Infowars.com

Vor zehn Jahren hatten wir hier zuerst mit Leuten zu tun, deren Catchword „Infokrieg“ war. Das waren, wenn man so sagen kann, unabhängige Antisemiten. 9/11-Truthers und alles. Am Anfang des Grossen Thieres hatte wir unter genau diesen Leuten

ein drittes Lager von Antisemiten … neben den Nationalsozialisten und den antiimperialistischen Linken

ausgemacht. Was man damals nicht wusste, weiss man heute. Zum Überfluss. Dieser Partei ist es gelungen, einen Kandidaten zum US-Präsidenten wählen zu lassen.

https://www.youtube.com/watch?v=FJqLAleEnKw

Ist es jetzt zu früh, die Worte von Joseph Roth zu zitieren? „Es ist gelungen, die Barbarei
regieren zu lassen. Machen Sie sich keine Illusionen. Die Hölle regiert.“ Zu früh? Kann ja sein. Als Roth es sagte, war es zu spät.

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„…the craziest son of a bitch in the race“

Überraschende Einsicht von einem, der es wissen muss und komischerweise auch weiss:

„All this time,“ Massie explained, „I thought they were voting for libertarian Republicans. But after some soul searching I realized when they voted for Rand and Ron and me in these primaries, they weren’t voting for libertarian ideas — they were voting for the craziest son of a bitch in the race. And Donald Trump won best in class, as we had up until he came along.“

Anzuwenden auf die meisten dieser Wahlen?

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Halle: Offener Brief Oury Jalloh

Offener Brief mehrer Gruppen aus Halle wegen der skandalösen Einstellung der Ermittlungen im Fall Oury Jalloh:

wir … fordern … die Wiedereröffnung des Ermittlungsverfahrens im Todesfall Oury Jalloh. Am 7. Januar 2005 ist Oury Jalloh in der Zelle Nr. 5 der Dessauer Polizeistation verbrannt. Zwölf Jahre später wurden die Ermittlungen in diesem Fall an die Staatsanwaltschaft Halle übertragen. Zwölf Jahre, in denen die Ermittlungen in Dessau verschleppt wurden, Polizisten absichtlich Gerichtsprozesse torpedierten und die Proteste laufend kriminalisiert wurden. Selbst der damalige Vorsitzende Richter Manfred Steinhoff sagte 2008 über den Prozess gegen die beschuldigten Polizeibeamten: „Dieses Verfahren ist gescheitert. Das, was hier geboten wurde, war kein Rechtsstaat mehr …

Der offene Brief kann auf der verlinkten Seite unterzeichnet werden!

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Neues Heft

Gerüchteweise hört man, dass bald ein neues Heft in Druck gehen könnte! Freuen Sie sich schon?
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Bitte ausdrucken, ausfüllen und abschicken! Sie können tolle Preise gewinnen.

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Grosse Thier-Autoren tragen vor n+1: Freiburg, 26.10.

Donnerstag, 26. Oktober 2017

Oktober 1917: Zur Staatswerdung einer Revolution

Die sagenumwobene Oktoberrevolution in Russland gilt immer noch – wohl neben der Großen Französischen – als eines der Beispiele für eine gewaltige Erschütterung der Herrschaft durch die Massen, die eine Ära der Emanzipation der ganzen Menschheit hätte einleiten sollen. Die in und durch die bolschewistische Partei organisierten Massen fegten den maroden absolutistischen Staat hinweg und verhinderten im selben Zug die Etablierung einer bürgerlichen Gesellschaft auf dem Territorium des ehemaligen Zarenreiches, indem sie sich – trotz Marxens Einsichten – sofort an die Errichtung des Kommunismus in einer vorwiegend bäuerlichen Gesellschaft machten. Weil sich der Marxismus-Leninismus paradoxerweise praktisch „bewahrheitete“, sprich: seine Herrschaft politisch durchsetzen und sichern konnte, gilt nach wie vor vielen Menschen auf der Welt auch sein kruder theoretischer Inhalt als die ultimative Anleitung zur kommunistischen Revolution schlechthin – und das nicht nur in den agrarisch geprägten Gegenden der sog. „Dritten“, sondern auch in der „Ersten Welt“. Dabei musste er viele erbitterte theoretische Kämpfe nicht nur gegen erklärte Feinde, sondern auch gegen seine Mitstreiter und innere Opposition führen, bis er sich an die körperliche Liquidation seiner eigenen Träger machte.

Wann diese Revolution zu Ende gegangen ist, ist unter ihren Freunden und Feinden umstritten. Vielleicht erst 1991. Vielleicht mit dem Aufstieg Stalins zur Macht. Vielleicht aber bereits mit der Niederschlagung des Kronstadter Aufstands 1921. Auch über die Absichten bolschewistischer Anführer kann man sich streiten. Ihre proklamierte Staatstreue vermochte jedoch keinen revolutionären Staat zu konstruieren: Mit der Staatswerdung der Emanzipation erledigt sich die letztere. Man munkelt aber, nach der „bürgerlichen“ und „bolschewistischen“ Revolution habe es eine dritte gegeben, die in der Geschichtsschreibung der Freunde und Feinde der Oktoberrevolution so gut wie nicht mehr vorkommt.

