zehn Jahren ist das alles schon mal Thema von Konferenzen gewesen. Jetzt ist Rückspiel. Alles, was den Herrschaften nach 2008 eingefallen ist, steht jetzt wieder zur Disposition. Nicht nur EU-Bonds, oder ähnliches Zeug. Wenn der Sack auf ist, ist er auf.

Es wird ganz andre Dinge zu tun geben als sich mit Leuten im Internet rumstreiten, von denen man eh nichts erwartet.

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Gute Frage XIII

Wenn ich die Jungle World gar nicht abonniert hab, kann ich sie dann trotzdem abbestellen?

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Die versprochenen Beihilfen für Freiberufler u. Künstler

Ist nicht so, oder? Wenn man nicht in der KSK ist, bekommt man, hör ich, gar nichts. Aber die es nicht in die KSK schaffen, brauchens natürlich am dringensten.

In Sachsen darf man die berühmten Liquiditätshilfen gar nicht für Sachen wie eigene Krankenversicherung ausgeben. Fragt sich dann, wozu der Scheiss da ist.

Will man sich da evtl. schon jetzt mal verabreden, am Mittwoch nach der Epidemie (oder so) schön demonstrieren zu gehn gegen solchen Unfug? Da kommt schon noch andrer Unfug dazu, keine Sorge. Und vorbei ist das dann noch nicht.

Die Auseinandersetzungen müssten doch im Sommer stattfinden, rechtzeitig bevor das Virus im Herbst noch mal die Runde macht.

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Über die Fähigkeit, die Gesellschaft zu leiten.

An die Gebildeten unter ihren Verächtern.

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Jedes Regime und jede herrschende Schicht brauchen Legitimation, d.h. Zustimmung der Beherrschten; sie müssen die Fähigkeit haben (und das beweisen, oder vielleicht reicht es eine Zeitlang auch zu simulieren) die wirklichen Angelegenheiten der Gesellschaft zu leiten. Was die Angelegenheiten einer solchen Gesellschaft wirklich sind, weiss die Gesellschaft merkwürdigerweise sehr genau, auch wenn sie es selten ausspricht.

Vor ein paar Jahren hat irgendein Polizeigeneral, ich weiss nicht welcher, die sehen für mich alle gleich aus, einer von diesen beiden Freibiergesichtern vielleicht:

einer von diesen soll also 2015 gesagt haben: „Wir können die Sicherheit nicht mehr garantieren“ (so stehts in dem Spiegel-Artikel, wo das hübsche Foto her ist, das ich mir aufgehoben hab, weil es auf verrückte Weise genauso ausschaut wie das Hochzeitsfoto von Beatrix von Storch); die richtige Antwort darauf ist ihm damals aber nicht gegeben worden.

Die richtige Antwort darauf wäre gewesen: Das ist schön, dass ihrs selber einseht, ihr konntet das auch nie, ihr und euresgleichen waren es ja schliesslich, die den NSU übersehen haben. Dann solltet ihr vielleicht abtreten und den Laden abgeben an jemanden, der es kann.

Diese Antwort wurde damals nicht gegeben. Die verschiedenen linken Kräfte in diesem Land haben sich so eine Antwort gar nicht zugetraut. Nicht nur halten sie sich für zu schwach, so aufzutreten; aber eine politische Kraft, die nicht so aufzutreten wagt, wird schwach werden. Sondern sie würden erst gar nicht so denken. Sie haben eine eigenartige Verzerrung im Denken, die auch die klügsten nie ganz ablegen, die sie eigentlich handlungsunfähig macht; es ist nicht leicht, zu beschreiben, was für eine, wenn einem nicht zufällig ein schönes Beispiel vor die Flinte läuft. Dann wird aber auch schnell klar, wo das Problem liegt.

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In den letzten Wochen hat man, um das mal nur als Beispiel zu nehmen, folgendes teils gelesen, teils selbst erfahren. Sobald klar wurde, dass die neue Epidemie in China keineswegs schnell ausgetreten werden würde – und das war schnell klar, auch weil die Leute dem chinesischen Regime misstrauen, wie sie es sollten – , dachten die Leute darüber nach, was das bedeuten würde. Die bekannten verschiedenen Auffassungen (es ist nichts anderes als die Grippe auch, oder es ist genau wie 1918, oder es ist genau wie 1977, oder es ist genau wie 1933 etc.) wurden überall vertreten, aber zuletzt stellte sich unter der Bevölkerung eine Art Konsens ein, der diese verschiedenen Auffassungen interessanterweise keineswegs aufhebt, aber den Vorrang der praktischen Geltung unter ihnen hat. Dieser Konsens bildet sich nicht etwa dadurch, dass man irgendwelchen Experten zuhört, sondern dass unter den auftretenden Experten sehr genau ausgesucht wird, auf wen man hört. Ob der Konsens dann so auch richtig ist, ist eine ganz andere Sache, die mich persönlich viel weniger interessiert als die Tatsache, dass er zustandekommt.

