Editorial

Ich finde die Anrede „liebe Mitungeheuer“ toll.

Liebe Mitungeheuer,
in neuer Form. Das neue Heft ist online. Es ist der erste Beitrag in einer Loseblattsammlung. Alle User finden davon die zweite Seite als pdf-Datei in der rechten Spalte, unmittelbar über unserer Facebookwerbung.

Grund zu feiern gibts also immer noch keinen, auch wenn das Grosse Thier ziemlich zufrieden ausschaut. Und wir hoffen in Zukunft der Versandabteilung einige olivgrüne Ordner übergeben zu dürfen.

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Wohnungsannonce:

Hallo!
Wir haben ein kleines aber helles Zimmer (ca. 28 qm) in unserer schönen 5er WG in der Westvorstadt (drei Geisteswissenschaftsstudenten) für 200€. Nähe Albertina und Uni (ca. 10-15 Minuten Fußweg),Linien 10 und 11 fahren direkt vor der Haustür, Feinkost, viele Futterangebote und Cafés, Rossmann, Aldi, Konsum, Clara-Park in wenigen Minuten erreichbar. Waschmaschine, Spülmaschine, Badewanne und Dusche in zwei separaten Badezimmern, sind vorhanden. Die Wohnung liegt im erhöhten Erdgeschoss, es gibt einen Hinterhof mit schönem Garten der genutzt werden kann. Wir kochen und essen auch gern mal vegetarisch/vegan zusammen und mit Freunden und gehen auch mal gemeinsam weg.Wer Interesse hat, einfach melden und auf einen Kaffee oder Tee oder Bier oder Wein vorbeikommen. Und Nazis sind selbstverständlich unerwünscht.

Email an: miete@dasgrossethier.de

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Offener Brief an die DADA-Jugend:

[…] Ihr habt Menschen einer potentialen Gefahr ausgesetzt, da ihr Sachen vom Balkon geschmissen habt, nicht das diese Sachen die jetzt kaputt sind uns nicht wertvoll gewesen wären und schon deshalb die ganze Aktion kein Sinn macht. Das Auto, das ihr mit dem Sessel verschönert habt, gehört vielleicht zu einer Familie und hat jetzt Kratzer. […] Ich kann euch sagen, dass eure Aktion in meiner sozialistischen Innenwelt nicht zu eurer vermutlich ebenso sozialistischen politischen gesellschaftskritischen Ideologie passt. Deshalb würde ich euch an dieser Stelle fragen, was eure Aussage war? Außerdem, dass ich aus menschlichen Gründen eine Konfrontation auf sprachlichem Niveau bevorzuge (anstatt Vandalismus), finde ich, dass wir als Zielgruppe recht unbedeutsam sind im Vergleich zu G8- Konferenzmitgliedern oder den Neunazis. Wir sind einfach eine WG die eine nette Party für ihre Freunde organisieren wollte. Liebe und Frieden, Yo!

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Wohnungsannonce:

liebe leute,
ich würde gerne in einer veganen straight edge wg wohnen (naja kaffee trinke ich noch ;-). bin ziemlich ordentlich und meditiere sehr gerne. ich liebe es zu kochen, ich koche jeden tag. ich wohne zur zeit alleine, wünsche mir aber leute, die wie ich spass und freude am gesunden leben haben und dies auch teilen möchten. gerne in kreuzberg am mehringdamm – die ecke ist einfach super. können ja auch ne neue wg gründen…freue mich sehr auf eure nachrichten, auch wenns einfach mal nur zum connecten erstmal ist… ich wünsche euch eine wundervolle zeit- jetzt und immer! Thorsten

Email an: miete@dasgrossethier.de

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Neue Erde versteht sich als Verlag für die Herausgabe anspruchsvoller Sachbücher und Ratgeber, die durch eine ganzheitliche Betrachtungsweise der Bereiche Natur, Gesundheit und Spiritualität eine erdverbundene und lebensbejahende Lebensweise ausdrücken und fördern sollen. Als spirituelle Ökologie und Naturphilosophie bezeichnet Andreas Lentz diesen Teil seines Programms. Dazu zählen Titel zur Geomantie, zu keltischer und indianischer Spiritualität, zu Naturgeistern oder zur Tiefenökologie. Der zweite Schwerpunkt von Neue Erde sind ganzheitliche Heilweisen und hier insbesondere die Steinheilkunde. Mit mehr als zwanzig Titeln allein auf diesem Gebiet und der Koryphäe Michael Gienger als wichtigstem Autor, ist Neue Erde vielleicht der bedeutendste Verlag für alle, die sich mit diesem Thema befassen. Neue Erde GmbH, Cecilienstr. 29, Firmensitz: 66111 Saarbrücken, Tel.: 0681 595 398-0, Fax.: 0681 390 4102

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Weitere Richtlinien für „Das grosse Thier“

Bedienungsanleitung

1. Das Heft ist nach DIN A5 (Hochkant) herauszugeben. Die Schreibrichtung ist der jeweiligen Konvention anzupassen (Die Besonderheiten des mongolischen, arabischen, balinesischen, chinesischen, japanischen, hebräischen und koreanischen, usw. Schriftbildes sind zu berücksichtigen.)
2. Der Platzrand des Heftes, wie vom Lektorat vorgesehen, bietet nicht nur bessere Über- und Einsicht, sondern dient dazu Anmerkungen, Gedanken und Gespött zu notieren. Die Notizen sind in blauer Tinte oder mit einem Bleistift vorzunehmen. Von buntfarbigen Markierungen rät die Redaktion mit Beschluss vom 11.11.2012 ab.
3. Das Cover der Titelseite – entgegen mancher Behauptung, stand bislang und steht fortan für sich selbst und behandelt eine eigenständige Thematik und kontrastiert nicht (vergangene) Texte des Heftes.
4. Allein dem Herausgeber ist das Recht vorbehalten ein Editorial zu schreiben, jedoch kann dieser seine Befugnis an Dritte für maximal zwei Ausgaben übertragen, jedoch nicht auf erstmalige Autorinnen und Autoren des Heftes. Finale Abstimmungen trifft die Chefredaktion. Die Herausgabe des Heftes erlöscht spätestens mit dem Tod des Herausgebers.*/**
5. Das sogenannte Editorial, die Einleitung in das aktuelle Heft steht nicht im Zusammenhang mit der restlichen Ausgabe. Ein Schlußwort gibt es nicht, weil es ein Schlußwort solange nicht geben kann bis der Gegenstand der Kritik abgeschafft wurde.
6. Die Artikel des Heftes sind getrennt voneinander zu betrachten und daher mit Autorennamen versehen. Hingegen sind die Artikel des Heftes als Ganzes zu betrachten und unterliegen ausdrücklich nicht dem Gestaltungsdrang, -willkür und den persönlichen Vorlieben der Chefredaktion. Die Form des Heftes ist Sache des Layoutes.
7. Zuschriften sind willkommen und werden unter bestimmten Voraussetzungen zum Abdruck freigegeben, allerdings werden diese dem hohen Gelächter der Redaktion ausgesetzt. Die Redaktion antwortet dem Absender nach eigenem Ermessen. Einreichungen werden lediglich via Email entgegengenommen. (Auch bearbeitete) Zweitabdrucke und Wiederveröffentlichungen werden nicht zur Kenntnis genommen.
8. Die Redaktion bietet freien Autoren die weitgehend kostenfreie Korrektur von Manuskripten an. Bei Beanspruchung des Dienstes werden einmalige Kosten in Höhe von 156,43 USD fällig, die mit dem Verwendungszweck „Garantie für einen Bestseller“ auf das Zeitschriftenkonto am Ersten des Folgemonats (Vorauskasse) überwiesen werden müssen.
9. Die graphische Seitengestaltung ist Anliegen des Layouts, welches mit dem Lektorat in Eins fällt. Autoren haben kein Anspruch auf die Seitengestaltung eigener und fremder Artikel. Autoren können jedoch zum Ersten des Monats Anspruch auf Teilnahme am monatlichen Redaktionstreffen äußern und vorstellig werden. Etwaige Betreffe müssen direkt und ungeschönt in maximal zweisilbigen Wortlauten dem Herausgeber (oder der am Anfang der Redaktionssitzung ernannten Vertretung) entgegengebracht werden. Ansprüche auf Urheberrechtsverletzungen sind an den Herausgeber zu formulieren und müssen persönlich auf dem Redaktionstreffen vorgetragen werden. Abmahnungen und alle Folgeansprüche sind gegenüber dem „Abmahnungsreferat“ des Großen Thiers zu formulieren.
10. Die Redaktionstreffen im Jahr 2013 finden im monatlich wechselnden Turnus in verschiedenen Städten, die ein „F“ im Namen tragen, statt. Das nächste Redaktionstreffen ist über Email zu erfragen. 2014 finden die Zusammenkünfte in Städten, die ein „G“ im Namen tragen, statt. 2015 in Städten die zwei Großbuchstaben im Namen tragen. Die zukünftigen Sitzungen werden per Losverfahren am Ende der Redaktionssitzungen ermittelt.
11. Studenten, die Hausarbeiten für einen wie auch immer gearteten kritischen Diskurs verwerten wollen, werden höflich aber bestimmt, an andere Zeitschriften verwiesen.
12. Autoren des Letzen Hype sind Autoren des Letzen Hype. Wir hingegen sind gegen „Das große Thier“. Alle anderen Autoren des Großen Thier.
13. Das Heft ist bislang, auch in gedruckter Form, kostenlos zu beziehen. Spenden ab 100 Euro ~ 130 USD (Mindestbetrag) werden entgegengenommen. Die Kontodaten sind via Email zu erfragen.
14. Artikelwünsche können an die jeweiligen Autoren gerichtet werden und sollten möglichst kurz und klar formuliert werden.
15. Stenographische Protokolle werden, sofern sie den gegenwärtigen Normen entsprechen, aufmerksam betrachtet und anschließend für mindestens einen Monat verlegt.
16. Das Einreichen von Zeichnungen (Stift- und Pinselarbeiten), Fotografien, und andere graphische Kunstarbeiten sind ausdrücklich erwünscht. Die Redaktion hat am 12.12.2011 den Beschluss gefasst keine weiteren Installationen und Skulpturen entgegenzunehmen. Engagierte Kunst, d.h. explizit „politische Künste“ werden von uns unbeachtet an die Documenta weitergeleitet.
17. Es werden keine Gedichte und Rätsel zum Abdruck freigegeben, solange der Herausgeber die kryptische Arbeit am ursprünglich zugänglichen, eigenen Text unterlässt.

Für die Redaktion, genauer: Chefredaktion.

Petra Dörner

* Die Redaktion nimmt Abstand von offenen Mordaufrufen.
** Die Anschrift des Herausgebers ist dem Impressum zu entnehmen.

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Das Zeitalter des Poststrukuralismus

von Jörg Finkenberger

Dieser Text erscheint nicht im gedruckten Blatt, weil er zu langweilig ist.

1
Man kann viel, aber immer noch zu wenig, über ein Zeitalter wissen, wenn man die Filosofien kennt, die in ihm vorherrschen. Umgekehrt besteht zumindest die Möglichkeit, dass aus einer Kritik der vorherrschenden Filosofien eine Kritik entwickelt werden kann, die das Zeitalter insgesamt trifft, und Veränderung möglich macht.

In unserem Zeitalter herrscht neben dem Positivismus immer noch eine Lehre vor, die man verlegen Poststrukturalismus nennt; abgeleitet von der älteren Lehre des Strukturalismus, von der sie sich Ende der 1960er offenbar teils abwandte, und die sie teils weiterführt. Die Vorsilbe Post scheint immer verwandt zu werden, wenn man eine Fortdauer beschreiben will, die durch einen Bruch vermittelt ist, wenn nicht genau zu sagen ist, wo der Bruch liegt und worin die Fortdauer.

Die bisherige ideologiekritische Schule hat, wie mir scheint, eine Kritk, die den Gegenstand trifft, nur fragmentarisch geliefert; vielleicht aus Geringschätzung gegen die Filosofie, ohne Gründe für diese Geringschätzung zu haben. Derweil entfaltet der Poststrukturalismus seine Wirkung als ausgesprochene Schulfilosofie, was ihm ausgesprochen gut gelingt; als wäre er eigens für die Art gebräuchlicher akademischer Einführungen entworfen, die es darauf absehen, ihn Studierenden als eine Methode beizubringen, die es zu handhaben gilt, und nicht als ein Rätsel, das aufzulösen wäre.

Vielleicht ist sogar der Name irreführend; manche benutzen den Namen des Postmodernismus, der aber auch nicht vielsagender ist. Poststrukturalismus bezeichnet eine Richtung, die, vom Strukuralismus herkommend, sich irgendwann genötigt gesehen hat, die Grenzen dieser Richtung durch Rezeption einer Reihe von anderen Lehrtraditionen zu erweitern; und die dadurch ihre Fähigkeit bewiesen hat, andere Traditionen gewissermassen zu verdauen. Diese Fähigkeit macht ihn gewissermassen chimärisch; zu seinem Programm gehört, sich auf keines festzulegen; zu seiner Methode etwas, das wie systematische Willkür aussehen kann; ein System behauptet er nicht zu haben. Kritik müsste ihn an seinem Ursprung heimsuchen: in einer Art methodischer Wendung, die am Anfang des 20. Jahrhunderts von verschiedenen Filosofien unternommen worden ist, und zu der eine Art Nötigung ja bestanden haben muss.

Die Wendung war, wenn ich es verkürzt ausdrücken darf, eine hin zu denjenigen Erscheinungen, die von den Einzelnen unabhängig, ihnen gegenüber autonom zu sein scheinen; das, was Materialisten oft Verkehsformen nennen; diejenigen gesellschaftlichen Formen, die vom gesellschaftlichen Prozess gebildet werden (man kann sie auch Strukturen nennen), und die sich, wie bei Marx das Kapital, durch diesen gesellschaftlichen Prozess selbst zu reproduzieren scheinen. Weil man, im Anschluss an die strukturalistische Auffassung der Sprache als einer solchen Form, davon ausgeht, dass auch die Sprache eine solche Form ist, nennt man diese gesellschaftlichen Formen auch Diskurse; unter diesem oder unter anderen Namen wird nun das Zustandekommen der gesellschaftlichen Formen untersucht.