Es spricht Ndejra, Mitherausgeber des Weltschmerzmagazins Das Grosse Thier. Er lebt und arbeitet in Leipzig.

Um 20 Uhr in der Laterna Magika, Günterstalstr. 37

Im Rahmen des Jour Fixe des ISF Freiburg.

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Erdogans Leute in den deutschen Behörden

Das sollte niemanden überraschen:

In einer gemeinsamen Recherche berichten der SPIEGEL und das ARD-Magazin „Report Mainz“ von mehreren Fällen, in denen Flüchtlinge aus der Türkei kurz nach ihrer Anhörung im Bamf oder nach einem Termin bei einer Ausländerbehörde in türkischen Zeitungsartikeln oder Fernsehberichten unter Nennung ihres Aufenthaltsorts in Deutschland als „Terroristen“ diffamiert wurden. In mindestens zwei Fällen ermitteln Staatsschutzabteilungen der Polizei. (Lesen Sie die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Es würde mich, ohne den „neuen Spiegel“ gelesen zu haben, überhaupt nicht überraschen, Namen aus Würzburg und Schweinfurt hier anzutreffen; langjährig Erdogan-nahe türkischstämmige Rechte in der bayerischen Verwaltung, sehr gut vernetzt in Teilen der ansässigen türkischen Community; beliebte Ansprechpartner für die CSU; wichtiger Teil des örtlichen bayerischen Staatsapparats, zuständig ausgerechnet für Asylangelegenheiten; Vorstandsmitglieder der DITIB-Moschee, und wenn man sich an 2014 erinnert: wer hat eigentlich damals die faschistischen Anti-Israel-Demos organisiert, die Erdogan so hervorragend in den Plan passten, die türkische Naziszene für sich zu mobilisieren?

Vielleicht kommt ja mal die Gelegenheit, über diese Leute in bisschen genauer zu werden. Vielleicht fällt ja jemandem anders auch was dazu ein? Über Einsendungen freuen wir uns.

Nachtrag: Der Name, auf den man wartetn, fällt im Spiegel nicht, und zwischenzeitlich erfahre ich, dass der Mann nicht mehr Erdogan-Mann genannt sein will. Letztlich ist mir völlig wurst, zu welcher Sorte Islamisten solche Leute letztendlich gehören. Wer auch immer, es ist besser, sie wissen, dass man sie beobachtet.

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NARRENMATT IM THEATERENSEMBLE

Zu Karolin Benkers Inszenierung August Strindbergs GläubigerINNEN
von Lisa Thomas

Im Theaterensemble Würzburg hat Regisseurin Karolin Benker August Strindbergs Gläubiger entgegen seinen Regieanweisungen nur mit Frauen besetzt. Und das mag ein genialer Schachzug gewesen sein!

Wenn ein Theaterstück zu einer Zeit gesellschaftlicher Verhältnisse geschrieben wurde, unter denen es zweifelhaftes Priveleg des Mannes war, frei entscheiden zu können darüber, ob er seine Frau schlägt oder nicht schlägt, und wenn der Autor des Stückes dem nicht etwa skeptisch gegenüber stand, sondern auch noch für sein pathologisches Frauenproblem bekannt war, und wenn der Autor die Rollen seines Stückes geradezu auf das Männer- und Frauenbild, das er hatte, zuschrieb, und wenn dann aber eine Regisseurin die Probe aufs Exempel wagt, indem sie das Stück nur mit Frauen besetzt und die Geschichte, die erzählt wird, so zu einer Geschichte unter homosexuellen Frauen wird und wenn sich dabei zeigt, es gelingt und zwar, ohne dass die Handlung des Stückes abgeändert werden musste, dann ist ein Beweis geführt!

