Einige Anmerkung zu Eva Peteler

Wir dokumentieren den Text von unserem guten Freund Jonas an dieser Stelle. In der 3. Ausgabe unserer Zeitschrift „Das Große Thier“ wird er einen ausführlichen Bericht über die Geschehnisse rund um den Hungerstreik in Würzburg nachreichen.

Anmerkungen zur ehrenamtlichen Betreuerin der Würzburger Gemeinschaftsunterkunft, Eva Peteler
Von Beginn der Ereignisse, also nach dem Suizid Mohammad Rahsepars, schoss die „ehrenamtliche Betreuerin“ (BR) und Herausgeberin des Heimfocus Eva Peteler gegen jede Selbstartikulation von Flüchtlingen, sichtbar bemüht, diese teils auch von Konflikten begleitete Diskussion innerhalb der Unterkunft wieder einzuhegen in das Elend der karitativen Verwaltung.

Hinter dem Namen Peteler versteckt sich ein ganzes Milieu, das einzig und allein sich selbst Zweck ist. Ein Milieu welches sich nach außen als helfend-engagiert gibt, nach innen jedoch eine brutale Zurichtung der Individuen betreibt. Zahlreiche Artikel der von Peteler herausgegeben Zeitschrift „Heimfocus“ strotzen dementsprechend von Selbstdarstellungen, Samaritergeschichten, Domestizierungsphantasien, rassistischem Kulturalismus und einer ekelhaften Freude an der Arbeit mit dem „Fremden“ (1). Unliebsame oder kritische Artikel werden teils nicht veröffentlicht (2), gekürzt und auf die hinteren Seiten des Magazins verbannt (3). Die Veranstaltungen der Theatergruppe erinnern eher an die Völkerschauen des frühen 20. Jahrhunderts (4), und die Sachgegenstand-Verlosungen des erklärtermaßen unpolitischen Heimcafés sind eine einzige Demütigung für Menschen, die früher mal Studenten, Dozenten, Intellektuelle waren (5).  

Integrationsarbeit als Zurichtung zum Objekt der karitativen Elendsverwaltung 
Zweifelsfrei übt Peteler in der GU eine Machtposition aus, um deren Festigung sie stets bemüht ist: Geschickt geschlossene Seilschaften, unwichtige aber öffentlichkeitswirksame Preisverleihungen und Events und schamlos ausgenutzte Abhängigkeiten bilden die Basis des Betriebs.

Die meisten Asylbewerber haben im Gegensatz zu ihren deutschen „Freunden“ gar keine Wahl, ob sie bei diesem Spiel mitspielen wollen oder nicht, sie werden von Anfang an in dieses System, in welches sie geworfen wurden, (zwangs-) integriert. Es gehört zu den Voraussetzungen dieses Spiels, den Eindruck zu erwecken, das Monopol an den für viele Flüchtlinge lebenswichtigen Informationen und Seilschaften zu haben. Ob sie es wirklich hat, weiß ich nicht, und ist zunächst auch nicht relevant.

Was die Auswirkungen für die Flüchtlingen sind, kann man jedoch sehr bestimmt sagen:

Sie werden über ihre Rechte und Möglichkeiten im Unklaren gelassen. Wegen der für viele der aus allen Ländern der Welt geflohenen Menschen sowieso schon undurchsichtigen deutschen Asylbürokratie ist diese Methode höchst erfolgreich, und so sind sie gezwungen, nach allem zu greifen was ihnen angeboten wird, um irgendwie der Unerträglichkeit des jahrelangen Ausharren in der Kaserne zu entkommen: Glücksspiele mit Gewinnchance auf Bustickets, alte Kleider und Fahrrädern inklusive anschließender Ablichtung mit der Gönnerin Peteler für die nächste Ausgabe des „Heimfocus“ (6), Stadtführungen, und entmündigende „Patenschaften“, bei denen die Flüchtlinge in die Rolle von Kindern zurückgedrängt werden. Kurz: Hier leben deutsche Staatsbürger ihren Sadismus und Paternalismus auf Kosten von Asylbewerbern aus. Wer sich artig zeigt und die Regeln dieses Spiels befolgt, der wird belohnt und erfährt Anerkennung. Er ziert das Cover des „Heimfocus“ (7), oder erhält Zugang zu dem sonst verschlossenen Reich von Informationen und Seilschaften. Man mag es ihnen nicht einmal verübeln.

Flüchtlingen, die sich nicht auf ihre Rolle als unmündige und betreuungsbedürftige Objekte festklopfen lassen wollen, sondern sich als wehrhafte, selbstmächtige, politische Subjekte äußern wollen, wird subtil nahegelegt dass sie dafür mit Abstrafung zu rechnen haben. Diese Flüchtlinge haben – weil im Ungewissen über Petelers Einflussbereich – alles zu befürchten: Benachteiligung, Entsagung der Hilfestellung, Verwehrung des Zugangs zu Informationen und Seilschaften, Einflussnahme auf Entscheidungsträger des laufenden Asylverfahrens, in letzter Konsequenz also mit dem Tod am Strang im Iran und anderswo: Unter denjenigen, die sich nicht zum Objekt der karitativen Verwaltung zurichten lassen wollen, herrscht eine Angst, sich zu äußern. Angesichts ihrer ungewissen Lage ist es durchaus verständlich, dass nur wenige – und nahezu keiner ohne vorgehaltene Hand – Einspruch gegen die sich vollziehende Ungerechtigkeit erheben.
 