Dem naheliegenden Einspruch, dass die Dinge der wirklichen Welt, einschliesslich der Formen Staat, Recht, Eigentum, Familie etc. doch kaum Diskurse seien, sondern reale Not, kann recht einfach mit dem Hinweis abgetan werden, es gehe darum, das zu untersuchen, was man wissen kann; ob etwas hinter der Barriere liege, und was, könne eben nicht gesagt werden, oder genauer: sei selbst auch Diskurs. Es ist nun sicherlich aber einmal versucht worden, mehr und anderes über diese wirklichen Dinge zu sagen; das war die spekulative Filosofie etwa Hegels; weiter müsste man gar nicht reden, die filosofischen Systeme sind gescheitert, wie allgemein bekannt ist, oder, wie es auch heisst: die Zeit der grossen Erzählungen ist vorbei. Die materialistische Kritik täte an diesem Punkt gut daran, statt die einzelnen Tendenzen und Autoren der poststrukturalistischen Schule einzeln zu kritisieren, sich zuerst diesen Einwand gesagt sein zu lassen und das Scheitern der Systeme zu untersuchen, insbesondere, weil sie selbst damit einiges zu tun hat.

2
Der Materialismus(1) bezeichnet nämlich gerade die Stelle, an der die Filosofie auf Grund gelaufen ist. Danach kann die Filosofie nicht mehr, es sei denn in verwandelter Form fortbestehen: als Umgestaltung der Wirklichkeit, deren Denken eben der Materialismus wäre. Dieses eigenartige Verhältnis lässt sich in mit zwei Sätzen beschreiben, die man einmal probeweise nebeneinanderstellen sollte: der von Marx in der 11. Feuerbachthese: die Filosofen hätten die Welt nur verschieden interpretiert, es komme darauf an, sie zu verändern; und der von Adorno aus der Einleitung zur Negativen Dialektik, dass Filosofie, die einmal überholt schien, sich am Leben erhielte, weil der Zeitpunkt ihrer Verwirklichung verpasst ward.

Der Satz von Marx ist nicht verständlich ohne die ausführliche Begründung, die er vorher und anderswo gibt, er hat überhaupt nichts gemein mit der schreihälsigen Interpretation, die ihm Spätere gegeben haben: nun sein einmal genug diskutiert, jetzt gehe es an die Arbeit. Und umgekehrt wird der von Adorno falsch verstanden, wenn man ihn so versteht, als meine er mit Filosofie vordringlich seine eigene: als könne und solle man vorerst weiter Filosofie treiben, weil es mit der Revolution nichts geworden ist.

Stattdessen wird ja allgemein weiter Filosofie getrieben, als wäre nichts gewesen; und zwar um den Preis, dass solche Filosofie sich über den Punkt, der zum Übergang zur Veränderung genötigt hätte,(2) hinwegsetzt, ihn aus dem Denken herausschneidet; so tut, als gäbe es ihn gar nicht. Die Pointe besteht darin, dass so der Materialismus, dem der Weg zur Veränderung abgeschnitten ist, wider Willen sich selbst als eine Filosofie unter anderen zu verlängern genötigt ist; in welchem Zustand seine historische Niederlagen ihm aber wenn auch nicht die Evidenz, so doch die Plausibilität zu nehmen droht.

3
Das Problem, an dem die Filosofie scheitert, scheint mir vom Begriff der menschlichen Tätigkeit bezeichnet zu werden. Die Filosofie hatte sich über Kants Kritiken ja im Prinzip nur mit einem recht luftigen Regress gerettet, den Hegel sich dahinter zurück erlaubte, indem er Gott, unter verschiedenen Vorwänden, durch die Hintertür wieder einliess. Dieser Regress erwies sich, indem die Junghegelianer ihn wieder abschnitten, als sehr produktiv. Indem sich aufweisen liess, das Gott eine Vorstellung ist, die die Menschheit produziert, und zwar als unbewusstes Wissen über sich selbst, war das Dilemma der filosofischen Systeme übersteigbar geworden: das Allgemeine herrscht tatsächlich, aber als gesellschaftliche Form, vermittelt durch menschliche Tätigkeit; was das selbe ist wie: wird durch die menschliche Tätigkeit produziert. Es handelte sich nun in der Tat nicht mehr darum, die absurden Abgründe der Filosofie gedanklich zu ergründen und damit zu verdoppeln, sondern darin die absurde Praxis wiederzuerkennen, die prinzipiell der Veränderung zugänglich war, und zu deren Veränderung gerade damals und erstmals die Möglichkeiten hergestellt zu werden schienen.

Die menschliche Tätigkeit, das ist nun aber nicht mehr nur die gedankliche Tätigkeit des Menschengehirnes, das die Filosofie darunter verstand; sondern selbst diese Gedanken werden von materiellen, wirklichen, einzelnen Menschen produziert, und zwar ebenso, wie diese Menschen materiell sind, aus materiellen Gründen; und sie werden ebenso produziert, wie alle anderen Dinge produziert werden, und unter der Herrschaft von Gedankendingen. Das Recht z.B., ein Allgemeines, herrscht ja wirklich; aber angewandt werden muss es von einzelnen Menschen auf einzelne Sachverhalte, durch konkrete gedankliche Anstrengung eines Juristengehirnes, denn von alleine wendet es sich nicht an; und selbst ohne den Spruch eines Richters ist seine Geltung durch das Rechtsbewusstsein, durch die Reflexion aufs Recht der Teilnehmer am Warenverkehr vermittelt. Denn auch die Waren tauschen sich ja nicht wirklich selbst gegeneinander aus, sondern bedürfen ihrer Besitzer, die sie zum Markt tragen und für sie denken. Ohne wirkliche, lebendige Menschen wäre der Vorgang nicht denkbar; Maschinen können ihnen das nicht abnehmen (nicht einmal die Rechtsprechung, so behauptet jedenfalls die Rechtslehre); die menschliche Tätigkeit ist also irreduzibel. Selbst in der rohesten Form ihrer Exploitation, als blosse Naturkraft, zeigt gerade das Mass, wodurch menschliche Arbeitskraft durch Maschinen ersetzt wird, an, wieweit sie eben nicht ersetzt werden kann.

Die Filosofie hat den Menschen aber gerade nicht unter der Bestimmung betrachtet, dass er als einzelner, bedürftiger, leibhaftig wirklicher da sein muss, sondern genau umgekehrt als eine reine Geistmonade; als rein denkendes Ding, res cogitans; der Einspruch des älteren Materialismus dagegen war unwirksam geblieben, weil dieser sich den Weg selbst versperrt hatte. „Der Hauptmangel alles bisherigen Materialismus (den Feuerbachschen mit eingerechnet) ist, daß der Gegenstand, die Wirklichkeit, Sinnlichkeit, nur unter der Form des Objekts oder der Anschauung gefaßt wird; nicht aber als sinnlich menschliche Tätigkeit, Praxis; nicht subjektiv. Daher die tätige Seite abstrakt im Gegensatz zu dem Materialismus vom dem Idealismus – der natürlich die wirkliche, sinnliche Tätigkeit als solche nicht kennt – entwickelt. Feuerbach will sinnliche – von den Gedankenobjekten wirklich unterschiedne Objekte: aber er faßt die menschliche Tätigkeit selbst nicht als gegenständliche Tätigkeit.“(3)

Hieran kann man ungefähr ablesen, was das Resultat der Filosofie – Engels sagt: ihr Ausgang – gewesen ist; und hierhinter fällt alles, was danach Filosofie heisst, systematisch zurück; genauer gesagt: hintertreibt ihn; es sei denn, sie bezieht dieses Resultat, und die Reaktion der Filosofie darauf ausdrücklich ein: das heisst, verteidigt gegen die heutige Filosofie dasjenige an der Filosofie, worüber die heutige Filosofie lieber schweigt.

4
Unter diesen Filosofien war nun der Strukturalismus eine. Betrachten wir ihn etwas genauer. Sein Grundgedanke ist die Existenz gesellschaftlicher Formen, die den Einzelnen gegenüber autonom sind; ein Gedanke, der auch dem Materialismus nicht fremd ist. Diese gesellschaftlichen Formen sind gegenüber dem Einzelnen und dem, was er denken, und was er als Wille formulieren kann, vorgängig; so, wie die Sprache dem Gedanken vorgängig ist. Nur in den Bahnen, die die Verkehrsform zulässt, können Gedanken und kann Wille erst formuliert, oder konstituiert werden.

Selbstverständlich würde der Strukturalismus, und auch der Poststrukturalismus, nicht abstreiten wollen, dass diese Verkehrsformen produziert werden durch die ständige Praxis der einzelnen Menschen. Der Unterschied besteht aber darin, dass er sich die Frage gar nicht stellt, warum die menschliche Tätigkeit solche Formen überhaupt produziert. Vielmehr erscheint es so, als konstituierten die Formen die einzelnen, die unter ihnen tätig werden, dadurch erst; anstatt, wie es der Materialismus nahelegt, umgekehrt. Der Unterschied ist entscheidend: als Subjekt erscheint im Strukturalismus die Verkehrsform, die Einzelnen nur als dessen Widerspiegelungen; ausserhalb dessen, also ausserhalb der Subjektrolle, kommen sie nicht in Betracht. Sie erleiden den gesellschaftlichen Prozess, wie ein Stück Naturstoff ihn erleidet; sie produzieren ihn nicht viel anders, als Petroleum die Energie produziert, die zu seiner Förderung notwendig ist, nur dass das Petroleum nicht auch noch denkt, das selber zu tun und zu wollen.

Der Materialismus hatte demgegenüber darauf zu beharren, dass es die Menschen sind, die die Strukturen schaffen; und in ihnen doch dabei nicht aufgehen, eben deswegen, weil sie nicht Gedankenwesen sind, sondern gerade auch Naturstoff; noch die Arbeitskraft ist, wenn auch Ware, so doch auch etwas anderes als Ware. Der Strukturalismus scheint dem Materialismus voraus zu sein genau in dem Masse, indem der Fortschritt des Kapitals die Einzelnen in sich absorbiert hat; der störungslose Ablauf des ganzen unheimlichen Vorgangs ist, was dem Strukturalismus seine Plausibilität gibt. Der Vorgang, den beide Lehren betrachten, ist erkennbar derselbe; mit dem Strukturalismus wäre recht gut beschreibbar, wie und wieso er funktioniert; der Materialismus muss aber behaupten, dass die wirklichen Einzelnen im Prozess niemals aufgehen können. Das ist im Übrigen die metafysische Erbschaft, die er mit sich trägt und mit der er steht und fällt. Der Materialismus befindet sich nun in der Not, dass er die unökonomischere Erklärung ist: er enthält zwingend die Annahme, es sei ohne weiteres möglich, dass die einzelnen Menschen, gerade als blosser Naturstoff, sich nicht nur daran stören, sondern sich erfolgreich dagegen wehren, wenn die Gesetzmässigkeit des objektiven Prozesses sie etwa zum Verhungern zwänge. Ohne solche Gegenwehr, die auch nur als solidarische Aktion der Gattung Mensch zu haben wäre, ist der Strukturalismus ebensowenig zu widerlegen wie das Kapital.

5
Das war der Stand der Dinge, als Louis Althusser den Strukturalismus in die Parteidoktrin des Parti Communiste Français einführte. Diese Lehre und jener Verein passten ganz hervorragend zusammen; es ist fast ein Wunder, dass die Partei die Lehre nicht gleich selbst erfunden hat. Ihr ganzes Verhalten im entscheidenden Mai 1968 zeigt gleichermassen ihre Abneigung gegen die Revolution, wie ihre Unfähigkeit, ausserhalb der Formen von Staat und Kapital zu denken: Musterbeispiel für praktischen Strukturalismus. Althusser soll über das Verhalten seines Vereins übrigens enttäuscht gewesen sein, und hat sich später von ihm abgewandt.

Einer seiner Schüler war nun Michel Foucault. Und nun passiert auf den ersten Blick folgendes: Foucault, zunächst noch Strukturalist, hält sich 1968 in Tunesien auf, wo er die tunesische Variante von 1968 erlebt. Hiervon, und von den Ereignissen in Frankreich, ist er tief beeindruckt. Und in der Tat ist im Buch nicht vorgesehen, dass scheinbar aus nichts ein völlig spontaner Generalstreik entsteht, dass die Arbeiter die Fabriken besetzen und die Studenten die Universitäten; dass Präsident de Gaulle Frankreich nach Deutschland flieht und Vorkehrungen trifft, Panzer auf Paris zu schicken; und das alles ohne jedes Zutun der sog. kommunistischen Partei, und ihres mächtigen Gewerkschaftsverbandes, sogar gegen deren erbitterten Widerstand.

Man kann sagen, was man will, aber Strukturalist sein kann man danach nicht mehr.. Was auch immer der Mai 1968 gewesen ist, aber er ist kaum aus den Verkehrsformen hervorgegangen; ich wüsste keinen genaueren Begriff vom Zusammenhang menschlicher Tätigkeit und Vernunft zu nennen als den spontanen Generalstreik. Und Foucault hat sich danach auch vom Strukturalismus entfernt, und die Lehre begründet, die man Poststrukturalismus nennt; so dass man sagen müsste, der Unterschied zwischen Strukturalismus und Poststrukturalismus ist genau dieser Mai 1968. Aber hier, wo unsere Argumentation so klar zusammenzulaufen scheint, wird es in Wirklichkeit erst richtig kompliziert.

6
Denn was Foucault 1968 gesehen haben will, ist folgendes: „Was auf der Welt ist es, das in einem Einzelnen den Wunsch, die Fähigkeit und die Möglichkeit zu einem absoluten Opfer auslöst, ohne dass man die leisteste Ambition nach Macht oder Profit erkennen oder auch nur vermuten könnte? Das ist, was ich in Tunesien gesehen habe.“ Was er gesehen hat, waren Studenten, die von der Polizei halb oder ganz tot geschlagen worden sind, und die in ihrem Kampf ihr Leben riskiert, und oft genug verloren, haben. Ich will nicht, das man glaubt, ich hätte ihn missgünstig zitiert; man wird das in allen seinen Äusserungen finden: ihn interessiert nicht die Befreiung der einzelnen, sondern fragt sich, für welche höhere Sache diese Leute ihr Leben zum Opfer gebracht hätten; so, als hätten sie das freiwillig gemacht. Er fragt also nach einer Struktur; einer neuen Verkehrsform; einen neuen Souverain. Und er scheint zu glauben, dass es das war, worum es 1968 gegangen ist.