August Strindbergs Gläubiger handelt von der Rache eines Mannes an seiner ehemaligen Geliebten, indem er zwichen ihr und ihrem neuen Mann intregiert, bis nicht nur die Beziehung der beiden bricht, sondern auch der neue Rivale in den Tod getrieben ist. Wer Benkers Inszenierung von August Strindbergs GläubigerINNEN sieht, ohne zu wissen, welche der drei Protagonistinnen, die Benker auf die Bühne bringt, der einzigen Frauenrolle im Original entspricht, muss unweigerlich annehmen, es könne einzig Sarah (gespielt von Annika Förster) sein. Wer hingegen GläubigerINNEN sieht und um die Originalrollen weiß, der wird auf die Probe gestellt. Denn wie Sarah handelt, die Ängste, die sie äußert und auch wie leicht sie zu manipulieren ist, all das entspricht derart der Vorstellung des Weibischen, dass unvortsellbar ist, ausgerechnet Strindberg, der so gar nicht die Klischees von Mann und Frau infrage gestellt hatte, habe diese Attribute einem Manne angedeihen lassen. Jedoch: dies führt zum Widerspruch. Denn, wenn Sarah im Original die Frau wäre und die beiden anderen Rollen somit Männer, so hätte aufgrund der Handlungsstränge des Stückes Strindbergs Original eine homosexuelle Beziehung zwischen den zwei Männern zum Gegenstand gehabt.
Hegt Benker etwa mit ihrer Inszenierung die Absicht, dass nur hinter der falschen Rolle die Frau im Original vermutet werden kann, während der “gegenderte” Text, leste man ihn im Stillen für sich, das gar nicht hergäbe? Schließlich hauchen die Schauspielerinnen durch nichts als durch Regieanweisungen ihren Rollen das Leben ein – und zwar den einen, speziellen Odem, nämlich den der Interpretation der Regisseurin.
Es gilt also auf den Text, den sie sprechen, zu achten und zwischen Schauspiel und Material zu unterscheiden und sich dabei die Frage zu stellen: Ist die Darstellung durch Kostüm und Schauspielweise vor dem Text, dem Material gerechtfertigt?
Um es vorweg zu nehmen: Benker spielt Schach mit Strindberg und die Partie, die sie spielen, heißt Narrenmatt. So wird eine Partie im Schach genannt, bei der der Verlierer, trotz dass er den Vorteil des ersten Zuges hatte, matt gesetzt wird, weil er selbst mit einem überflüssigen Zug seinem Gegner das Matt erst ermöglicht. Soll heißen, Strindberg hilft Benker dabei, ihn matt zu setzen. Strindberg schrieb das Stück; er ist im Vorteil des ersten Zuges. Doch Benker zieht nach, in dem sie das Stück bei Ihrer Inszenierung mit Schauspielerinnen nur eines Geschlechts besetzt, und macht so deutlich, dass Strindberg der Narr ist in der Partie.
Der Zug, den Strindberg nicht hätte machen brauchen, und der es Benker ermöglicht, ihn matt zu setzen, ist der, dass Strindberg, Sexist, der er war, Charaktere gezeichnet hat, von denen er zwar gedacht haben mag, sie entsprächen ihren biologischen Geschlechtern. Was aber, wie die Inszenierung von Benker zeigt, schlicht nicht stimmt. Sie braucht daher die Handlungsweisen der Rollen, die in Ihrer Inszenierung eine Geschlechtsumwandlung erfahren, nicht umzuschreiben. Die angeblich männlichen Verhaltensweisen fügen sich all zu leicht in das Bild von “der Frau” ein, das gesellschaftlich vorherrscht und was Strindberg, ohne es kritisch auszuleuchten, aufgriff.
Es ist durch den Originaltext selbst gerechtfertigt, dass Sarah von Benker in Strampelhosen gesteckt wird und ihr zwei lächerliche Zöpfchen frisiert werden, während Thekla (gespielt von Kristina Förster) einen khaki-farbenen Hosenanzug trägt. Denn Sarah und keine andere im Stück ist so sehr beeinflußbar und verhält sich derart kindlich, während Thekla noch am ehesten bemüht ist, die vermeidbare Eskalation, nach der kein Vor und Zurück mehr möglich ist, tatsächlich zu vermeiden und den kühlen Kopf zu bewahren. Und wer allein kann nur den schwarzen Hosenanzug mit roter Bluse, rotem Lippenstift und roter Brille tragen, als Justine, die rachesüchtige, verführerische Intregantin (gefährlich gut gespielt von Annika Roth), die in das Leben der anderen beiden mit ihren eigenen Plänen zerstörend eingreift!
Doch, ist damit hinreichend geklärt, woher die Tendenz kommt, ausgerechnet in Sarah die Originalfrau zu vermuten? Sicher, sie ist die kindliche, manipulierbare im Stück, während die anderen Charaktere mehr von Stärke zu zeugen scheinen. Doch das sollte stutzig machen! Wir, die wir über 100 Jahre später leben, sind verführt, dies, das Kindliche an Sarah, als Erklärung hin zu nehmen dafür, dass wir sie fälschlicherweise als Originalfrau vermuten. Es zeigt sich: Ob jemand als eifersüchtige “Zicke” oder etwa als den, von einer “Schlampe” Hintergangenen, wahrgenommen wird, hängt vom Geschlechterbild der Gesellschaft ab. Ein anderes Geschlecht liefert uns offenbar Anlaß zu einer anderen Projektion auf das gleiche Verhalten. Gesellschaftliche Konstruktionen über männliche und weibliche Rollenbilder sind damit nichts anderes als eben nur das: Konstruktionen und Bilder, die wir projizieren. Das ist der Beweis, den Benker führt. Berauben uns die Rollen auf einer Bühne ihrer Verschiedenheit im Geschlecht, so konfrontieren sie uns mit der Verantwortung, die wir als Individuen tragen im Umgang mit den gesellschaftlichen Bildern von Mann und Frau. In der Inszenierung von Benker gibt uns niemand auf der Bühne mehr den Hinweis, was als weibisch – entschuldigung, weib-lich, was als männlich interpretiert werden soll. Wie schwer es ist, von den gesellschaftlich vermittelten Bildern von “der Frau” und “dem Mann” ab zu lassen, kann keine wissenschaftliche Abhandlung lehren in der Art wie die selbst gemachte Erfahrung – beispielsweise im Theater.