Die Schliessung der Schulen z.B. wird dann gebilligt auch von den Leuten, die an sich der Ansicht sind, das sei eigentlich nur eine Grippe und die Reptiloidenregierung benutze sie zum Staatsstreich, sofern diese Leute nur Kinder, Eltern oder Grosseltern ihr Eigen nennen bzw. diese billigen. In den Wahlumfragen zeigt sich, dass man Merkel durchaus zugesteht, ihr Handwerk ordentlich zu machen und bereit ist, deswegen über ihre reptiloiden Staatsstreichpläne für diesmal hinwegzusehen. So paradox ist das, so gespalten denken die Menschen in dieser Gesellschaft anscheinend. Und nicht nur die „normalen Leute“ (so etwas gibt es nicht); wir werden gleich darauf kommen, zu was für eine staunenerregenden Spaltungs- und Verdrängungsleistungen unsere linken Intellektuellen erst in der Lage sind.

An dem Wochenende vor drei Wochen zeichnete sich klar ab, dass die Lage sich in diese Richtung entwickelte. Die frühen Fallzahlen wurden überall diskutiert. Und diese frühen Zahlen zeigten ein exponentielles Wachstum mit einer Basisreproduktionsrate von 3. Es war leicht auszurechnen, dass Mitte April die Epidemie 90% der Bevölkerung erreicht haben würde. So eine Rechnung ist nicht elementar, aber sie setzt auch kein Mathematikstudium voraus. Man kriegt das schon hin.

Es gibt von hier aus zwei grundlegend verschiedene Arten weiterzudenken. Die erste ist die derjenigen italienische Arbeiter, über deren Agitation wir Berichte aus dem Netz gezogen haben: es ist nicht einzusehen, warum die Betriebe nicht auch schliessen, und wenn die Chefs sie nicht schliessen, schliessen wir sie selbst. Solche Sachen sind nicht nur in Italien diskutiert worden und nicht nur in der Industrie. In der Industrie wird man ja auch nicht direkt dafür bezahlt, Leute anzustecken. (Wir haben Italien hier sozusagen nur als ein Beispiel angesehen, so wie das die gebildeten Stände seit Göthe hierzulande gewohnt sind.)

Die andere Art zu denken aber ist diese. Die Fussballspiele sind abgesagt; die Konzerte sind abgesagt; die Kneipen abends sind dann natürlich rammelvoll, weil die Männer sich dann natürlich, wenn sie schon nicht zum Fussball können, anderweitig von zu Hause losmachen mussten. Man verbringt doch nicht den Samstagabend zuhause! Da z.B. sah man dann diese andere Art zu denken: wenn wir nicht mehr zum Fussball können, gehen wir eben Bier trinken. Die Menschen bewegen sich dann wie geschobene Masse: wenn sie dort nicht hinkönnen, gehen sie woanders hin, aber immer reagierend, niemals selbsttätig. Die Menschen bewegen sich dann im Grunde wie Untertanen: sie folgen den Anordnungen passiv, sie handeln nicht nach eigener Überlegung, sie machen sich keinen Kopf, sie sind auch nicht zuständig. Sie überlegen nicht, ob es schlau ist, am Anfang eines exponentiellen Asts einer Ausbreitungsgleichung Schultern mit allerhand Leuten zu reiben; die gesellschaftliche Autorität, die allein zuständig ist, hat es nicht verboten, also los.