Ein Bruch mit dem Strukturalismus ist, wenn man das und nichts anderes „in Tunesien gesehen“ hat, gar nicht nötig; sehr wohl aber eine Erweiterung; man muss ihn dann in der Tat um alles mögliche ergänzen, was diese Opferbereitschaft, die man in abstracto auch bei den Freikorps „gesehen“ haben könnte, motivieren könnte; aber, und das ist die Wendung, eben nicht mit Grauen; sondern Foucault sympathisiert mit dem, was er da gesehen zu haben meint. Was aus alle dem nahe läge, wäre, kurz gesagt, eine Durchmischung des Strukturalismus mit Heidegger.

Es wird übrigens noch komplizierter: diese Dinge hat er über 1968 erst 10 Jahre später gesagt, in einer Zeit, als er bereits im Iran auch einige Dinge „gesehen“ und beschrieben hat, die man ihm bis heute aufs Wort glaubt: eine ganz und gar von politischer Spiritualität durchwebte islamische Revolution etwa; alle, die er fragte, wollten die Islamische Republik; und niemand scheint sich gefragt zu haben, warum er offenbar nur Leute von den Mojaheddin e Khalq, oder der Hezbollah gefragt hat. Oder warum auf den Fotos hunderttausende unverschleierte Frauen demonstrieren, die doch wohl nicht für den verpflichtenden Hijab demonstriert haben; oder warum die Islamische Republik bis 1983 einen Bürgerkrieg gegen die Linke führen musste, wenn die Revolution doch so tief und ganz und gar islamisch gewesen sein soll, statt, wie es wirklich war, die Konterrevolution.

7
Was Foucault beschrieben hat, hat es wohl gegeben. Was er nicht gesehen hat, oder was in seinem Denken nicht vorkommt, das wäre aber erst die Wahrheit gewesen. Was ihn an 1968 und 1978 interessiert, sind genau die Stränge, die (nach 1968) etwa in den libanesischen Bürgerkrieg münden, oder (nach 1978) zum Khomeinismus. „Die Reaktion tritt im selben Moment ins Leben, in welchem die Revolution zur Welt kommt: Beide werden im selben Augenblick geboren, allerdings von grundverschiedenen Eltern“ (Max Stirner), und Foucault betrachtet den Vorgang und sieht nur die eine.(4)

Trotzdem glaubt man ihm offenbar auf Wort, und auch unter Leuten, die weder ihn und seine Lehre, noch Khomeini mögen, werden seine Beschreibungen zitiert, wie wenn sie richtig Auskunft gäben über etwas anderes als über ihn selbst. Seine Wahrnehmung des Iran 1979 prägt immer noch diejenigen, die sich zwar Ideologiekritiker nennen, und Materialisten, aber in der ägyptischen Revolution von 2001 nur das immergleiche Wesen des Islamismus zu sich kommen sehen wollen, ohne begreifen zu wollen, dass dieselbe Revolution sich im Kampf mit genau diesem Islamismus befindet. Das nun aber solche, die sich selbst Materialisten nennen, dieselbe Wahrnehmungsstörung wie Foucault aufzuweisen, nur zu einer anderen Bewertung neigen (was streng genommen rein zufällig ist), das ist wirklich erklärungsbedürftig.

Der Strukturalismus war die Filosofie einer fortdauernden Konterrevolution, eines Stellungskrieges; der Poststrukturalismus der einer Konterrevolution, die den Angriff überstanden hat und zum Gegenangriff überzugehen gezwungen ist, immer wieder. Filosofie der Gegenrevolution heisst: Sowohl gegenrevolutionäre Filosofie, als auch Filosofie, die in solchen Zeiten plausibel erscheint, als falsches Bewusstsein, d.h. richtiges Bewusstsein von falschen Verhältnissen. Unter diesen Verhältnissen wird sozusagen jeder Mensch als Poststrukturalist geboren.

Die Nötigung, Filosofie zu betreiben, besteht genau im Fortleben solcher Filosofie, die mit jenen Verhältnissen im Bunde steht: zu ihrer Auflösung ist die Reflexion darauf nötig, woher sie kommt; wie und warum Filosofie derart verkam. Die materialistische Reflexion hat selber die Form von Filosofie; die aber in genau dem Masse antifilosofisch sein wird, in dem die Filosofie antimetafysisch geworden ist. Ein Ausgang aus dem Zeitalter des Poststrukturalismus steht nicht in ihrer Macht; dazu bedürfte es anderer, mächtigerer Tendenzen als sie es ist. Ob solche Tendenzen irgendwo zu sehen sind, das zu unterscheiden wäre heute ihre praktische Aufgabe.

1 Der Materialismus aber ist nirgendwo ganz entwickelt; die Kritik Hegels hat die Höhe Hegels wirklich nicht erreicht, wie Jochen Bruhn zu Recht sagt; das hiesse aber, dass materialistische Kritik nur in Fragmenten vorliegt. Ich würde nicht empfehlen wollen, einen Materialismus etwa rekonstruieren zu wollen, den es nie gegeben hat; stattdessen sollte man die einzelnen Elemente sammeln und in Erinnerung bringen. Vielleicht kann es Materialismus vor seiner Verwirklichung nicht als ein Ganzes geben.
2 Vielleicht langte die Interpretation nicht zu, die den Übergang verhiess, heisst es bekanntlich weiter bei Adorno.
3 Marx, Thesen über Feuerbach, 1
4 Daran ändert auch nichts, dass er versichert: „Meine theoretische Moral … ist ‚anti-strategisch; mit Respekt reagieren, wenn eine Einzelheit sich erhebt; mit Unnachgiebigkeit, wenn die Macht das Allgemeine verletzt“, oder: „Letztlich stellt der Konflikt zwischen Materialismus und Spiritualismus … zwei feindliche Brüder einander gegenüber… :als Subjekte der Gedanken wählt man Individuen oder Gruppen, aber man wählt eben stets Subjekte.“ Dass für ihn Materialismus und Spiritualismus (der Name der Parteien ist übrigens präziser und richtiger als Materialismus und Idealismus) für ihn darin übereinkommen, es mit Subjekten zu tun zu haben, bedeutet nämlich nicht, dass er es gegen die Subjektrolle etwa mit den Indivuen hielte;das letzte Zitat geht so weiter: „Die Aufgabe dieses Dualismus, und die Konstitution einer nicht-cartesianischen Epistemologie erfordern, wie man sieht, mehr: nämlich die Eliminierung des Subjekts unter Beibehaltung der Gedanken und den Versuch der Konstruktion einer Geschichte ohne menschliche Wesen.“ Er hat vielleicht nichts vom Materialismus begriffen, aber sehr wohl von der Nötigung zur Konstruktion der extremsten Gegenposition, die sich denken lässt: was er umreisst, hiesse eine Rekonstruktion von Hegels Filosofie ohne die offene Flanke, die er der materialistischen Kritik geboten hat. Das ist die Vollendung des strukturalistischen Programms, und gleichzeitig die Durchführung dessen, was Heidegger dunkel vorschwebte, und er dunkel formulierte. So etwas gilt heute an Universitäten als progressiv; derart ist die Finsternis dieses Zeitalters.

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Munich/München

++++DRINGEND++++

Wir möchten hiermit freundlich darauf hinweisen, dass sich momentan 100 non-citizens in München (Rindermarkt) im Hungerstreik befinden! Es wird um Unterstützung gebeten. U.a. werden dringend finanzielle Spenden benötigt.

After the Protest in Munich today, asylum seekers went on hungerstrike! We are now staying at Rindermarkt! Please show solidarity and come here!

[googlemaps https://maps.google.com/maps?q=Rindermarkt+m%C3%BCnchen&oe=utf-8&aq=t&client=firefox-a&ie=UTF8&hl=en&hq=Rindermarkt&hnear=Munich,+Upper+Bavaria,+Bavaria,+Germany&t=m&ll=48.136365,11.574351&spn=0.006295,0.006295&output=embed&w=425&h=350]

Spendenkonto

Name: Streitberger Refugee-Congress
Institut: Sparkasse Regensburg
BLZ: 750 500 00
Konto-Nr.: 26479584
IBAN: DE 417505 00 00 00 2647 9584
BIC: BYLADEM 1 RBG

CONTACT INFORMATION FOR MEDIA // KONTAKT FÜR PRESSEANFRAGEN:

Email: media .refugeeprotest@gmail.com
Phone: Omid Moradian (deutsch): 0152 33706273
Houmer Hedayatzadeh (englisch): 0152 14045382
Internet: www.refugeetentaction.net
Facebook: https://www.facebook.com/Refugeemarch?ref=hl

Der Bayerische Rundfunk berichtet.

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A Letter to Our Friends from Iran and the Arab World

Dear friends and comrades,
revolutionaries,

I’ve been invited from among your ranks to a peace rally the other day, over Israels war in Ghaza. I just don’t know why. Maybe we have been too shy to declare how we think about these things. Let me set some things straight.

We will not rally for a phony peace, and we will never rally against Israel. To take out Islamism as a player on the political level, that would have been one of the foremost jobs of the revolutions of 2009 and 2011, of which some of you are veterans. We commend you on that; we deeply sympathize with your struggles. We did what little we could to support them, and always will.

But these revolutions have, up to now, failed to do so. Now Israel is fighting, once again, a war against these same forces. That should be, first and foremost, a moment of shame for every revolutionary; a shame that was inflicted on them all both by the power and sheer brutality of counterrevolution, and by mistakes on the part of the revolutionaries.

But, and that is the point: no revolutionary has the right to accuse Israel for defending itself against a threat that should have been taken out by now, by the revolution. Noone has the right to accuse others of his own failures. Just as the revolution has noone to rely on but itself, it has noone to accuse but itself. Revolution is the only solution. Its failure is the only problem.

First and foremost duty of any revolutionary in times of failure is self criticism, and not pointing the finger at others, especially not at those who have a history of having fingers pointed wrongly at them. Maybe we in Germany have not much to teach to anybody, but take that hint from us: our forerunners, the German communists, helped create a desaster for themselves, as well as death and destruction and annihilation for millions of others, when they chose to ignore and belittle the threat of antisemitism in the 1920s and 30s. It is still unclear if that defeat did not end the chances of revolution once and for all. You should not repeat these same mistakes.

Stop pointing fingers at Israel; start to realize that this war is your fault, and our fault. The task is to take out anti-semitism. Then, and only then will Israel turn into a state as every other state is. Until that day Israel is the refuge of the Jews. And we at last will do what little we can do to support it, just as we do to support you when you are fighting for the right cause.

It is not us that have to choose. You have to. Take your time. But in the end, if you want to end the epoch of wars, and suppression, you will not go anywhere with pretending that this world of war is what it is just because Israel is fighting back. We all would, if put in that same place. And so would you, I hope, and so will revolution, I most sincerely hope.

Zionism is the Jews taking a stand against their fascist enemies. It would suit any internationalist revolutionary well to take a page from their book. And stop pointing fingers, and start to understand, I implore you, because it is you that the fate of this world is depending on now. And as long as anti-semitism is in the world, it is deeply tied to the fate of the Jews.

With communist greetings:

Joerg Finkenberger

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Aus gegebenem Anlass

Weil der Autor demnächst (6.6., 20.00 Uhr) im VL in Halle spricht, hier aus nochmal der Artikel von Franz Hahn über „kapitalismus Forever?“ aus Thier IV.

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Vom Namen des Thieres. Oder: Die Zahl seines Namens

Von Aquilah Chalid

„Und es führte irre die Bewohner der Erde ob der Zeichen, welche zu thun Angesichts des Thieres ihm gegeben worden, indem es den auf der Erde Wohnenden sagte, ein Bild zu machen dem Thiere, welches die Wunde hat des Schwertes und lebendig ist. Und gegeben ward ihm, Geist zu geben dem Bilde des Thieres, daß sogar das Bild des Thieres redete, und daß es machte, daß Alle, die nicht anbeteten das Bild des Thieres, getötet wurden. Und machen wird es, daß Alle, die Kleinen und die Großen, die Reichen und die Armen, die Freien und die Sklaven, ein Malzeichen haben in ihrer rechten Hand oder an ihrer Stirne, damit Niemand kaufen könne oder verkaufen, ausgenommen wer das Malzeichen hat, den Namen des Thieres oder die Zahl seines Namens. Hierin ist die Weisheit. Wer Einsicht hat, berechne die Zahl des Thieres. Denn Menschen-Zahl ist sie, und seine Zahl ist sechshundert sechs und sechzig.“
(Offenbarung des Johannes, 23)

Der Staat ist das Produkt wie die Äußerung unversöhnlicher Klassengegensätze, die ihre gesellschaftliche Vermittlung in der Form des Warentausches finden, als dessen Garant der Staat dem Vertrag selbst vorgelagert ist. Wo er dem Vertragsabschluss von zu Rechtssubjekten degradierten Individuen entspringt, ist er zugleich erste Bedingung dieser Verträge. Wie das allgemeine Äquivalent eine Sonderstellung gegenüber den anderen Waren einnimmt, so ist auch er der Ungleiche über den formell Gleichen. Wo sie der Gewalt durch einen Prozess weitgehend bewusstloser Praxis entsagen, um der physischen Bedrohung seitens ihres Nächsten im abstrakten Zustand des jus naturale zu entgehen, somit der absoluten Autonomie die Existenzbedrohung entgegenhalten; damit einhergehend die ambivalente Reduktion von Freiheit auf Konkurrenzfreiheit auf dem Markt und von Selbstbestimmung auf Mitbestimmung bei den Führungskonflikten innerhalb rechtsstaatlicher Politik mitvollziehen, muss er – als das naturwüchsige Resultat dieser Praxis – alle Gewalt in sich bündeln, um ihnen dies Anliegen rechtlich zu sichern. Wo ihre Existenz durch die mittels Arbeit und Kapital entfalteten Produktivkräfte und der dadurch bedingten Zunahme individueller Fähigkeiten eine wesentliche Bereicherung erfährt und im gleichen Atemzuge in ihrer Entfaltung und Entäußerung – damit einher in ihrer Individualität – durch das Zwangskorsett eines Bürgers beschränkt und erniedrigt wird, ist die seine unumstößlich mit dem ihn nährenden Wert als versachlichtes gesellschaftliches Produktionsverhältnis verbunden.