“Es interessiert mich nicht, auf der Bühne zu zeigen, wie Sexismus funktionert”, so Regisseurin Karolin Benker. Stattdessen führt sie uns vor, wie sie einen sexistischen Autor mit der Inszenierung eines seiner Stücke Schachmatt setzt – und setzt dabei uns alle matt.

Wer die Frau in Strindbergs Original ist, sei an der Stelle verschwiegen, denn im Oktober bietet sich erneut die Gelegenheit, GläubigerINNEN im Theaterenemble anzuschauen. Die wahr zu nehmen, jedem ans Herz gelegt sei. Denn, was die Besetzung nur mit Frauen ebenso eröffnet, ist, sich ein Stück anzuschauen, das behandelt, was zwischen Menschen passieren kann, die nicht zu lieben wissen; Schwächen sich weder einzugestehen fähig sind, noch am anderen ertragen können. Ein Stück, dass endlich mal nicht Antworten und Schuld im Geschlecht sucht. Interessant wäre auch eine Inszenierung nur mit Männern. Vielleicht wagt das ja mal eine Mutige oder ein Mutiger. Doch es ist wahrlich erfrischend, eine Geschichte erzählt zu bekommen, die völlig ohne Mann prima auskommt. Wer hätte denn das gedacht? Sind wir doch nach wie vor Strindberg im Patriarchart! Daher wohl der eigentliche Schachzug Benkers: GläubigerINNEN mit Frauen zu besetzten. – “Ich bin deine Frau! – Ja. Und ich bin deine Frau!” – Das Narrenmatt wird auch Matt in zwei Zügen genannt.

Noch zu sehen am 8., 12. und 13. 10.

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Schanzenviertel

Das hätte man sich unmöglich selber denken können: keinen Hinterhalt im Schanzenviertel, keinerlei Beweismittel für Waffen wie selbstgemachte Eisenspeere (!), und Olaf Scholz, der nach jetziger Terminplanung am 9. vor dem Ausschuss erscheinen und lügen soll, dass sich die Balken biegen. Interessant, was man dann doch noch alles erfährt.

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Nochmal: Kommende Unruhen und Autokrise

Bei Elsässer liest man:

Vor allem in der Automobilbranche gärt es, hier fährt das grünversiffte Establishment über die Diesel-Lüge einen zusätzlichen Frontalangriff, eine Million Jobs sind bedroht.

Bei Daimler-Benz haben oppositionelle Betriebsräte, die zum Teil die AfD unterstützen, zehn Prozent der Belegschaft hinter sich gebracht. Dieser Funke soll nun auch auf andere Großbetriebe überspringen. Die Idee wird erstmals auf der COMPACT-Oppositionskonferenz am 25. November in Leipzig vorgestellt

Diese „oppositionellen Betriebsräte“ sind, wie wir bereits mitgeteilt haben, niemand anders als die „Christliche Gewerkschaft Metall“ CGM, eine vom Arbeitgeber unterstützte Scheingewerkschaft, die zuletzt mit Unterbietungstarifverträgen von sich reden gemacht hat.

Es ist nun offensichtlich, dass dieses Spektrum versucht, die Autokrise dafür zu nutzen, ihre verdiente strukturelle Schwäche zu überwinden. Sie werden, und Elsässers Posting plaudert dies tewas zu früh heraus, die Betriebsgemeinschaft der Autobauer gegen die ausserbetriebliche Linke zu formieren versuchen.

Diesen Versuchen muss etwas entgegengesetzt werden.

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Nochmal: Trump

Sheriff Joe Arpaio. Judge Roy Moore. Kein Wort mehr. Das ist Trumpism. Wenn Rule of Law das ist, was Zivilisation von Barbarei unterscheidet: was heisst das für die Präsidentschaft Trump?

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Zur Wahl, VI

Es ist frustrierend, in der linken Presse nach irgendwas gescheitem über den Wahlausgang finden zu wollen. Sogar nach etwas dummem muss man lange suchen.

Dazwischen gibt es dann so ein Zeug. Und so ein Zeug. Nichts, was man sich nicht selbst denken kann, und nichts, was nicht auf spiegel.de auch schon steht.

Die linke Presse, gleich welcher Konfession, ist dann, wenn man sie wirklich braucht, fast völlig nutzlos. 10 Jahre seit der grössten Krise das Kapitalismus seit 1929; 10 Jahre, in denen man wissen musste, dass demnächst etwa solche Dinge anstehen. Hat wirklich niemand eine Ahnung, was zum Teufel in dieser Gesellschaft gerade wirklich vor sich geht? Und hat auch niemand wirklich den Wunsch danach?

Die Linke wird an ihren eigenen Untugenden zugrunde gehen. Und der Mangel an Neugier ist sicher nicht die kleinste. Dass ich jetzt z.B. diese Wahl zum Anlass zu solchen Tiraden nehme, ist vielleicht Zufall. Jeder andere Anlass wäre genauso gut.

Überall werden gefälschte Gewissheiten feilgeboten. Überall gibt es eine Nachfrage nach ihnen. Das ist der sichere Weg in den Untergang.