Man kann sich von 500 Seiten materialistische Staatskritik ein Drittel sparen, wenn man begreift: im Grunde wegen so etwas gibt es den Staat überhaupt. Sie nehmen, was die öffentlichen Angelegenheiten anbetrifft, unwillkürlich eine Konsumenten-Perspektive ein; sie wollen nicht die Urheber der öffentlichen Angelegenheiten sein, sondern den ihnen beschiedenen abgegrenzten Anteil daran. Deswegen benehmen sie sich auch so hirnlos. Der Unterschied nun zwischen diesen beiden Arten, die Lage aufzufassen, beschreibt sich, was die künftigen Aufgaben betrifft, eigentlich von allein. Und natürlich sind die einen und die anderen garnicht zwei verschiedene Arten Menschen! Es sind, nachprüfbar, dieselben Menschen zu verschiedenen Tageszeiten, d.h. in verschiedenen Verhaltensweisen; und die Konsumenten-Perspektive entspricht mehr oder weniger den im engeren Sinne bürgerlich vergesellschafteten Aspekten.

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Was mache ich also jetzt mit diesem Text, den ein Freund von uns auf seiner Seite veröffentlicht und der von ausgerechnet Thomas Maul wie folgt angepriesen wird:

 

Öha. Mit dem hat noch gemeinsame Freunde?

Der Mensch ist dem Menschen ein Virus – diese Wirklichkeit ist nun etabliert. Die Schnelligkeit und Widerstandslosigkeit, mit der diese Veränderung hingenommen wurde und wird, zeugt für sich allein schon davon, daß so etwas erwartet wurde. Was den Menschen schon lange quälendes und unterdrücktes Bedürfnis geworden war und dem in den letzten Jahrzehnten zwar immer mehr statt- und Futter gegeben wurde, aber nur nach und nach, in kleinen Dosen, erhält nun plötzlich, beinahe schockartig volle Erfüllung: Angst und Entsolidarisierung als soziales Grundbindemittel der Gesellschaft; der Kampf aller gegen alle um den individuellen Fortbestand in einer Welt meist nicht mehr zu durchschauender, zunehmend sinnfreier Tätigkeiten; die Wahrnehmung des anderen als Risiko, gesundheitlich und anderweitig…. das Abschalten intellektueller Tätigkeit zugunsten des sich Überlassens an ein Nervositäts- und Aufregungsregime, das immer neue Stimulationen liefert; der Überdruß an und die Unfähigkeit zu Hingabe, Genuss, Entspannung.

Und so gehts immer weiter. Feuilletónen und schwer kulturkritisch, ein bisschen wie der alte Debord, aber mit Obertönen einer Stellungnahme des Hotel- und Gaststättenverbands. Ich bin ja immer neidisch, wenn jemand so magnus-klaue-haft daherzuassoziieren versteht. Das klauehafteste, was ich zu dem ganzen Thema hinbekäme, wäre ja: wenn einer das nicht aushält, 14 Tage keinen Menschen zu sehen, der ist einfach nicht introvertiert genug. Aber, wie gesagt, zurück zum Thema, und da sind wir grad, nämlich wie-könnts-anders-sein, direkt

vor dem 1. Weltkrieg, als ganz ähnlich in einer Gleichförmigkeit der Meinungen und einem erheblichem Engagement beinahe aller eine Bevölkerung sich besten Willens in ihr Verderben begab. … Ohnehin ist diese auch als gesellschaftliches Experiment zu begreifende Realinszenierung erst angelaufen und es wird, soviel ist klar und wird auch schon da und dort von den Verantwortlichen angedeutet, noch eine reichliche Zeit dauern, bis die aktuell betriebene Phase beendet und zu einer anderen übergegangen werden wird.

Folgt generisches Adorno-Zitat über die Schlechtigkeit der Welt. Es wär eine schöne Parodie eines ins Impfgegnerhafte übertriebenen Bahamismus, einschliesslich der nichtsnutzigen Richtungsanzeigevokabel „Engagement“; aber ich weiss aus Erfahrung, dass man dort, wo das erschienen ist, für Parodien einen Sinn garnicht hat. Deswegen muss ich es vorläufig ernst- und es mich Wunders nehmen. Jetzt erinnere ich mich an die letzten paar Wochen natürlich anders, weil vermutlich ich entweder a) zu denen gehöre, die besten Willes in ihr Verderben sich begeben. Oder aber der Ausschnitt der Welt, den ich kenne, sieht b) einfach anders aus. Ich kann aber in meinem Ausschnitt erkennen, wo die Perspektive sitzt, aus der er schreibt. Es ist die oben so genannte Konsumenten-Perspektive.