Wie sich der Wert einer Ware als Tauschwert im Gebrauchswert des allgemeinen Äquivalents, der Geldware, darstellt, so schlägt sich auch das physische unmittelbar-allgemeine Gewaltmonopol rechtsstaatlicher Souveränität momenthaft im konkreten Leib des die Rechtsordnung sichernden Bürgers als Staatsbeamten im Innern, wie auch im Leib des Berufssoldaten, dem der Schutz des Staates nach außen obliegt, nieder. Es ist letztendlich der sich im Staat verbergende Souverän, der kraft seiner physischen Gewalt das sich in der Wertmateriatur des Geldes und letztlich des Goldes – als notwendige physische Grundlage – niederschlagende allgemeine Äquivalent legitimiert und somit das Prinzip von dessen Anhäufung zum Selbstzweck, mit dem Nebeneffekt der möglichen Befriedigung eines für die Proletarisierten beschränkten Bereichs von der kapitalistischen Warenproduktion selbst entspringenden oder durch diese transformierten Bedürfnissen; wie es auch die vom Souverän exekutierten Reproduktionsbedingungen sind und damit einhergehend die erfolgreiche Kapitalverwertung ist, die ihn selbst, und somit die Synthese von Recht und Ordnung zur Rechtsordnung, legitimiert.

Es ist der Begriff der Souveränität, speziell derjenige der Volkssouveränität, welcher das personalistische Element eines Souveräns, der rechtsstaatlichen Ordnung angemessen, zu überdecken vermag, es dezentralisiert, um es sogleich in den Kategorien Legislative, Exekutive, Judikative, somit fast gänzlich im Begriff des Staates, aufgehen zu lassen. Wo Kapitalakkumulation in einem solchen Maße stattfindet, dass sie, wie auch ihr Garant, keine ernstzunehmende praktische Infragestellung erfahren und somit die Rechtsordnung nicht entzweit wird, dort bedarf es nicht der als allgemeiner Mensch geltenden Person, die als Souverän sich zu erkennen gibt, um seine Art von Ordnung und mit ihr die Bedingungen für erfolgreiche Akkumulation zu (re)installieren. Doch ist zweifelsohne, wie der Begriff des Überdeckens verrät, der allgemeine Mensch als das große Thier diesem gesellschaftlichen Verhältnis sowohl abstrakt-dezentralistisch vorausgesetzt wie auch im Wert-verwertenden „automatischen Subjekt“ tendenziell zu seiner Erhebung angelegt:
Es ist der im Staat in sich zerfließende Souverän, dem als hybrides künstliches Thier, als biblisches, zu gegebenem Zeitpunkt auftauchendes Ungeheuer Leviathan, alle Gewalt mittels Kaufvertrag einverleibt wird. Wird im Innern seinem Recht Folge getan, so kann er seinen Bürgern als berechenbare Maschine erscheinen, seinen Feinden jedoch, ganz gleich ob nach seinem Bilde Vertragsbrecher, Staatsfeind oder Feindstaat, erweist er sich als gefährliches Thier, denen er mit der Gewalt des Rechts oder dem Recht auf Gewalt entgegentritt. (1)

Es ist die der spiralförmigen Entwicklung des Kapitals geschuldete Bewegung hin zur Nullzeit, die mit ihr ersichtlich werdende unvernünftige und widersprüchliche Konstitution des Kapitals (2) und letztendlich die Gefahr der aus ihr entspringenden, den Staat erfassenden politökonomischen Krise, welche als eine der ausschlaggebenden Bedingungen den Souverän in Gestalt eines unkontrollierbaren Thieres, als Behemoth, sich seiner rechtsstaatlichen Ketten zu entledigen veranlasst. (3) Die Tendenz des Kapitals, zum Zweck der Konkurrenzfähigkeit seiner Eigentümer und der dadurch bedingten, stetig wachsenden Kapitalanhäufung, in immer kleiner werdenden Spiralen umzuschlagen, drückt dessen inhärente widersprüchliche Logik aus, sich des Gebrauchswerts als stofflichem Träger des Werts zu entledigen. Dem hierbei gesetzten Ideal G = G‘ kann sich auf rechtsstaatlicher Ebene lediglich bis zur Krise angenähert werden, da sich trotz Verlagerung der organischen Zusammensetzung des Kapitals zur toten Arbeit die lebendige, und mit ihr die Arbeitskraft-Warenmonade als ihr stofflicher und wertbildender Träger, als letzte Schranke erweist. Dem zu sich kommenden, im Rechtsstaat bereits angelegten, unrechtsstaatlichen Souverän in personalisierter Form eines allgemeinen Menschen(4) fällt anbei die Aufgabe zu, sich im Moment des für die Jurisprudenz „übernatürlichen Wunders“, welches mit den Mitteln des Rechts nicht zu fassen ist, im gesellschaftlichen Ausnahmezustand nämlich, selbst fleischlich werden zu lassen und sich im gleichen Atemzuge – seiner eigenen, auf keinerlei wirkliche Versöhnung ausgelegten Logik folgend, die mit der ebenfalls unversöhnlich sich spiralförmig entwickelnden Logik der Tendenz zur Nullzeit einhergeht – dem Nichts, durch unmittelbar-gewaltsame Praxis gegenüber allen zum Feind stigmatisierten Menschen, zu verschreiben.(5) Dieser Souverän vermag es also mittels der von den einzelnen – im Begriff des Volkes aufgehenden – Arbeitskraft-Warenmonaden zugesicherten Todes- und Tötungsbereitschaft, wie sie sich bereits rechtsstaatlich im bis zum völligen Verschleiß ihres Warenkörpers diktierten Arbeitszwang der Zivilbevölkerung und im Tötungszwang des Soldaten artikuliert, die letzte Schranke zu durchbrechen und dem ausschüssigen Menschenmaterial, vor allem aber den zum existentiellen Feind Auserkorenen, auf grausamste Art und Weise zu Leibe zu rücken. Der allgemeine, sich als Souverän setzende Mensch ist aber, trotz seines konkret-dinglichen Seins, real-abstrakter Ausdruck der Volksgesinnung, welche zu diesem Zeitpunkt wesentlich auf die ungehaltene pathische Projektion der eigenen Unzulänglichkeiten wie auch derjenigen der verkehrt eingerichteten Welt auf andere fokussiert ist und diese, von der Vorstellung des allgemeinen Menschen legitimiert, tatkräftig zu exorzieren sich anschickt. (6)

Mit der negativen Aufhebung des bürgerlichen Rechtsstaats verschwindet der Bürger selbst und weicht im Fall der schlechten (Selbst-)Aufhebung, wie sie mit den Krisenbewältigungsversuchen eines Unstaates einhergeht, den als Mordkollektiv sich zusammenschweißenden Volksgenossen, welche sich, damit sich die Entscheidung des Souveräns in ihnen und nicht auf ihnen niederschlägt, diesem gleichzumachen haben und dies zumeist auch, basierend auf der Fetischisierung von Staat und Kapital, bewusst-unbewusst, für die blutigste Ausbeutung und totale Herrschaft parteinehmend, auf masochistische und zugleich momenthaft-befriedigende sadistische Art und Weise, durch permanente Fahndung und Verfolgung vermeintlicher Volksschädlinge als Mittel der Entschädigung für Entsagung und Selbstzurichtung, bereitwillig tun. Analog zur Verschiebung der individuellen Psyche vollzieht sich eine Stilllegung des Klassenkampfs durch Volksgemeinschaft und Arbeitsfront. Diese Stilllegung bewirkt letztlich den totalen Ausbruch der asozialen Seite der Konkurrenz, die an keinerlei Regeln mehr gebunden ist und geht somit mit jenem modernisierten Naturzustand einher, in dem sich diese Konkurrenz unmittelbar gewalttätig artikuliert. Das bürgerliche Subjekt, das sich unter bürgerlichen Verhältnissen in die Charaktermasken Bourgeois und Citoyen aufspaltet und in diesem Spannungsverhältnis die Anforderungen beider Pole zu vermitteln hat, findet sich nun in jener Form wieder, in dem dieses Verhältnis dahingehend zugespitzt wurde, dass sich gerade die schlechtesten Züge jener bürgerlichen Subjektivität realisieren. Das einstige bürgerlich vermittelte Eigeninteresse schlägt um in eine bestialische Raffgier, die keinerlei Grenzen zu kennen scheint und allen Konventionen enthoben ist. Zugleich stellt sich in ihm eine völlig wahnsinnige Selbstlosigkeit ein; eine totale Hingabe und Aufopferung für Volk und Führer, bei der der eigene Tod billigend in Kauf genommen oder gar als ehrenhafte Tat begriffen wird. So nimmt der Einzelne diejenigen subjektiven Anteile zurück, die zur Realisierung der in Keimform schon enthaltenen Möglichkeit wahrer Individualität vorhanden sind, indem er völlig in der bürgerlichen Subjektform aufgeht und ihr zur totalen Durchsetzung verhilft. Der einstige Bürger, nun von der Kette gelassen, verwandelt sich vollends vom bürgerlichen Individuum in die mordende Bestie.

Es ist die von Carl Schmitt in all ihrer fetischistischen und antisemitischen Tragweite positiv in juristische Begriffe gegossene und von Hitler praktizierte Bestimmung des Politischen als Unterscheidung zwischen öffentlichem Freund und Feind, wie sie als Logik des Souveräns auch noch der heutigen bürgerlichen Ordnung und der mit ihr einhergehenden Ideologien – z.B. in Form des Imperativs „Gemeinwohl vor Eigennutz“ und der Einschwörung des Individuums auf Staat, Nation und letztendlich Volk – zu Grunde liegt. Diese Rechtsordnung, mitsamt der in ihr angelegten und zur Entfaltung drängenden reaktionären Weltanschauung, bildet die Voraussetzung für den Umschlag hin zur formlosen Ordnung nationalsozialistischer „Unstaatlichkeit“.

Der Souverän, als derjenige, der kraft seiner Gewalt über den Ausnahmezustand entscheidet, vermag sich am Ende der Spirale als Ausnahmezustand zu etablieren, der seinerseits über den Souverän entscheidet (Scheit) und sich selbst die Krise mittels unvorstellbarer Gewalt auszutreiben sucht. Das Politische fällt hierbei mit dem Volk in eins; das Gewaltmonopol, welches unter rechtsstaatlichen Verhältnissen das Individuum nicht zuletzt vor dem Kollektiv zu schützen vermochte, wird von diesem selbst adaptiert, um in der äußersten Formlosigkeit das Gebot des Gemeinwohls als total zu setzen, in dem die politische Einheit des Volkes sich selbst das Primäre ist. Doch wo es dem Volk im Angesicht der Krise um die Selbstbehauptung geht, ist ein innerer Feind als Gegensatz, als Bedingung des Zusammenschlusses immer schon vorausgesetzt, den es zur Erlangung der Widerspruchslosigkeit, der Etablierung eines von allem gereinigten Volksbegriffs auszumerzen gilt, wobei sich gerade das Befugnismonopol des Souveräns auf die Todes- und Tötungsbereitschaft als dasjenige Mittel für das mörderische Ziel der Reinwerdung des Volkes erweist. Das Volk als ex negativo bestimmte, zur Identität mit sich selbst und dem Kapital drängende Einheit muss sich zum Feind die existentielle Andersartigkeit, Fremdheit als seinsmäßige Charakterisierung in Form von pathisch-projizierten Personalisierungen setzen, welches Anderssein des Fremden, sofern es nach dem Bilde dieses Souveräns die Negation der eigenen Art Existenz bedeutet, wortwörtlich zu Staub gemacht wird, um die vermeintlich eigene, seinsmäßig-natürliche Art von Leben zu bewahren, eines „Lebens“, welches nicht abseits kapitalistischer Ausbeutung gedacht werden kann. Ausbeutung und Herrschaft werden hierbei in ihrer brutalstmöglichen Ausformung verewigt; damit einhergehend nicht nur die praktische Verwirklichung einer menschlichen Gesellschaft verunmöglicht, sondern überhaupt die Möglichkeit, auch nur eine andere Form von Vergesellschaftung zu denken, durchgestrichen.
Das Formalrecht weicht dem Lebensrecht, welches, gebunden an die jeweilige Volkszugehörigkeit, das „Wie-Sein“ an die Zugehörigkeit zu einer Masse bestimmt (Scheit), welche auch sogleich ihren völkischen Wahn gegen Individualität, „Kulturlosigkeit“ und alle weiteren, imaginiert-existenzbedrohende Negativbilder der eigenen Existenz (Bilder, wie sie das jüdische „Antivolk“ zu verkörpern hat) walten lässt. Die einzelnen noch lebendigen Ware-Arbeitskraft-Monaden sollen in ihrem rückstandslosen Aufgehen im Volkssouverän auch sogleich die Mimesis an die ganze Warenwelt der toten, aufgehäuften Arbeit restlos mitvollziehen und ihrem Dasein als bloße Materie, in dem sich die Entscheidungen des Kapitals und Souveräns niederschlagen und darstellen, also ihrem „Sein zum Tode“, in freudig-mörderischer Volksfeststimmung beipflichten.