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Kommende Unruhe

von Jörg Finkenberger
Dieser Text ist vor der Bundestagswahl für die Druckausgabe geschrieben, wird jedoch nicht in der Druckausgabe erscheinen.

1. „In Deutschland rumort es“, liest man im neuen Spiegel (36/2017, S. 30), und dann gehts weiter: „Der Bürger ist labil, in ihm brodelt und rumort es“ usw., irgendein Psychologenverein, der auch Marktforschung anbietet, hat die günstige Gelegenheit genutzt, mit wenig Aufwand von sich reden zu machen, indem er eine Analyse verkauft, die jeder Zeitungleser ohne weiteres nachvollziehen kann: „In den Tiefeninterviews (!!! d. Verf.) kam immer nur (!!! d. Verf.): Flüchtlingskrise, Flüchtlingskrise, Flüchtlingskrise. Was im Wahlkampf so galant ausgespart wird“ etc.; „Deutschland wird wie ein Vexierbild beschrieben: entweder als marodes, verwahrlostes Land oder als sichere Insel des Wohlstands in einem Meer aus Risiken“; dennoch oder gerade deswegen wird Merkel „klar gewinnen, aber es ist trotzdem eher ein halbherziges Bekenntnis“ und was dergleichen mehr ist.

Das sind alles Nullaussagen, dazu hätte man nicht willkürlich ausgewählte 50 Leute monatelang tiefenbefragen müssen, sondern praktisch in jedem Erzeugnis der Qualitätspresse steht genau das selbe; und dazu war es da. Eine unbezahlte Werbeanzeige einer Firma, die Marktforschung betreibt. Der Rest, unverbindliche Sprüche über die schwer einschätzbare Weltlage, und irgendso Psychogeschwätz über Vaterfiguren in der Politik. Alles, was mir ohne weiteres als ein Geschwätz erscheint, das man tausendmal gehört hat, in praktisch allen Zeitungen, aber auch in Einschätzungen von mehr oder weniger linken oder aufgeweckten Zeitgenoss/inn/en, und wo man sich nicht wundern würde, es in der jungle world oder konkret zu lesen: allgemein verständlich, und grundfalsch.

2. Interessieren sich wirklich alle Leute so brennend für diese sogenannte Flüchtlingskrise? Halten das so viele Leute für eine unmittelbare Bedrohung? Oder auch für eine mittelbare, etwa: dass das alles die Nazis stärker macht und das Land destabilisiert? Leute, die so denken, kennt man ja auch. Abgesehen davon, dass das stockdumm ist, woher nimmt man denn die Gewissheit, dass alle Leute sich über nichts anderes noch mehr aufregen als über die paar tausend Syrer im Land? Woher die Gewissheit, anders gefragt, dass nicht auch ganz andere Sachen „rumoren“ können?

Ich würde raten: ein grosser Teil der arbeitenden Schichten dieses Landes hält seit einigen Jahren ganz andere Dinge für bedrohlich als die „Flüchtlingskrise“, und mit gutem Grund. Worauf beruht denn die ganze paradoxe Situation in diesem Land, das in der Tat auf der einen Seite wie eine fast unwirkliche Insel der Stabilität aussieht, aber paradoxerweise auf der anderen Seite wie ein maroder Schrotthaufen? Auf der Kombination von stetig hereinfliessenden Weltmarkterlösen auf der anderen Seite, und dem Preis, der langfristig dafür gezahlt wird, auf der anderen Seite: Lohnstagnation, Weltmarktabhängigkeit, systematische Unterinvestition. Der ganze Haufen hält solange zusammen, wie dieser Preis auch wirklich etwas erkauft.

Die fast beispiellose Ruhe an der verteilungspolitischen Klassenfront (eine andere ist im Moment nicht sichtbar) ist dadurch erkauft, dass die arbeitenden Klassen darauf vertrauen konnten, dass die Steuerleute des Staats und der Industrie aussenwirtschaftliche Überschüsse auch zu organisieren im Stande sind. Und genau hier könnte der Wurm sein. Dieser Gesellschaft ist in den letzten Jahren langsam, aber immer deutlicher vorgeführt worden, dass die Überschüsse des Exports auf systematischem Betrug beruhen, und das das Spiel aufgeflogen ist; dass Politik und Industrie jahrelang wissentlich in eine Sackgasse gesteuert sind, deren Ende das Ende der deutschen Exportüberschüsse sein könnte. Dass also für das Gefühl, man sei systematisch belogen worden und der ganze sogenannte soziale Frieden beruhe auf einer Illusion, eine ganz andere Realität haben könnte als fixe Ideen, wie: die Regierung unterdrücke ausgerechnet Berichte über Ausländerkriminalität.

3. Das heisst aber, es gibt einen potentiellen Unruhefaktor im Land, der nicht identisch ist mit irgendeinem der organisierten „Strömungen“, mit denen es der Staat und seine Sicherheitsagenturen zu tun haben, als da wären die „Rechten“, die ein Zehntel der Gesellschaft (nicht: der Wähler) fest hinter sich haben, die „Linken“, für die das vielleicht auch gilt, und sonstige eher marginale Gruppen, die wir vielleicht einfach zu den „Rechten“ zählen sollten. Und zwar ist dieser Unruhefaktor um Grössenordnungen grösser als eins von diesen. Und praktisch niemand hat ihn auf dem Schirm.