Was für eine verdrehte Wahrnehmung, als ob die Leute jetzt aus purem Menschenhass 2 m Abstand voneinander halten, weil sie sich gegenseitig für eine Gefahr füreinander halten würden. Und mit welcher Geschwindigkeit das dann von dieser völligen Idiotie zu einer kompletten Weltdeutung geht! Man will sich gar nicht fragen, was gewesen wäre, wenn das Schicksal den Autor ein paar Jahre früher an Land geworfen hätte und er die „autofreien Sonntage“ von 1973 hätte erleben müssen. Denn „das ist auch ein Leiden“ (Hölderlin)! (1)

Der Herausgeber des Texts hat freilich früher die Schriften der Situationisten nachgedruckt, und jedesmal eine buntfarbige Broschüre herausgegeben, wenn irgendjemand auf der Welt eine Mülltonne angezündet hat. Wenn 2011 in Ägypten die Revolution schon Ende Januar unter Panzerketten begraben und damit ewig jung geblieben wäre, hätte er sich vielleicht sogar bereden lassen, auch dazu eine Broschüre zu machen. Mit Revolutionen, die alt genug werden, um zu irren, also praktisch zu werden, hatte man weniger Geduld. Vielleicht ist da ein Zusammenhang.

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Wer ist denn revolutionärer, der situationistische Herausgeber oder eine so zahme Arbeiterschaft wie die deutsche? Das ist eine Fangfrage. Vielleicht ist das hier eine Gelegenheit so gut wie jede andre, zuzugeben, dass wir schon länger keine feuchten Hände mehr bekommen, wenn jemand die alten situationistischen Geschichten erzählt. Das wirkliche Geschäft der Veränderung ist langwierig, zäh, und setzt mehr voraus als eine rauschende Feier auf Barrikaden es tut. Es hört auch nach dem Umsturz nicht auf, und fängt lange vor ihm an.

Eine solche Veränderung wird auch nicht der Ersatz der einen regierenden Clique durch eine andere sein können. Ist das aber die Möglichkeit? Ist denn überhaupt denkbar, dass die Gesellschaft die Leitung ihrer Angelegenheiten selbst in die Hand nimmt? 500 Seiten materialistischer Staatskritik kommen, zusammengefasst, zu dem Ergebnis: im Prinzip ja, aber nicht, solange sie die Gesellschaft der patriarchalen Familie und des Privateigentums an Produktionsmitteln ist. Erst die Gesellschaft ohne Staat, Privateigentum und Familie ist wirklich Gesellschaft, alles vorher nur die konvulsivischen Anläufe zu ihrer Gründung.

Vielleicht noch einmal zum Thema zurück. Rein hypothetisch, man stelle sich eine Gesellschaft von Gemeinden freier Menschen vor. Wie würde die auf eine grössere Epidemie reagieren? Man darf sich gerne ein utopisches Traumland, syrisch-Kurdistan oder anarchistisch-Katalanien, dazu ausmalen: aber ohne jede Ausgangsbeschränkung, denn dafür haben die Individualanarchisten die Revolution nicht gemacht. Sondern gar nicht bekanntlich.

So ist es denn auch nicht. Auch eine anarchistische Gemeinde, wofern sie nur eine Gemeinde ist, wird Seuchenprävention betreiben. Auch ein von Herrschaft freies Gemeinwesen wird ja gemeinsame Aufgaben haben. Oder bedeuten Gesellschaft und Herrschaft genau das gleiche? Nein.(2) Sie lassen sich, wenn auch nicht auf den ersten Blick, durchaus unterscheiden. Und der Unterschied hat eine greifbare historische Tiefe, die bis zu den Anfängen der menschlichen Gesellschaft zurückreicht.

Herrschaft einerseits, die öffentlichen Aufgaben andererseits, stammen von zwei Seiten eines Widerspruchs in der Gesellschaftskonstitution; sie sind einander an sich selbst völlig äusserlich, und nur über die ganze Geselschaft selbst miteinander vermittelt. Nicht die Herrschaft selbst begründet sich auf der Ausübung öffentlicher Aufgaben; die Ausübung öffentlicher Ausgaben legitimiert unter den konkurrierenden Cliquen die gerade herrschende. Und wo es nicht um verschiedene Cliquen geht, sondern darum, dass diese allesamt verschwinden, stellt sich die Frage: warum kann die Gesellschaft das denn nicht selbst? Und hier würde die materialistische Staatskritik positive Revolutionswissenschaft werden müssen, was sie nicht gut kann.