Die innere Abwehr der Zumutung, die Krise als Inbegriff einer widersprüchlich eingerichteten Gesellschaft zu fassen, bedient sich der modernen Fetischformen bis hin zu einem antisemitischen Weltbild, in dem die Widersprüche der warenproduzierenden Gesellschaft auf „jüdisch“ agierende einzelne „skrupellos-egoistische Volksschädlinge“ in der Finanzwirtschaft, auf dessen phantasierte geopolitische, „künstlich-kulturlose“ Aggregation im Juden unter den Staaten oder letztendlich „konkret“ auf das jüdische Volk als weltweit hinter den Kulissen agierend vorgestellte Antirasse, projiziert werden und diese Objekte der pathischen Projektion somit als Urheber des Desasters und Ursprung alles Bösen erscheinen. Es ist das Verlangen, der Krise und der sie bedingenden politischen Ökonomie als gesellschaftliches „Subjekt“ Herr zu werden, sie zu verstehen, und zwar in dem Maße, wie all die als mehr oder weniger offen jüdisch konnotierten Finanzjongleure, Think-Tanks und Machtinhaber sie zu lenken verstehen würden und bewusst für ihr Streben nach Weltherrschaft einzusetzen scheinen. Das nicht nachvollziehbare Vermögen dieses scheinbar existentiellen, nach Allmacht strebenden Feindes heißt es in dessen totaler Vernichtung sich anzueignen, um selbst als Imperator einer zum Naturzustand verewigten kapitalistischen Totalität zu erscheinen und diese nach eigenem ideologischen Bild zu lenken. Weder kann sich aber die Politik ihrer ökonomischen Konkurrenz-Grundlage gänzlich entziehen und die Wirtschaft reibungslos in den Dienst der Volksgemeinschaft nach Maßgabe von dessen Lynchjustiz stellen, ohne ihren souveränen Status zu verlieren, sondern sie unterliegt selbst den Direktiven des Kapitals und dessen Drang zur Nullzeit. Noch gar lassen sich zuvor die Übel dieser Gesellschaftsformation anhand einzelner Sündenböcke (sehr wohl aber diese als zu deren stofflichem Träger Stigmatisierte) in Rauch auflösen; denn das Vertrackte an diesem Feind ist, dass er als wirkliche, konkret fassbare Person gar nicht existiert, sondern nur als pathisch projiziertes Bild des gesellschaftlichen Seins, also der kapitalistischen Tauschgesellschaft und der mit ihr aufkommenden ideologischen Verklärungen unmenschlichen Seins erscheint. Die mörderische Dynamik einer Gesellschaftsformation, die sich wesentlich durch das pathisch projizierte Bild eines existentiellen Feindes konstituiert, kennt kein Ende in Form einer Normalisierung. Sie bedarf des Mordens und schürt durch ihr mörderisches Wesen noch selbst unter den Volksgenossen jene Panik davor, selbst der Nächste zu sein, der dem Wahn zum Opfer fällt, die sie dazu veranlasst, durch immer brutalere Vorgehensweisen ihre Nützlichkeit für die Volksgemeinschaft unter Beweis zu stellen. So ist es also nicht möglich, die verkehrte Einrichtung der Welt an ihren Personalisierungen restlos zu exorzieren. Das Bild des Feindes bleibt, ganz gleich wie viele Menschen dem Wahn zum Opfer fallen, bestehen, denn wo bereits die Logik von Staat und Kapital keinerlei Versöhnung kennt, ist diejenige des aus ihrer Krise entspringenden antisemitischen Unstaates nur noch im Tod zu finden.

1 Das Recht selbst ist in letzter Instanz an seine Gewalt gebunden, jedoch macht es praktisch einen Unterschied ums Ganze, ob sich ein Souverän in der Regel an das eigens gesetzte Recht auch hält (Recht auf körperliche Unversehrtheit) oder das Potential seiner Gewalt ganz unvermittelt ausschöpft und der Leib des Einzelnen vollends seiner Willkür unterliegt) (*Fußnote: Da sich Staaten, bzw. Souveräne zueinander in einem unaufhebbaren „Naturzustand“ befinden – der natürlich nicht minder gesellschaftlich ist wie derjenige zwischen Individuen -, ihnen übergeordnete Instanzen lediglich „virtuelles“ (Scheit), gelten sollendes, da nämlich von keiner Gewalt garantiertes Recht zu empfehlen in der Lage sind, an die sich ein Souverän halten kann oder auch nicht, stehen sie sich, den ideologischen Verschleierungen zum Trotz, als existenzbedrohende Monster gegenüber.

2 Wie sie in Keimform bereits in der Gleichung x Ware A = y Ware B sich darstellen lässt.

3 Was von einem solchen Souverän noch in die Form gesetzlicher Paragraphen gegossen wird, das von ihm gesprochene, gar gesetzte Recht also, erweist sich als bloßer Ausdruck des sich stetig wandelnden Willens dieses Souveräns, wie schon die deutsche Reichstagsbrandverordnung von 1933 bewies. Er weiß, dass er, um Recht zu sprechen, keines zu haben braucht, dieses zu setzen sich aber als nützliches Organisationsmittel für den Angriffskrieg und die Massenvernichtung erweist

4 Auch wenn sich die heutige Gesellschaft primär durch das Mittel der Gewalt konstituiert – wobei sich diese heute in Form stummen Zwangs konstituierter rechtlicher gesicherter Ausbeutungsverhältnisse äußert – und die Bedingungen zur Wiederholung der Geschichte nicht beseitigt sind, lässt sich anhand der noch immer bestehenden Vergesellschaftungsform keine teleologische Transformation hin zu einem unrechtsstaatlichen Racketsystem diagnostizieren, wohl aber Tendenzen, die zu einer solchen schlechten Aufhebung drängen.

5 Die hier aufgemachte und durchdeklinierte Darstellung einer Gesellschaft, welche tendenziell die organische Zusammensetzung des Kapitals hin zur restlosen Negation seiner variablen Komponente verschiebt, wie auch die analoge Darstellung der Logik des Antisemitismus nach der gänzlich etablierten Totalität der Barbarei, folgt der der kapitalistischen Gesellschaft inhärenten Logik selbst, welche sich praktisch in diesem Ausmaß nicht bis zu einem solchen apokalyptischen Endpunkt vollziehen wird. Das Aufgreifen und Durchexerzieren dieser Logik dient lediglich der Verdeutlichung ihres fatalistischen und auf keinerlei wirkliche Versöhnung gerichteten Prinzips.

6 Die hier aufgemachte und durchdeklinierte Darstellung einer Gesellschaft, welche tendenziell die organische Zusammensetzung des Kapitals hin zur restlosen Negation seiner variablen Komponente verschiebt, wie auch die analoge Darstellung der Logik des Antisemitismus nach der gänzlich etablierten Totalität der Barbarei, folgt der der kapitalistischen Gesellschaft inhärenten Logik selbst, welche sich praktisch in diesem Ausmaß nicht bis zu einem solchen apokalyptischen Endpunkt vollziehen wird. Das Aufgreifen und Durchexerzieren dieser Logik dient lediglich der Verdeutlichung ihres fatalistischen und auf keinerlei wirkliche Versöhnung gerichteten Prinzips.

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Down by Law

von Schnittler

Wer einen ihm zugewiesenen Zusatzjob ohne wichtigen Grund nicht aufnimmt oder fortführt oder deren Anbahnung durch sein Verhalten verhindert, der wird nach § 31 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2, § 31a SGB II sanktioniert, das heißt, die Zahlung des Arbeitslosengeldes II wird in der Höhe um mindestens 30 % gekürzt.„, lautet es im vorletzten Absatz eines Informationsblattes, das vom Arbeitsamt an zukünftige Ein-Euro-Jobber ausgehändigt wird.a Dass eine nennenswerte Anzahl von unfreiwillig Langzeitarbeitslosen sich hartnäckig weigert, fünf Stunden tägliche gemeinnützige Arbeit zu verrichten, ist jedoch unwahrscheinlich. Bei einem Regelsatz von 364 Euro, der jedem Sozialhilfeempfänger zum Lebensunterhalt zur Verfügung steht, können es sich nur die Wenigsten leisten, auf die zusätzlichen 150 Euro zu verzichten und Kürzungen in Kauf zu nehmen. Im Frankfurter Arbeitsamt herrscht sogar ein spürbarer Mangel an zu vergebenden Ein-Euro-Stellen und die PAPs (die „Persönlichen Ansprechpartner“) haben keine Mühe die – an der Masse der in Frage kommenden Menschen gemessen – wenigen freien Stellen zu vergeben. Man muss sich regelrecht bewerben, um eine sog. „Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung (AGH-MAE)“ zu ergattern.
„Die Zusatzjobs sollen Arbeitslose wieder an den Rhythmus des Arbeitstages und die Erwartungen des Arbeitsmarkts an ein gewisses Maß an Arbeitsdisziplin gewöhnen und so die Verwertbarkeit der Arbeitskräfte für Arbeitgeber wieder herstellen. Hierdurch sollen die betreffenden Personen für eine Einstellung auf dem ersten Arbeitsmarkt wieder attraktiver gemacht werden“, vermeldet das schon zitierte Informationsblatt und auf einer diesbezüglichen Page des Arbeitsamtes steht des Weiteren: „Die Zusatzjobs mit Mehraufwandsentschädigung müssen zusätzlich sein, im öffentlichen Interesse liegen und wettbewerbsneutral sein… Arbeiten sind wettbewerbsneutral, wenn durch sie eine Beeinträchtigung der Wirtschaft als Folge der Förderung nicht zu befürchten ist und Erwerbstätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt weder verdrängt noch in ihrer Entstehung verhindert wird“.
Als ich meinen PAP, meine Sachbearbeiterin, um einen solchen „Zusatzjob“ gebeten habe, waren mir diese hehren Ansinnen des Arbeitsamtes egal, ebenso wie mir die permanent betonte „Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt“ egal war. Auf den „ersten Arbeitsmarkt“ wollte ich nämlich gar nicht zurück. Ich war arbeitslos, ergo von Arbeitslosengeld abhängig, kam mit dem äußerst knapp bemessenen Geld nicht zurecht und hatte keine Lust mich erneut in der Fabrik zuschanden richten zu lassen. Ich hielt einen Ein-Euro-Job für eine gute Gelegenheit, ohne die marktübliche Arbeitshetze an ein paar zusätzliche Euros heranzukommen.1