Der Staat z.B. nimmt „Hamburg“ zum Anlass, die Gesetze zu verschärfen, die Polizeieinsätze zu militarisieren, dem Innenminister kommt beim Besuch einer Stasi-Gedenkstätte anscheinend die Idee, man müsse effizientere Geheimkarteien anlegen; aber auf welchen Gegner sind solche Massnahmen denn zugeschnitten? Nicht einmal, man ahnt es, wirklich auf die Leute, die unter „Hamburg“ verstanden werden. Nicht einmal diese wären mit irgendeiner der Massnahmen, die einer Republik möglich sind, auf Dauer ganz von ihrem recht kleinen Tätigkeitsgebiet abgehalten werden können. Die Idee, sich auf diese kleine Szene zu konzentrieren, sie durch Überwachung und abschreckende Urteile einzuschüchtern und zu gängeln, und damit gesellschaftliche Kontrolle aufrechtzuerhalten, ist einer Stasi-Gedenkstätte in der Tat würdig; sie erinnert sogar an die letzten Jahre Honeckers.

Dass „Hamburg“ plötzlich in ganz anderen Begriffen verhandelt wird als die viel bedeutenderen Randale nach Fussballspielen, liegt kaum an „Hamburg“. Dafür ist eigentlich zuwenig passiert, was nicht auch bei Fussballspielen passiert. Der Staat legt aber gerade den Massstab höher: es soll jetzt nicht einfach ein Sicherheits- und Polizeiproblem sein, sondern ein gesellschaftliches; aber dieses soll, und das ist das irre, mit polizeilichen Mitteln angegangen werden. Der Staat und sein Personal stellt sich gesellschaftliche Unruhen als Konflikt fester Strukturen und Akteure vor, deren Kräfteverhältnis bestimmt, wie es ausgeht. Er hält anscheinend auf bizarre Weise die linke Szene für ein handelndes Subjekt, statt für ein Symptom einer gesellschaftlichen Erschütterung; er verwechselt die sich kräuselnde Schaumkrone auf der Welle mit der elementarischen Wucht der Welle selbt. Die Linke, in all ihrer anzunehmenden Dummheit, kennt diesen Unterschied wahrscheinlich besser. Man weiss das, weil sie praktisch nie Anstalten macht, sich selbst als ein handelndes Subjekt zu betrachten.

4. Es wäre nicht prinzipiell unmöglich, ein gesellschaftliches Problem als Sicherheitsproblem darzustellen und zu lösen, wenn es z.B. gelänge, gleichzeitig die Linke in die Zange zu nehmen und eine Lösung für das gesellschaftliche Problem anzubieten. Dann wäre es möglich, eine Neuformierung der kapitalistischen Gesellschaft zu organisieren und den Kampf gegen die radikalen Linke als dessen Notwendige Bedingung hinzustellen, und sie der Gesellschaft auch als Ersatz-Hassobjekt anzubieten. Diese Methode, richtig angewandt, funktioniert unfehlbar, aber nur, wenn sich eine solche Lösung abzeichnet und die Linke irgendwie als Hindernis agiert. Und eine solche Konstellation ist schon denkbar.

Nehmen wir den Revolutionsexperten der heutigen deutschen Konterrevolution, Jürgen Elsässer, den Ex-Kommunisten und heutigen Nationalen. Lange ist ihm zu Auto-Situation nichts gescheites eingefallen; sogar er kann kaum lange durchhalten, das sei Folge eines Handelskrieges der USA gegen Deutschland, denn erstens hat er doch die US-Wahlen jetzt gewonnen, zweitens ist die Sache einfach zu durchsichtig. Jetzt auf einmal dämmert ihm eine Gegenstrategie.

Oppositionelle Betriebsräte bei Daimler-Benz haben die Initiative ergriffen, dem industriefeindlichen Anti-Diesel-Wahnsinn mit einer Großveranstaltung entgegenzutreten – im schwäbischen Herzland der deutschen Autobauer: Am 10. September sprechen der Arbeitnehmervertreter Oliver Hilburger, COMPACT-Chefredakteur Jürgen Elsässer und der AfD-Bundestagskandidat Dirk Spaniel in Ludwigsburg (bei Stuttgart) zum Thema „Rettet unsere Arbeitsplätze – Warum Automobilarbeiter und Autofahrer am 24. September nicht die Autokillerparteien von CDU über SPD und Grüne bis hin zu den Linken wählen können“. Beginn 15 Uhr.

Oliver Hilburger, Ex-Bassist der Nazi-Band „Noie Werte“, der von seinem Arbeitgeber angehalten werden musste, sich öffentlich vom NSU zu distanzieren, ist übrigens zum Betriebsrat gewählt auf der Liste der „Christlichen Gewerkschaft Metall“ CGM, einer arbeitgeberabhängigen Pseudo-Gewerkschaft.