Aber woher sollen die linken Intellektuellen das denn wissen können? Sie müssten so etwas dazu ja überhaupt erst sehen können, und darauf sollte man gar nicht so sehr vertrauen. Im Grunde genommen kann man sagen: Linke Intellektuelle können von sich aus immer nur höchstens zu einem leninistischen Bewusstsein kommen; denn die Tätigkeit des linken Intellektuellen, die Theorie, ist kategorisch getrennt von der gesellschaftlichen Praxis. Und zwar auch wenn er an dieser ansonsten Teil nimmt. Die Theorie wird ja doch sozusagen nach Feierabend getrieben.

Das praktische Leben des linken Intellektuellen findet von Natur aus in der Sphäre des Konsumenten statt; er wird also abwechselnd werkeltags ein insurrektionaler Anarchist sein, aber sonntags Hacks lesen und die bolschewistische Partei zurückwünschen; oder andersherum, es ist völlig gleich. Diese Verblendung ist zwar da schon angelegt, dass es ja wirklich erkenntnistheoretisch unmöglich ist, in der wirklichen Gesellschaft die wahre Gesellschaft wiederzuerkennen.(2) Sie ist aber nicht unvermeidbar. Man muss sich auf ihre Voraussetzungen nicht einlassen. Man verliert dann zwar genau den Punkt, der die Geschlossenheit und Einheit der Theorie für den linken Intellektuellen verbürgt; aber dieser Punkt ist gerade sein Wahn.

4
Ich habs auch kleiner. Gesellschaftliche Veränderung hat mit dem, was linke Intellektuelle so vor sich hin denken, zunächst einmal nicht viel mehr zu tun als mit dem, was irgendwelche anderen Leute so vor sich hin denken. Sie setzt statt dessen das sehr ungenaue Arbeiten mit der Vorstellung voraus, die bestehende schreiend unvollkommene Gesellschaft sei auf irgendeine Weise schon die Gesellschaft, ihre Organe seien zwar auf der einen Seite Usurpatoren, auf der anderen aber eben Organe der Gesellschaft. Der Sturz der Herrschaft setzt voraus, dass diese Organe ihre Legimität verlieren; aber auch, dass die Gesellschaft im selben Zug, wie sie die Autorität davonjagt, auch die Fähigkeit erobert, die Leitung ihrer Geschäfte selbst zu übernehmen.(3) Sonst folgt daraus nur die nächste Fassung von Hacks’s geliebter Parteidiktatur. So weit, so kompliziert. Aber wie weit sind unsere Intellektuellen davon entfernt, auch nur die Aufgabe zu verstehen!

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Nachweise.

1 Hölderlin, In lieblicher Bläue
2 Hölderlin ebd.: „Giebt auf Erden ein Maß ? Es giebt keines“
3 So im Erg. auch Hölderlin ebd.: „Solange die Freundlichkeit noch am Herzen, die Reine, dauert, misset nicht unglücklich der Mensch sich mit der Gottheit. Ist unbekannt Gott ? Ist er offenbar wie der Himmel ? Dieses glaub ich eher.“

 

Errata

Wir bitten um Verzeihung für folgende Verwechslung: gemeint war natürlich Hölderlins Gedicht „Wir wünschen Ihnen alles Gute für Ihre berufliche Zukunft“.


Wir hatten ausserdem irrtümlich an einer Stelle so getan, als wäre der Herausgeber eines kurz verwendeten anonymen Texts auch dessen Autor. Der Herausgeber, Betreiber der magazin-Seite, hat uns daraufhin geschrieben, er hätte diesen Text, den er übrigens für sehr gut hielte, keinesfalls geschrieben. Wir haben die Stelle ausgebessert. Es macht keinen Unterschied. Auch und insbesondere ihm wünschen wir mit Hölderlin Alles Gute.

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Woanders

ists freilich anders, und da „trendet“, wie man so schön sagt, nicht #schwanz auf diesem twitter, wie man so schön sagt, sondern, wir zitieren hierzu aus dem Guardian (!):

While some of our more fatuous celebrities seem to have piped down a
bit, since contributions including Madonna’s from her bath and David
Geffen’s from his yacht helped propel the hashtag #guillotine2020, the
stream of virus-inspired lifestyle advice on things it has never been a
better time to do has gone ever more Marie Antoinette. “It suddenly
makes sense,” city dwellers without the space for a flock of sheep are
told, “to own hens.”

Schön empfunden auch die Metapher in der New York Times:

Celebrity Culture Is Burning

Veröffentlicht unter Geschireben | Kommentare deaktiviert für Woanders