Der Auftakt zu meiner Beschäftigung als Ein-Euro-Jobber war schlecht. Nach einem völlig sinnlosen „Seminar“, bei dem mir und dem restlichen gelangweilten Publikum nur allzu Wohlbekanntes mitgeteilt wurde (nämlich die schon angerissenen, den Ein-Euro-Jobs zugrunde liegenden gesetzlichen Bestimmungen), saß ich in einem Büro einer Sachbearbeiterin der „Werkstatt Frankfurt e.V.“, einem „Arbeitsmarktdienstleister“ und „Unternehmen der Sozialwirtschaft“, das – nach eigenen Angaben – jährlich mehr als 3000 „Arbeitssuchende qualifiziert… und auf den ersten Arbeitsmarkt vorbereitet“. Diese Sachbearbeiterin, die sich keine Mühe gab, ihren Ekel (vor was auch immer. Mit dem Hinweis „ich will mir nicht permanent die Hände waschen müssen“, verweigerte sie mir den Händedruck zur Begrüßung) zu verbergen, vermittelte mir nach einer kurzen Unterhaltung über meine arbeitsbezogenen Vorlieben und Interessen, einen Job als Platzwart auf einem Tennisplatz, der von einem Sportverein in Unterliederbach – einer, wie ich bald feststellen musste, z. T. sehr wohlhabenden Gegend im Frankfurter Westen, die u. a. von prominenten Fußballspielern, Managern und Politikerinnen und Politikern wegen des nahen Taunus bewohnt wird – betrieben wurde. Nach ihrer Aussage sollte ich dort den Rasen mähen, Hecken schneiden und jeden Morgen den „Platz abziehen“ – also das mit rotem Schotter bedeckte Spielfeld mit einem großen Netz im Schlepptau von den Spuren des vorherigen Spieltages bereinigen. Eine einfache Aufgabe, wie ich fand, und in entsprechend gelassener Stimmung tauchte ich am darauf folgenden Montag in der Werkstatt des Sportplatzes auf. Sieben Uhr morgens. Die anderen Kollegen waren schon anwesend. Der Vorarbeiter Ziggy, ein 55-jähriger, stämmiger Kerl aus Ex-Jugoslawien, korpulent, im Blaumann gekleidet, mit glasigen Schweinsaugen und verschwitzter Halbglatze, begrüßte mich freundlich. Die vier anderen Ein-Euro-Jobber nahmen von mir fast keine Notiz und gaben sich wortkarg und mürrisch. Allesamt proletarische und subproletarische Archetypen, wie man sie an jeder Trinkhalle antrifft. Ich wunderte mich zunächst, wie wir zu sechst einen Sportplatz abziehen, Hecken schneiden und Rasen mähen sollten. Da würde bald nicht viel Arbeit übrig bleiben für uns alle, argwöhnte ich innerlich und richtete mich auf langweilige Stunden ein. Entgegen meiner Erwartung, war die Abzieherei jedoch eine ziemliche Schinderei. Zwei Stunden arbeiteten wir unter der Sommersonne, bis die 14 Spielfelder für die Clubmitglieder (die pünktlich um 10 Uhr im Sportdress aus ihren Limousinen stiegen) bereit standen. Danach, wie auch an jedem anderen Tag den ich dort verbracht habe, fuhren wir mit Schubkarren umher, schaufelten Kies, schleppten Steine und bedienten eine Motorwalze. Wir legten einen neuen Gehweg an, der aus mir nicht ersichtlichen Gründen zwischen den einzelnen Spielfeldern benötigt wurde. Weil der Vorarbeiter Ziggy und alle anderen in der Kolonne offensichtlich keine Ahnung hatten, wie man einen Gehweg anlegt, wurde unsere Arbeitskraft meistens sinnlos vernutzt. Der Lasterfahrer lud das bestellte Baumaterial an der falschen Stelle ab, sodass wir den gesamten Schotter, Steine und Sand mit Schubkarren circa zweihundert Meter an seinen eigentlichen Bestimmungsort befördern mussten. Danach verteilten wir in tagelanger Arbeit den Kies in das zuvor von uns mit Spaten und Schippen ausgehobene Gehwegbett2, bis Ziggy feststellte, dass sich die wenige Zentimeter großen Steine auf dem harten Untergrund nicht festtraten und wir den eben für diesen Zweck mitbestellten Sand unter den Kies bringen mussten. Also die ganze Veranstaltung retour.
Ich war schnell frustriert und habe bald darüber nachgedacht, die Sache hinzuschmeißen und eine Kürzung meiner Bezüge in Kauf zu nehmen, denn nicht nur die sinnlose Arbeit war quälend. Ziggy und die Ein-Euro-Jobber-Brigade waren wirklich keine angenehme Gesellschaft. Der Vorarbeiter – der im Übrigen auch der Einzige war, der vom Tennisclub mit einem regulären Gehalt bezahlt wurde – nervte permanent mit Sexismus und Arbeitshetze. Wie schnell mitzubekommen war, hatte Ziggy seit seinem fünfzehnten Lebensjahr als sog. „Vertragsarbeiter“ im gesamten sozialistischen Teil der Erde auf Großbaustellen gearbeitet, bevor er wegen einem Job nach Frankfurt kam, sich dort endgültig niederließ und heiratete. Er erzählte ständig anzügliche Geschichten aus den Bordellen dieser Welt. Einmal, während ich Kies ins Gehwegbett schippte, stellte er sich neben mich und schwadronierte von Asien, der dortigen Baustelle, den Arbeiten die er damals verrichten musste und den Kinderprostituierten, die er und seine Kollegen allabendlich aufsuchten. Er formte Zeigefinger und Daumen zu einem kleinen Kreis, lachte und sagte dazu: „so klein war ihre Muschi, ich bin mit meinem Schwanz gar nicht rein gekommen“.
Bei jeder Pause, die ich einlegte, fing er an von Heizkörpern und Zementsäcken, die er in meinem Alter geschleppt haben will, zu erzählen, während die anderen höhnisch grinsten. Ich wurde auf dem Tennisplatz bald nur noch „Student“ genannt.
Während Ziggy seine dummen Sprüche und Witze machte, den proletarischen Musterarbeiter heraushängen ließ und mich zur Arbeit antrieb, fügte sich der Rest der Truppe ohne zu klagen. Seine Untergebenen multiplizierten den vorhandenen Druck sogar freiwillig, indem sie die unausgesprochene Hierarchie, die Ziggy mit seinem lautstarken Auftreten initiierte, selbsttätig nach unten fortsetzten. Die beste Schaufel bekam nur der fleißigste Schaufler, den Rasen bewässern durfte nur derjenige, der immer pünktlich war, der kleine Traktor und die Motorwalze durften nur von demjenigen gefahren werden, der freiwillig Überstunden machte und auf dem Sitz des großen, neuen Traktor durfte sowieso nur Ziggy Platz nehmen. Warum ich die Kettensäge und den elektrischen Heckenschneider nicht bedienen durfte und stattdessen den anderen hinterher fegen musste, habe ich inzwischen vergessen. Weil ich nicht bereit war, schon morgens um Acht Bier zu trinken, stand schnell mein Status als „echter Mann“ in Frage. Eine einzige Drangsal.
Hätte es nicht die Betreiber und Mitglieder dieses Tennisclubs gegeben, ich wäre auf meiner sich schlagartig entwickelnden exklusiven Wut auf das Subproletariat sitzen geblieben. Die Tennis spielenden Bonzen verschafften mir aber bereitwillig die Gelegenheit, nicht nur Ziggy und seine Untergebenen zu verachten, sondern auch sie. Sie residierten in ihrem feinen Clubhaus, in ihrem feinen Unterliederbach, parkten mit ihren großen Limousinen auf dem Parkplatz des Clubhauses, grüßten mich gönnerisch wie einen Boy, waren allesamt reich und ohne materielle Sorgen und scheuten sich nicht, unsere kostenlos zur Verfügung stehende Arbeitskraft für die Pflege und den Ausbau ihres Vereinsgeländes zu vernutzen. Wie einer der anderen Brigademitglieder mir mitteilte, betrieben sie das ganze Areal schon seit Jahren mit Ziggy und Ein-Euro-Jobbern. Seitdem das neue Gesetz und die durch das „e.V.“ hinter ihrem Clubnamen verbürgte Gemeinnützigkeit sie dazu berechtigte. Zuvor hatte der Verein mehrere Angestellte, die allesamt gekündigt worden waren, nachdem irgendeinem der Dreh mit Biligstarbeiter Ziggy, dem SGB II3 und Unseresgleichen eingefallen ist. Diese Leute hatten auch keine Scham, uns ganz direkt auszubeuten. Ich war zweimal mit einem Kollegen auf dem kameraüberwachten Privatgrundstück eines Clubmitglieds in Unterliederbach und habe in Schwindel erregender Höhe und unter den wachsamen Augen einer um ein sauberes Eigenheim bemühten Ehefrau Dachrinnen von Laub befreit. Ziggy bekam dafür einen Kasten Bier und wir beiden Ein-Euro-Jobber durften eine Stunde früher nach Hause gehen.
Einer von diesen Unterliederbacher Amigos (ein Vorstandsmitglied der ******-AG) besuchte uns eines Tages morgens vor Arbeitsbeginn in der Werkstatt, um irgendetwas mit Ziggy zu besprechen. „Na Männer, alles klar bei euch?“, grüßte er in die stillschweigende Runde. Ziggy, in offensichtlich guter Laune und zu Frotzeleien aufgelegt, zeigte mit dem Finger prompt auf mich und antwortete: „Nein, gar nichts ist klar. Der ist heute wieder sieben Minuten zu spät gekommen“.4 Der Höchst-Mann schaute aus seinem weißen Kragen auf mich herab und bemerkte belustigt: „Wann würde der junge Mann denn gerne zur Arbeit kommen, wann hat er denn ausgeschlafen“, nur um sich danach und ohne meine Antwort abzuwarten wieder mit Ziggy zu unterhalten. Der schickte uns bald aus dem Raum zum allmorgendlichen Platzabziehen. Während ich mein Arbeitswerkzeug zusammenpackte, hörte ich noch etwas von „…Kasten Bier… wie immer“ und „wann kommt ihr…“. Nach diesem Erlebnis habe ich Ziggy mitgeteilt dass ich nicht mehr auf dem Privatgelände von solchen Leuten arbeiten werde und insofern er das nicht akzeptiere, petzen gehe beim Arbeitsamt. Ziggy hatte verstanden und war einverstanden, aber der Erfüllung meines Wunsches, den Traktor fahren zu dürfen, war meine Drohung nicht zuträglich.

Ein-Euro-Jobber sind in den allermeisten Fällen zu alte, zu dumme, zu exzentrische, oder aus anderen Gründen nicht marktkonforme, ergo chronisch unvermittelbare Langzeitarbeitslose, oder Leute, die sich in die Berufsunfähigkeit gearbeitet und/oder gesoffen haben. Das Gerede von „Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt“ ist eine Lüge, die jeder leicht als Lüge erkennen kann, der sich die betreffenden Verhältnisse auch nur eine halbe Stunde anguckt.5 Auf dem Tennisplatz habe ich einen trockenen Alkoholiker, einen Fabrikkrüppel mit kaputtem Arm, einen älteren Italiener mit schlechten Deutschkenntnissen und einen 45jährigen Deutschrussen kennen gelernt. Dieser Deutschrusse, Ernst hieß er, war außer Ziggy der Einzige, der ab und zu etwas aus seinem Leben erzählte. Er hat 30 Jahre als gelernter Traktorist in Sibirien verbracht und nachdem die landwirtschaftliche Produktgenossenschaft, in der er von seinem 14. Lebensjahr an beschäftigt war, geschlossen worden ist, bis kurz vor seiner Emigration nach Deutschland auf einem Friedhof Gräber in den gefrorenen sibirischen Boden gesprengt. Eine Knochenarbeit bei 40 Grad Minus, die er nach eigener Aussage nur mit zwei Kilo Fleisch und einer Flasche Wodka pro Tag aushielt. Nachdem seine Frau ihn verlassen hatte und zurück nach Russland gegangen war, lebte er alleine mit seiner 16jährigen Tochter. Die saß nach dem Hauptschulabschluss nur noch in der Wohnung und weigerte sich nach 40 ergebnislosen Bewerbungsschreiben weiter nach Arbeit zu suchen. Deswegen hatte er einige „häusliche Probleme“ mit ihr und war an einem der vielen Tage, die ich mit ihm auf dem Tennisplatz verbracht habe, sichtlich verzweifelt. Eine Sachbearbeiterin des Jugendamtes hatte ihn Vortags aufgesucht und Vorhaltungen wegen seiner Erziehungsmethoden gemacht. Sie drohte mit der Polizei. Er berichtete davon und fragte in seiner Ratlosigkeit: „Wie soll ich meine Tochter dazu bringen, arbeiten zu gehen, wenn ich sie nicht verprügeln darf? Sie sieht doch jeden Tag, was ich machen muss“. Das war einer der wenigen wahren Sätze, die ich in Unterliederbach zu hören bekommen habe.
Wenige Tage nach dem Gespräch kam Ernst nicht mehr zur Arbeit. Er war ansonsten immer pünktlich, machte sogar freiwillig Überstunden und war deswegen der einzige, der den kleinen Traktor fahren durfte. Morgens in der Werkstatt, vor dem Arbeitsbeginn, befragte ich Ziggy nach dem Verbleib des Kollegen. Auf seinem Frühstück herumkauend, teilte der mir wortkarg mit, dass Ernst „kaputt“ sei. „Der liegt im Krankenhaus, weil er einen Hirnschlag hatte. Kann nicht mehr sprechen und laufen… den siehst du nie wieder“, ergänzte einer der anderen. Damit war für diese abgestumpften Typen das Thema beendet.

Nach drei Monaten habe ich beschlossen, den Kram hinzuschmeißen. An meinem letzten Tag habe ich den Platz bewässert. Ich durfte diese einfache Tätigkeit nur deswegen verrichten, weil Ernst nicht mehr da war. Ziggy und ich arbeiteten gemeinsam Rücken an Rücken auf Platz Eins, direkt vor der Terrasse des großen Clubhauses, auf der schon einige Gäste unter den Sonnenschirmen Platz genommen hatten und Cola tranken. Er winkte gelegentlich zu ihnen herüber und machte lauthals harmlose Scherze, während wir beide mit Schläuchen auf dem Platz standen und den roten Schotter besprengten. Irgendwann hörte ich ihn stöhnen. Er röchelte regelrecht und bat mich im Flüsterton, zu ihm zu kommen. Er hing in einer seltsam gekrümmten Haltung über dem Hydrant, an dem er Sekunden zuvor noch herumgeschraubt hatte, um den Wasserdruck zu erhöhen. Er bat mich darum, ihn in seinem hilflosen Zustand mit meinem Körper vor den neugierigen Blicken der Clubgäste auf der Terrasse abzuschirmen. „Die dürfen mich so nicht sehen, sonst habe ich den Job nicht mehr lange.“ Langsam begriff ich: Auf den Baustellen dieser Welt hatte er sich das Rückgrat kaputt gemacht. Mit diesem Rückenschaden kann er nicht einmal mehr einen Eimer Sand hochheben. Nach mehreren Operationen ist er nur noch unter starken Medikamenten arbeitsfähig. Seitdem er auf dem Tennisplatz für einen Niedriglohn den Hausmeister mimt, kann er sich die für die Behandlung notwendigen Spritzen nicht mehr leisten.6 Seine Starke-Mann-Attitüde, die Sexgeschichten, die permanenten Arbeitskommandos, also der komplette lautstarke Arschlochauftritt, ist eine reine Fassade, mit der er sich vor der Entlarvung als Arbeitsinvalide zu bewahren sucht und nicht nur auf diese Weise das Letzte, was er im Leben noch zu bieten hat. Wir Ein-Euro-Jobber waren, oder sind, seine Versicherung, sein einziges Werkzeug, nützliche Gegenstände, die ihn im Arbeitsleben halten. Die Handgriffe, die er nicht mehr erledigen kann, erledigen wir und er muss uns dazu antreiben.
Was Ziggy zum Krüppel und die Anderen wortlosen und stumpf gemacht hat b, ist dasjenige gesellschaftliche Verhältnis, in dem das Proletariat als bloße Summe von Arbeitskraftbehältern tagtäglich in die knochenbrecherische Entfremdung der Lohnarbeit gepresst wird, ohne dass einem bei diesem alltäglichen Prozess die Zeit bliebe, sich über dieses unvernünftige Verhältnis Gedanken zu machen. Der Kapitalismus: Ein System in dem die Menschen von Dingen beherrscht werden, in dem sie sich gegenseitig zu Dingen machen müssen, um zu funktionieren, d.h. zu leben und darüber selber tendenziell zu wortlosen Dingen werden.