Industriefeindlicher Autowahnsinn, oder wie die konservative Presse es nennt: Deindustrialisierung Deutschlands, damit ist die späte Einsicht von Politik und Industrie gemeint, dass Deutschlands Abhängigkeit vom Export von Verbrennungsmotoren eine Sackgasse sind, die Deutschlands Macht auf den Weltmärkten gefährdet. Es ist auf marktwirtschaftlichem Wege alles andere als garantiert, dass die deutsche Industrie die Verluste beim Auto in anderen Sektoren, bei der Elektromobilität oder irgendetwas, was mit dem asiatischen Markt zusammenpasst, wieder gutmachen kann. Es ist aber sehr wohl garantiert, dass anderenfalls hier so ziemlich alles zusammenbricht.

China und die USA, bevorzugte Exportmärkte, sind beim Elektroauto uneinholbar führend. Ein anderes Massengut, das derartige Massen Wertsubstanz (d.h. Macht über anderer Leute Arbeit) ins Land schaufelt, lässt sich nicht schnell denken. Vor allem eins, das gleichzeitig beim weiteren sogenannten „Strukturwandel“, dem Wandel der Lebens- und Arbeitsbedingungen unter dem späten Kapitalismus, nicht nur einfach eine Ware, sondern Ermöglichungsbedinung dieser Lebensweise und Taktgeber des öffentlichen Lebens ist; d.h. die Nachfrage nach Autos ist Teil der Ursache, und Teil der Folge der neueren Industrie. Dieses mörderische und unsinnige Gerät ist nur unter dieser Ordnung der Dinge unabdingbar, oder überhaupt verständlich. Das sind bekanntlich alles Eckpunkte einer Kritik des Automobilismus.

Es ist also rational, die deutsche Industrieproduktion zeitig zu konvertieren. Wie kommt man darauf, das sei ein neuer Anschlag des Merkel-Regimes, das, nachdem es die Deutschen mit Chemtrails sterilisiert und durch syrische Einwanderer ersetzt, ihnen obendrauf noch die Industrie wegnimmt, und zwar im Bunde mit den Gründen, den Globalisten, und vermutlich auch der Muslimbruderschaft?
Das ist vollkommen wahnsinnig, aber hat Gründe. Denn die neue Formierung des nationalen Kapitals bedarf dringend einer nationalen Anstrengung und Mobilisierung, der Verschweissung völlig konträrer Gruppen für einen neuen Anlauf, der Zurückstellung von Sonderinteressen zugunsten des grossen Ganzen. Sie bedarf also, mit einem Wort, sowohl der industriepolitischen Strategie, als auch des völkischen Dröhnens; die unausbleiblichen Verluste, auf denen die arbeitenden Klassen sitzenbleiben werden, müssen in Hass gegen den Gegner im Handelskrieg umgesetzt werden.

5. Wie würde so etwas aussehen? Kein Umsteuern kann verhindern, dass die Krise des Automobilsektors in den nächsten 5 Jahren zu Kurzarbeit, Betriebsschliessungen, Lohnsenkungen führen wird. Als Gründe wird immer zu hören sein: Absatzrückgänge, wegen der Dieselgeschichte, wegen des Elektroautos in China, wegen der zurückgehenden Nachfrage in den USA. Alles, wie heute allgemein bekannt, Schuld des Managements und der Industriepolitik; alle diese Kürzungs- und Streichungsmassnahmen rächen den enttäuschten Glauben der deutschen Arbeiter an die Geschäftsgrundlage ihres postnazistischen Volksgemeinschaftsstaates.

Deren Ideologie wird im Abwärtszyklus nicht unbedingt zusammenhaltend und produktivitätsfördernd wirken, sondern zu einem bestimmten Teil genau im Gegenteil. Es ist überhaupt nicht schwer, sich massive Gegenwehr vorzustellen. Leute, die gewohnt sind, als den Staat tragende Mitte der Gesellschaft zu gelten, werden mit den kleinlichen Schikanen der Polizei auf ganz andere Weise umgehen als die Politikstudenden, aus denen die Vereine der radikalen Linken überall bestehen.
Wir haben mögliche Szenarien dieser Krise bisher oft unter dem Aspekt der Betriebsbesetzung diskutiert. Diese ist, als direkte massive Konfrontation mit Staat und Eigentümer, an sich eine recht klare Form des Klassenkampfes. Sie setzt innere Demokratie, überregionale Vernetzung und Solidarität sowie eine entwickelte Kritik des Gebrauchswerts ein, d.h. eine Konversion der Produktion. Sie bietet einen Hebel der Radikalisierung und gehört zu dem denkbaren, unverzichtbaren Wegen in den Kommunismus, auf den zu verzichten niemand sich leisten kann.

Man sollte sich nun vergegenwärtigen, dass der Chefideologe des Feindes, der erwähnte Spezialist Elsässer, seinen Weg vom antideutschen Linken zum Nationalen begonnen hat mit, unter anderem, dem Versuch, eine sogenannte „Volksinitiative“ aufzubauen. Von der Gründungsversammlung wird berichtet:

„Die moderne deutsche Autoindustrie etwa hat es nicht verdient, durch US-Heuschrecken ruiniert zu werden“, so Elsässer … Er rät den deutschen Arbeitern zu Betriebsbesetzungen zusammen mit den ebenfalls gefährdeten Unternehmern.

Damals betrachete man die Lage der deutschen Autoindustrie unter dem Aspekt von Schliessung und Streik bei Opel in Bochum, eines defensiven Streiks gegen eine Standortverlagerung.

Ausführlicher wird Elsässer in einer Replik auf Berhard Schmid:

Konkret: Wenn GM bankrott geht, wird Opel auch geschlossen werden – es sei denn, die Arbeiter in Rüsselsheim und Bochum usw. besetzen ihre Werke. Sie werden den Kampf um den Erhalt ihrer Werke hierzulande aber vermutlich nicht gewinnen können, wenn sie gleich aufs sozialistische Ganze gehen und die Überführung der Betriebe „in Arbeiterhand“ fordern. Denn: General Motors hat internationale Verträge und internationales Recht auf seiner Seite, wenn es die deutschen Standorte als Konkursmasse behandelt. Sie dort herauszulösen, erfordert einen Rechtsbruch. Das ist natürlich absolut notwendig – aber könnt Ihr Euch das Geschrei aus den USA und von der US-hörigen Presse hierzulande vorstellen, wenn in Rüsselsheim und Bochum „a la Chavez“ US-Vermögen beschlagnahmt wird?
Das wird ein brutaler Machtkampf, quer durch das ganze Land. Gewonnen werden kann er nur, wenn die Arbeiter eine breite gesellschaftliche Mehrheit für den Erhalt ihrer Werke hinter sich haben, trotz der gegenteiligen Rechtslage. Diese Mehrheit wird nicht mit Maximalforderungen gewonnen werden können. Eher wird das möglich sein, wenn die Kollegen ganz schlicht die Abspaltung von GM und die Neu-Gründung der Adam Opel AG fordern, also einer Firma nach deutschem Recht mit sowohl privater wie staatlicher Kapitalbeteiligung – und einer „goldenen Aktie“ für Gewerkschaft und Betriebsrat. Ist Euch das zuviel Klassenkompromiß? Aber ich gebe zu bedenken: Wir Linken dürfen nicht immer nur Recht haben – wir müssen auch mal Recht bekommen.

Das schreibt, muss man sagen, ein damals noch Linker, der 1994 folgendes geschrieben hatte: „Jede Nation ist nichts anderes als der gelungene Versuch unterschiedlicher Menschen einer Region, über die ursprüngliche Akkumulation von Kapital eine gemeinsame Ökonomie herzustellen.“ (Sieber u.a., Deutsche Demokraten, Göttingen 1994, 74). Das nationale Kapital als Veranstaltung zum Schutz vor dem Weltmarkt. Seine damaligen Mitstreitern ist bis heute nicht aufgegangen, das Mussolini die Dinge recht ähnlich gesehen hat.

6. Die Konstellation hat sich vollkommen verändert: es ist für dem Moment unmöglich, jemandem einzureden, das deutsche Kapital und seine Volksgemeinschaft habe das alles irgendwem anders zu verdanken als sich selbst. Die historische Geschäftsgrundlage für das Bündnis zwischen Arbeitern und Kapital verschwindet, jedenfalls, man muss es dazu sagen, tendenziell und für den Moment. „Unterstützung“ und Vereeinahmung von Arbeiterkämpfen durch nationale Ideologie ist heute weniger zu befürchten als damals.

Die Führung von Politik und Industrie wird ein massives Umstrukturierungsprogramm durchsetzen müssen. Die Belegschaften könnten das dann zum Anlass nehmen, Gegenwehr organisieren, wenn sie von dem allgemeinen Bewusstsein getragen werden, von der Nation und der Führung verraten worden zu sein. Ob die neue rechte Kraft in der Lage ist, das durch ihre geläufigen Propagandafloskeln aufzufangen („Lügenpresse“, „Volksverräter“, „Globalisten“) ist noch erst zu sehen.

Der äusserst konservative Begriff „Deindustrialisierung“ für die Abwicklung des Verbrennungsmotors wird benutzt werden, um den Eindruck zu erwecken, Ökowahn oder Political Correctness und nicht systematischer Betrug und mafiaähnliche Praktiken (und nicht zuletzt das Ende eines Kondratieff-Zyklus) hätten die deutsche Autoindustrie zugrundegerichtet; also den Hass der Arbeiter gegen die Linke zu kanalisieren. Das wird nur zu einem bestimmten Teil gelingen. Die Kräfteverhältnisse von 2015 helfen vielleicht abschätzen, wie weit. Sorgen machen muss man sich nicht wegen der Arbeiter, sondern wegen der Unfähigkeit der Linken.

Die Linke hätte, gerade wenn die nächste Zeit grössere Repression bringt, Aussicht, in diesen Auseinandersetzungen eine Rolle zu spielen; wenn sie denn ihre geistigen Beschränkungen ablegen könnte. Sie wird, da sie sich selbst nicht als tätige Grösse zu begreifen vermag (warum, haben wir in früheren Texten schon erörtert), Gefahr laufen, die Zeit zu verpassen.

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