Anmerkungen:
1. Inwieweit das angesprochene Thema der Ein-Euro-Jobs in Frankfurt a. M. aktuell noch relevant ist, weiß ich nicht. Meine Teilnahme an dieser Maßnahme liegt drei Jahre zurück. Bei meiner letzten Unterredung mit der für mich zuständigen Sachbearbeiterin, wurde mir mitgeteilt, dass die Gelder für diese Maßnahmen gekürzt worden seien, weil sich viele der Tätigkeiten, die im Rahmen des § 16 Abs. 3 SGB II vermittelt worden sind, als wenig sinnhaft, also arbeitsplatzfördernd erwiesen haben. Ob die von Staatswegen her organisierte Disziplinierungs- und Zwangsmaßnahmen gegen die Überflüssigen als Ein-Euro-Job, oder in veränderter Form, bis heute fortgesetzt werden, ist für diesen Artikel aber nicht von Belang. Schließlich geht es lediglich darum, anhand eines kleinen konkreten Beispiels, die im Sinne des Kapitals und seiner Charaktermasken geformte Arbeitslosenverwaltung und die von ihr entscheidend mitgeprägte proletarische Lebensrealität zu charakterisieren und damit zu denunzieren. Dieser Text wurde nicht als Agitation für eine Reform des Arbeitslosenverwaltung geschrieben und er thematisiert auch nicht ausschließlich die (vermeintliche) Sinnlosigkeit von Ein-Euro-Jobs. Dieser Text ist eine revolutionär motivierte Madigmachung des Bestehenden. Material für eine entsprechende Madigmachung findet sich aber nicht nur an Orten, wo Ein-Euro-Jobber für jeden klar ersichtlich zum Narren gehalten und ausgebeutet werden, sondern überall dort, wo Menschen unter multiplen Peinigungen lebenslang den Rücken krumm machen müssen für das Kapital!
2. Ein reiner Irrsinn. Nicht die kleinste Grube wird heute noch mit der Hand ausgehoben. Auf dem Bau – wir arbeiteten schließlich auf einer regelrechten Baustelle – wird jede Grube mit einem Caterpillar oder einem Bobcat ausgehoben. Für die Arbeit, die mit einem dieser Geräte in zwei Stunden erledigt ist, benötigten wir mit Spaten und Schaufel vier Tage. Ein Bobcat z.B. kann man für 100 Euro pro Tag mieten, ebenso einen Laster, eine kleine selbst fahrende Dampfwalze, einen Presslufthammer, etc. Die Straßenarbeiter, die zufällig in Sichtweite auf einer Baustelle arbeiteten, haben uns nicht nur einmal in ihrer Mittagspause mitleidig zugeschaut, mit dem Kopf geschüttelt und dumme Witze herüber gerufen.
3. Eben das Gesetz, das die Ein-Euro-Jobs regelt und seit dem 1. Januar 2005 in Kraft ist.
4. Die 7 Minuten-Zuspätkommerei war wochenlang ein Streitthema zwischen mir und Ziggy. Ich kam regelmäßig genau 7 Minuten zu spät. Meine Zugverbindungen lagen genau so, das ich entweder einen Zug früher nehmen konnte, um dann 20 Minuten zu früh vor der verschlossenen Werkstatt zu stehen, also zum Arbeitsbeginn pünktlich, oder eben sieben Minuten zu spät. Allerdings ist diese gehässige Pingeligkeit nicht auf Ziggys Mist gewachsen. Die Sachbearbeiterin von der Frankfurter Werkstatt rief regelmäßig in der Werkstatt an und verbreitete Arbeitspropaganda und ängstigte Ziggy mit dem Entzug von uns Ein-Euro-Jobbern. Warum er vor dem Verlust unserer Arbeitskraft so eine Heidenangst hatte, habe ich erst später begriffen und das wird im letzten Absatz auch noch Thema sein.
5. Dies war nicht der einzige Ein-Euro-Job, den ich gemacht habe. Zwei Jahre zuvor habe ich 10 Monate an einem besseren Ort gearbeitet, wo die Verhältnisse von der Vereinsleitung freundlicher eingerichtet worden waren. Ich habe also ein wenig Erfahrung mit den Verhältnissen, die durch das SGB II ermöglicht worden sind. Die Leute, die dort arbeiteten, waren ebenfalls zur Lohnarbeit völlig untaugliche, von der Arbeitswelt und damit von der Gesellschaft ausgespieene Menschen. An eine Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt war bei keiner und keinem von ihnen zu denken.
6. Seine Medikamente sind mit der Arzneimittelreform 2001 – wie viele andere sinnvolle und lebenswichtige Medikamente – von der Verschreibbarkeitsliste gestrichen worden, sodass Menschen wie Ziggy das sie Erhaltende selber zahlen müssen. In seinem Fall waren das 300 Euro monatlich, die er schon lange nicht mehr aufbringen kann, wie er mir erzählte.

Leseempfehlungen:
a. Wer glaubt, die gehässige Idee, Lohnarbeitslose, also für die Kapitalakkumulation größtenteils Überflüssige, permanent auf Trab und damit zu allem bereit halten zu müssen, indem man sie unter materiellem Mangel und direktem Arbeitszwang hält, wäre eine „unmoralische“ Idee des „Spätkapitalismus“, die erst nach der Zeit des prosperierenden Fordismus in den Hirnen der volksverräterischen Politiker aufgekommen ist, sei auf folgende Zeilen aus dem Kapital hingewiesen, in denen K. Marx einen damals schon toten (der von ihm zitierte und kommentierte Diskussionsbeitrag stammt von 1734!) englischen Regierungsbeamten zitierte, der sich damals über die mangelnde Arbeitsmoral des Proletariats mokierte: „Daß die Menschheit im allgemeinen von Natur zur Bequemlichkeit und Trägheit neigt, davon machen wir die fatale Erfahrung im Betragen unseres Manufakturpöbels, der durchschnittlich nicht über vier Tage die Woche arbeitet, ausser im Falle einer Teuerung der Lebensmittel… Da aber der Arbeitslohn in diesem Königreich viel höher steht, verglichen mit dem Preis der Lebensmittel, so besitzt der Manufakturarbeiter, der vier Tage arbeitet, einen Geldüberschuß, womit er den Rest der Woche müßig lebt… ich hoffe ich habe genug gesagt, um klarzumachen, daß mäßige Arbeit während 6 Tagen in der Woche keine Sklaverei ist“. Der Verfasser dieser um die Arbeitsmoral des Proletariats und damit um das Wohl des Kapitals besorgten Zeilen hatte auch eine Lösung, die nicht von ungefähr stark an das heutige Arbeitsamt und seine Maßnahmen erinnert. Marx erläutert weiter, den Engländer zitierend: „Zu diesem Zwecke, wie zur „Ausrottung der Faulenzerei, Ausschweifung und romantischen Freiheitsduselei“, ditto „zur Minderung der Armentaxe, Förderung des Geistes der Industrie und Herabdrückung des Arbeitspreises in den Manufakturen“, schlägt unser treuer Eckhardt des Kapitals das probate Mittel vor, solche Arbeiter, die der öffentlichen Wohltätigkeit anheimfallen, in einem Wort, Paupers, einzusperren in ein „ideales Arbeitshaus“ (an ideal workhouse). „Ein solches Haus muß zu einem Hause des Schreckens (House of Terror) gemacht werden“.
Man ändere nur den Wortlaut und behalte den Inhalt bei, und man merkt, wie sich die Argumente und Denkfiguren mit den Inhalten aktueller Arbeitsmarktdebatten zu 100% decken. 280 Jahre ist das her! Fürwahr, Marx hat einen entscheidenden Text zitiert und einen der wichtigsten Ideologiestränge innerhalb des gesellschaftlichen Gesprächs über Lohnarbeitslose entlarvt. Ein Stichwort aus unserer Zeit wäre das oft genannte sogenannte „Abstandsgebot“. Das reine Verwertungsinteresse des Kapitals spricht aus diesen mitleidlosen Zeilen ebenso deutlich, wie aus den Merkblättern und Richtlinien des heutigen Arbeitsamtes! Alles nachzulesen in MEW 23, Seite 291 – 293.
b. Der Autor eines sehr klugen und unbedingt lesenswerten biographischen Buches, beschreibt die unbedingte Notwendigkeit zur Abstumpfung und individuellen Anpassung der proletarischen Subjekte an wirklich jede Lage u. A. folgendermaßen: „Am Abend nimmt er einen Traum mit in den Schlaf, um am Morgen darauf wieder grausam nüchtern zu erwachen, die Gewissheit immer tiefer, die Verzweiflung näher. Zuerst hofft er auf das Ende von drei Tagen, dann auf das Ende von drei Wochen, vielleicht ist er stark genug, das Ende von drei Monaten, vielleicht sogar von drei Jahren zu erhoffen. In den meisten siegt am Ende der Alltag: Sie richten sich im Elend häuslich ein, werden Gefangene aus Gewohnheit. Wehe aber dem, dessen Hoffnung stärker ist als drei Jahre Wartens, dem Grau grau bleibt, der gezwungen ist, wach zu bleiben und zu erkennen, daß er für immer und ewig gefangen ist. Er spürt, wie die Verzweiflung endlich das Herz erreicht. Wie dröhnende Tropfen folgen sich ihm die Morgen und treiben ihm die Gewißheit mit Hammerschlägen in das Gehirn“. Georg K. Glaser, „Geheimnis und Gewalt“, Seite 197.

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Etwas über das Proletariat

Zur Metafysik der Klasse

Von Jörg Finkenberger

Es sind ungefähr eineinhalb Jahrhunderte vergangen, seit der Satz geschrieben worden ist, dass die Befreiung der Arbeiterklasse nur das Werk der Arbeiterklasse selbst sein kann, und die Zeit seither war nicht gerade angetan dazu, einen besonders klaren Kommentar zu diesem Satz abzugeben. Es ist also nicht zu erwarten, dass man ihn heute besser versteht als damals, oder auch nur etwa genauso schlecht.

1. Ich bin die Debatten über das Proletariat leid, nicht nur, weil sie seit Jahrzehnten die selben sind, ohne dass dabei etwas gelernt worden wäre; oder weil alle, die dazu etwas zu sagen hätten, die Debatte für erledigt halten, und vor allem die sie betreiben, die dazu nicht so viel zu sagen haben; oder weil alle paar Jahre die eine oder die andere der beiden möglichen und falschen Antworten mit grossem Aufwand und noch grösserer Wirkung für ein stets und unfehlbar tief beeindrucktes Publikum neu aufgelegt werden wird. Ich kann die Debatte vor allem deswegen nicht ertragen, weil sie immer und anscheinend naturgesetzlich völlig falsch geführt wird; wie es das Schicksal aller sog. Debatten zu sein scheint.

Wenn Theorie die Warenform des Begriffes ist, sind Debatten ihr Warentausch; nur dass niemand dabei reicher wird. Es geht auch nicht darum; wir Linken sind genügsam; es geht darum, im Vergleich nicht ganz so arm auszusehen wie die Konkurrenz.

Partei A etwa „bezieht sich positiv auf das Proletariat“, wie ihr Partei B nachsagt; was ein Kunststück sein dürfte, das niemand der Partei A nachmachen möchte. Es erinnert an die Fähigkeit, seinen Kopf in den eigenen Arsch zu stecken. Umgekehrt versichert Partei A, Partei B habe „sich vom Proletariat verabschiedet“, was wiederum ein unerwarteter beruflicher Aufstieg ist, den man der Partei B kaum zugetraut hätte. Wenn man beide Parteien kennt, oder wenigstens den Rumpf davon, der einen unerwarteten beruflichen Aufstieg nicht erfahren hat, und deswegen immer noch ohne Bezahlung schreibt; dann scheint die Absurdität des Streits darin zu liegen, wer da mit wem streitet.

Das täuscht aber, die in Wahrheit liegt die Absurdität ganz woanders. Sehen wir genau zu; wir werden sehen, dass sie nicht bei die streitenden Parteien selbst liegt, die übrigens immer jeweils andere sein werden, sondern beim Gegenstand selbst; dem „Proletariat“, was auch immer das sein soll, und vielleicht kommt uns dann eine Idee oder auch zwei über die streitenden Parteien und warum sie tun, was sie tun.

2.
Das Proletariat ist, versichert uns Marx, ist die Klasse, welche die Auflösung aller Klassen selbst schon ist; diejenige, an der alle positiven Prinzipien dieser Gesellschaft als ihr eigenes Gegenteil erscheinen: die Freiheit als Zwang, das Eigentum als Armut etc.; diejenige Klasse, die als einziges zur Klasse des Bewusstseins werden könnte, diejenige, die alleine zur rächenden Klasse werden könnte; zur Klasse der Negation, zur destruktiven Partei. Unsere heutigen Nachfolger des Situationisten etwa haben, in ihrer Zeit, die ihnen viel Grund zur Hoffnung nicht zu bieten schien, einmal solche Worte in den Schriften von Marx gefunden, und hofften dann, die tatsächlich erstaunliche Renitenz dieser Worte gegen die eingerichtete und ausgeübte akademische Marxologie wie gegen die traditionelle konterrevolutionäre Linke selbst wenden zu können.

Aber das Proletariat hat seine Schlachten geschlagen und verloren; in der spanischen Revolution ist es untergegangen, und alles Gerede der Situationsten von der Wiederkehr der Colonna Durutti beweist, dass sie es selbst wissen, auch wo sie es nicht wissen. Nach Guernica kam ja Auschwitz, und es ist mir in der Tat völlig unmöglich, zu verstehen, wie man glauben kann, dass das nicht alles ändere.

Gerade die Situationisten können das unmöglich übersehen haben. Gegen die Barbarei des 1. Weltkrieges hatten sich radikale Bewegungen gebildet, zu deren Haupströmen in der Kunst Dada und später der Surrealismus gehörte; von diesen leiten sich, mit grossen begrifflichen Aufwand, die Situationisten her. Aber dort, wo diese selbst entstanden sind: in der Zeit unmittelbar nach 1945, dort gab es nichts, was sich mit der Lage 1918 vergleichen liesse. Dada Berlin hatte den revolutionären Flügel der Rätebewegung, und Spartakus, an den es sich anschloss; noch die Surrealisten sahen eine Revolution, in deren Dienste sie die Poesie stellen wollten; nach 1945 sah niemand etwas dergleichen. Die Klasse? Das revolutionäre, das rächende Proletariat? In Europa war davon keine Spur, und erst in Deutschland! Man muss einmal die Stellungnahmen der deutschen Sektion, die aus der Situationistischen Internationale ausgeschlossen wurde, weil sie vom Proletariat nichts mehr wissen wollte, lesen: kopfschüttelnd erzählen sie ihren auswärtigen Genossen, dass Streiks hierzulande etwas sind, wo es Bratwurst und Blasmusik gibt. Das ist übrigens heute nicht mehr so. Heute gibt es Leberkässemmeln.

1918 kam die Revolution und Dada; 1945 nichts dergleichen; und man soll einer revolutionären Avantgardebewegung abnehmen, sie hätte das nicht bemerkt? Aber was für Schlüsse hat sie daraus gezogen? Genau keine, sie hat, im Gegenteil, krampfhaft so getan, als wäre immer noch 1918, und als wäre nicht passiert, was offensichtlich doch passiert war. Etwas, das den Begriff der Klasse in Frage stellen könnte.

3
Denn, so erklären uns die Nachfolger der kritischen Theorie, das Proletariat ist in seinen Niederlagen tatsächlich untergegangen; seine Zustimmung zum 1. Weltkrieg war schon ein Zeichen dafür, dass es mit der Klasse des Bewusstseins nichts werden würde; dass die Klasse schon verkommen war, bevor sie die Chance zu ihrer geschichtlichen Aktion gehabt hätte. Denn, und man vergisst es, es ist etwas prekäres im Begriff der Klasse schon immer gewesen; sie ist zuletzt nichts anderes als die Bestimmung der Menschen als Arbeitskraft, ihre Bestimmung zum Produktionsprozess. Und insoweit handelt es sich bei dem, was unter der Klasse zu denken ist, zunächst um einen Kapitalbestandteil. Und wo dieser Bestimmung nicht gewaltsam und mit Erfolg entgegengearbeitet wird, setzt sie sich durch; und die sogenannte Autonomie des Proletariats wird zuletzt auf nichts hinauslaufen, als den Zweck des Kapitals selbst, ohne eine eigene Managerschicht, und in eigener Leitung zu organisieren. (1)

Die Aufsaugung der Klasse in den Gesamtprozess war im Kapitalverhältnis aber schon angelegt; ihre Durchführung bedurfte der politischen Tat. Nun sind selbst die antileninistischsten Linken sehr gerne geneigt, die „Volksgemeinschaft“ für genau die Propagandalüge der Nazis zu halten, für die die KPD sie damals ausgeschrieen hat; anstatt, was sie war, an ihren wirklichen Folgen zu untersuchen.

Und diese Folgen sind auf Deutschland nicht beschränkt. Sie affizieren den Begriff der Klasse auf unterschiedliche Weise in allen Weltgegenden. Deutschland unter Hitler ist ein historisches Beispiel, das jedem Regime zum Vorbild dienen wird, was das Verhältnis von Staatsgewalt zur Arbeitskraft betrifft, das Verhältnis von Zustimmung zu Massenmord, und deren Identität. Die Menschheit, vertreten durch die Alliierten bzw. Vereinten Nationen, hat nach 1945 ausser der Gründung Israels keinerlei Konsequenzen daraus gezogen. Das historische Beispiel ist unwiderrufen in der Welt, das heisst es ist wirksam und wird wirksam bleiben. Der Nationalsozialismus hat die Welt so eingerichtet, dass nirgendwo Gründe zu sehen sind, warum Auschwitz sich nicht wiederholen könne.

4
Die Klasse aber hätte, wenn sie denn sein soll, was man will, dass sie sei, die Stellvertreterin der Menschheit zu sein; die derzeit, zerspalten in Klassen und Staaten, nicht existiert, bzw. nur in dieser Zersplitterung, Unterjochung und Zerrissenheit existiert. Wenn man ihr die Bestimmung beilegt, die Marx ihr in den erwähnten Worten gibt, wäre sie der historische Punkt, von dem aus die Überwindung von Knechtschaft und Elend überhaupt erst denkbar wäre; gleichzeitig aber, und das sollte bereits irritieren, selbst eine tiefe Degradation der Menschheit. Im Proletariat ist alle vorherige Knechtschaft ja nicht überwunden, sondern noch enthalten; die unvordenklich alte des Geschlechterverhältnisses; die Herrschaft des Kriegeradels über die Bauern, die in Form des Klientelismus überall noch zu finden ist; selbst das Kastenwesen verträgt sich sehr gut mit dem Leben unter dem Kapital. Das Proletariat ist die historische Form, auf die das Kapital die unterworfene Menschheit gebracht hat.

Proletariat ist zunächst die Kategorie, unter welcher wir subsumiert sind. Proletariat ist, auf diese Weise, Voraussetzung der Befreiung nur in der Weise, in der ein bestehendes Problem die Voraussetzung seiner Lösung ist; oder vielleicht auch in der Weise, in der die apriorische Existenz von Zahlen Voraussetzung des Rechnens ist, ohne dass dadurch in den Zahlen selbst die Existenz einer bestimmten Rechnung schon enthalten wäre. Sich positiv darauf zu beziehen, würde niemandem einfallen, ebensowenig wie sich davon zu verabschieden, nur weil die Rechnungen, die man durchführen muss, so wenig aufgehen wollen.

5
Vielleicht halten wir uns beim Begriff der rächenden Klasse etwas länger auf. Marx entwickelt ihn nicht aus der blauen Luft, sondern an einem konkreten Beispiel, das vielleicht nicht bekannt genug ist; ich meine, dass es einen wichtigen Schlüssel in die Hand gibt über die Art, in der Marx dachte, und diejenigen, die meinen, dass man von ihm lernen könnte, täten gut daran, es sich genau anzuschauen. Marx schreibt über die britische Eroberung Indiens.nach dem Aufstand von 1857.

Die Briten beendeten nach diesem Aufstand sowohl die Herrschaft der Moghuln als auch die indirekte Herrschaft der East India Company und nahmen Indien direkt als British Empire of India in Besitz. Sie unterwarfen das Land einer Folge von gewaltsamen Umwälzungen, mit fürchterlichen Folgen für die Bevölkerung; es gibt eine direkte Beziehung zwischen der Unterwerfung unter den Weltmarkt und den katastrofalen Hungersnöten der Jahrzehnte danach.(2) Marx nimmt die Vorgänge sehr genau wahr, aber er reagiert darauf ganz anders, als man es vielleicht denkt.

Er ist weit entfernt davon, die entsetzlichen Leiden zu ignorieren; aber ebenso weit davon entfernt, die britische Eroberung einfach zu verdammen. Nicht weil er, wie die sog. Marxisten-Leninisten es getan haben, dem Kapital einfach eine progressive Rolle zuschreibt, eine zivilisierende Mission (das wäre Rudyard Kipling); sondern die progressive Rolle besteht einfach darin, dass das Kapital, neben all seinen Untaten, den einzigen Gegner selbst hervorbringen könnte, der es abzuschaffen in der Lage wäre, wenn nämlich das Proletariat zur rächenden Klasse würde. Die Gewalten der alten indischen Gesellschaft sind gegenüber dem britischen Kapital wehrlos, also ist die Eroberung eine Tatsache; die indische Gesellschaft hat keine inneren Kräfte, die den fürchterlichen Zerstörungen, die das Eindringen des Weltmarktes verursacht, entgegenwirken könnten, also werden diese Zerstörungen eine Tatsache werden. Es gab keine Macht, die es verhindern könnte. Es gibt hier kaum Partei zu ergreifen; der Vorgang ist bewusstlos und gewalttätig wie eine Naturkatastrofe. Gegenüber einer solchen Geschichte bleibt nur übrig, Konsequenzen zu fordern; die Partei, die solche Konsequenzen durchzusetzen in der Lage wäre, wäre unsere. Ob es sie gibt, haben wir gesehen.

6
Die Klasse scheint aus all diesen Erwägungen immer nur als noch unbegreiflichere Chimäre hervorzugehen. Ihre Bestimmungen scheinen sich gegenseitig auszuschliessen. Fügen wir ihnen noch eine weitere hinzu.

Käme die Klasse wirklich zu sich, d.h. stürzte sie, was besteht, wirklich um, was hätte sie an dessen Stelle zu setzen? Nehmen wir die Analogie des Bürgertums, dann hätte sie an Stelle des Prinzips der alten Gesellschaft ihr eigenes zu setzen. Das Prinzip des Proletariats ist aber, wie wir gesehen haben, nach den Worten von Marx kein anderes als das der alten Gesellschaft selbst; es erscheint nur, was die Gesellschaft positives zu sein glaubt, als negatives an ihm. Das Proletariat wäre also die Negativität, das innere Prinzip der bürgerlichen Gesellschaft selbst. Den Aufwand einer Revolution, nur um das Prinzip durch das selbe Prinzip zu ersetzen, ist mir nicht zu erklären.

Die Klasse müsste vielmehr die Klassen aufheben, das heisst sich selbst als Klasse. Damit endet die faule Analogie mit der bürgerlichen Revolution, welche immer ein ganz anderes Ding gewesen ist. Die Revolution des Proletariats müsste eine gegen dagegen sein, als Proletariat leben zu müssen. Sein Prinzip wäre die Aufhebung des Proletariats. Was machen wir aus diesem verworrenen Verhau?

7
Das Wort hat eine Reihe von Bedeutungen, die, wie üblich, unvermischt und ungetrennt nebeneinanderstehen. Es ist nach der einen Seite eine soziologische Kategorie zur Bezeichnung einer oder mehrerer gesellschaftlicher Gruppen; sowie eine quasi ökonomische, nämlich einen Kostenpunkt der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung; und nach der anderen Seite eine filosofische, und zwar eine direkt metafysische. Beide Bedeutungen fallen niemals in eins, und werden erfahrungsgemäss sich nie ganz voneinander lösen.

Ein paar ganz geläufiger Sätze funktionieren nur, wenn das Wort der Reihe nach mehrere dieser Bedeutungen annimmt. Das Proletariat ist entweder revolutionär, oder es ist nicht; das heisst, dass die Klasse so, wie sie daliegt, nämlich rein als Kostenstelle oder als Haufen von Einzelmenschen, auf eine gewisse Art gar nicht da ist; erst wenn sie aufhört, einfach da zu liegen, und anfängt, aufzuhören, Proletariat zu sein, besteht sie als Proletariat. Ich wüsste nicht, wie die Existenz der obengenannten Debatte und die solcher beunruhigenden Eigenschaften des übrigens rein hyptothetischen Gegenstandes sich vertragen sollen. In einfacheren Worten, ich verstehe nicht, wie eine solche Debatte geführt werden kann, ausser, ich unterstelle Vorsatz.

8
Heute bestehen z.B. Arbeiterräte in Mahalla al Kubra und anderswo; und ich fürchte, man muss die Leute wieder einmal davon abhalten, gleich glänzende Augen zu bekommen. Solche Sachen bilden sich, wo viel gestreikt wird, aus Notwendigkeit, und was sie tun, wird so gut oder schlecht sein wie die Leute, die darinnen sind. Sind deswegen die Industriearbeiter der Kern der Revolution? Es geht nichts ohne sie, und es geht nichts durch sie alleine. Marcuse sprach einmal davon, dass die Studentenbewegung der 1960er zeige, wie die Industriearbeiterschaft alleine nicht mehr fähig sei, das universale Bewusstsein der Klasse zu haben. Was wäre dann heute als Proletariat anzusprechen? Das, was revolutionär ist. Was das aber sein soll, dafür gibt es keinen immanenten Masstab; und, wie die Ereignisse zeigen, ist es nicht einmal vorhersehbar, wer alles dazu gehören wird.

Das Proletariat wäre so zerrissen wie die Menschheit; wenn man an dem Wort (und mehr ist es nicht) festhalten will, dann muss es immer erst entstehen; sich immer erst zusammenfinden, nach seinen einzelnen auseinandergerissenen Aspekten; die aussichtslose Jugend, die unterdrückten Frauen, die ausgebeuteten Arbeiter; und noch ganz andere Teile dieser Gesellschaft, und nur wo diese dann sich selbst ineinander erkennen, und aus ihren partikularen Nöten der Umrisse einer einzigen grossen Not sich bildet, die es in gemeinsamer Aktion zu beenden gäbe: erst da bildet sich, auf den Strassen und in seiner eigenen revolutionären Öffentlichkeit, das, was das Wort Proletariat bezeichnet. Dann aber ist die Revolution doch schon da. Was also ist es denn, wirklich, mehr als ein Wort? Es sei denn, die Revolution hätte noch nicht angefangen.

0 Dieser Artikel ist keine Abrechnung mit Robert Kurz. Er hätte ihn zwar gehasst, aber es ist nicht meine Absicht, mich unter die einzureihen, die über seinen Tod hämische oder hassvolle Dinge zu sagen wissen. Robert kurz war kein besonders guter Freund von uns; er hat in vielen und entscheidenden Dingen das richtige getan, und in manchen das falsche. Jedenfalls war er ein ehrlicher Gegner, und das ist vielleicht etwas besseres als ein politischer Freund. Er ist, wie soll ich es ausdrücken, mir jedenfalls am Arsch immer noch lieber gewesen als viele der „unseren“ im Gesicht.
1 Ideologen wie Negri sagen „auto-valorizzazione“, ohne sich eine Sekunde zu schämen. Dass seine Bücher begeistert gelesen worden sind, sagt für sich schon alles über den Zustand der Klasse. Ich habe noch irgendwo eine Dokumentation der Aufnahme, die „Empire“ damals gefunden hat; das zu untersuchen, käme dem Thema dieses Artikels vielleicht viel näher als alles andere.
2 Man lese dazu etwa Mike Davis, Die Geburt der Dritten Welt; ein Buch, das eine gute Stoffsammlung, aber wohl eine etwas inkonklusive Analyse liefert. Am Ende weiss man nicht, was die wirkliche Ursache sein soll, die implizit im Buch immer angekündigt wird. Das Buch ist im selben Sinne ein Rätsel wie die Geschichte selbst; das ist seine Stärke und seine Schwäche. – Vor allem diejenigen, die nicht wissen, was am Weltmarkt das Problem sein soll, und denen jetzt vielleicht die Frase von der „Idiotie des Landlebens“ auf den Lippen liegt, sollten es unbedingt lesen. Oder irgendwas.

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Society of Spectacle in Farsi: جـامـعـه نــمـايــش

We have been sent that item:

The Society of Spectacle, by Guy Debord, 1967, Translation into Persian

Our Farsi is not sufficient to determine on our own whether the translation is good; we have been told it is, and we have no reasons to doubt that.

We urge anyone to spread the book in the Persian-speaking world, as it could be of infinite use for furthering the aims of Revolution both in Iran and – we allow ourselves to dream too rarely – Afghanistan.

Marg bar jomhori-ye elami!
Marg bar taleban, ce kabol va ce tehran!

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Neuer Kosmoprolet erschienen (Update)

Endlich ist die neue Ausgabe des berliner Magazins „Kosmoprolet“ erschienen, laut Eigenwerbung „Jetzt mit noch mehr Inhalt“. Er ist auf der Seite der Freund/e/innen der klassenlosen Gesellschaft als Download (zum selbstausdrucken) erhältlich.

Inhalt
-Patriarchat, Geschlechterverhältnis und libidinöse Verstrickungen in Zeiten krisenhafter Kapitalakkumulation
-Krisenlösung, Keynsianismus und die Konfusion der konterrevolutionären Kautskyaner
-Trotzkismus und die Praxis sozialer Exklusion
-Die Theoretisierung der Kommunisierung als höchstes Stadium der Krise des Radikalismus, seiner Konfusion und Auflösung

Klingt alles sehr vielversprechend.

Download:

http://klassenlos.tk/data/pdf/Kosmoprolet%20(A5).pdf

http://klassenlos.tk/aktuelles.php

Nachtrag: Die links sind tot, auf der Seite des Kosmoproleten nicht mehr zu sehen. Offenbar ist ein Datenverlust passiert. Wir haben zum Glück Kopien:

Kosmoprolet 4 Booklet
Kosmoprolet 4 A5
Kosmoprolet 4 A4

Wir hoffen, das Problem ist bald behoben.

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