Öffentlichkeitsarbeit als Sabotage an jedem Versuch, auszubrechen 
Schon vor der Flüchtlingsdemonstration am 13. Februar war offensichtlich, dass es diesem Milieu nur um eines geht: Jeden Versuch einer eigenen politischen Betätigung, also Selbstermächtigung von Flüchtlingen zu hintertreiben. Geschickt wurden Gerüchte gestreut, tendenziöse Kommentare platziert und diffamierende Emails verschickt, die von der Main-Post und den Montagsspaziergänger nur zu gerne aufgenommen wurden. Hier zwei Beispiele:

„Sie wollen in Ruhe ihre Trauer verarbeiten und nicht, dass dieses Einzelschicksal instrumentalisiert wird. „Den meisten Flüchtlingen sind weder die Initiatoren dieser Demonstration bekannt, noch ihre Forderungen und Ziele“, sagte die ehrenamtliche Betreuerin Eva Peteler. „Deshalb distanzieren sich viele heute und sagen: Was ich nicht kenne, kann ich nicht unterstützen!“ (8)

und:

[..] eine Organisation, die sich auch auf mehrmaliges nachfragen vieler im Lager nicht offen zu erkennen gibt und auf deren Aufruf und Mobilisierung man nur im Internet stößt, die einen Flüchtling (!!!) billigend gefährdet, indem er die Demo anmelden soll und damit verantwortlich zeichnet für alle Konsequenzen, die sich nicht schert um die Meinungen und den widerstand der meisten Menschen in der GU, um die es eigentlich gehen sollte, die hier fremde, nicht bestellte, den meisten Flüchtlingen unbekannte Hauptredner von außen sprechen lassen will und klar auf einem weltanschaulich nicht neutralem Boden steht, verfolgt ganz klar ihre eigenen ziele an den Bewohnern der GU vorbei, kann das anliegen und der positive öffentliche Aufmerksamkeit gegenüber den Flüchtlingen aufs Spiel setzen […]“ (9)

 
Wie infam und offensichtlich unsinnig diese Anschuldigen sind, hat bereits Jörg Finkenberger in seinem sehr zu empfehlenden Text „Über den Sumpf und sein ‚anliegen’“ zu genüge dargelegt (10).

In der Tat kamen zur Demonstration am 13ten Februar nur wenige der in Würzburg einkasernierten Flüchtlinge, dafür um so mehr aus umliegenden bayerischen Unterkünften, die die Demonstration im Übrigen zu großen Teilen organisiert haben (11). Denn natürlich wurde vorgesorgt: In den Tagen vor der Demo wurde nicht nur nach außen, sondern auch nach innen massivst gegen die Demonstration mit schmutzigsten Mitteln mobil gemacht, wie auch Arash Zehforoush bestätigt (12). Nicht verwunderlich also, dass in der Würzburger Gemeinschaftsunterkunft eine deutliche – vor allem bei religiösen Afghanen – Verunsicherung über die Demonstration herrschte, die auch zur Absage der Rede von Mina Ahadi führte. Das dies auch der erfolgreichen Arbeit Petelers und ihrer Gehilfen geschuldet war, davon erfuhr man kein Wort. Hier sei auch die tatkräftige Mithilfe der Montagsspazierer erwähnt, die Ahadi als Rassistin und Muslimhasserin zu diffamieren versuchten (13).
Menschen wie Peteler waren es auch, die angesichts eines öffentlichen Hungerstreiks mit öffentlich einsehbaren Flugblättern in denen die Iraner ihre Ziele und Gründe darlegten, Sätze wie den Nachfolgenden von sich gaben, anstatt das Naheliegendste zu tun und sich mit den sich wehrenden Flüchtlingen zu solidarisieren:

„Die in der Würzburger Asylarbeit als Mitherausgeberin des Flüchtlingsmagazins »Heimfocus« engagierte Eva Peteler kann den Hungerstreik nicht so recht einordnen. »Das alles findet sehr im Verborgenen statt. Man weiß nicht, wer dort mit welchen Zielen operiert«“ (14)

 
Stattdessen trieb man sich auf nutzlosen Stadtgesprächen herum, und diskutierte mit Pfaffen und Regierung über die „richtige“, „humane“ Kasernierung der Asylsuchenden. Es sei erwähnt dass diejenigen, die vorgaben, das Sprachrohr und die legitime Vertretung der Flüchtlinge zu sein, es nicht einmal geschafft haben die Forderungen der Flüchtlinge richtig wiederzugeben: Dass die Flüchtlinge nämlich grade keine Schönheitsoperationen an der Unterkunft forderten, sondern explizit deren Abschaffung verlangten.

Kann es denn so schwer sein? Kann man diese Worte noch mit Dummheit allein erklären? Wohl nicht. Nochmals: Iranische Flüchtlinge starten in aller Öffentlichkeit einen Hungerstreik, mit für jedermann vor Ort und online in Flugblättern nachlesbaren Forderungen und Motivationen. Anstatt sich mit der Sache der Flüchtlinge zu solidarisieren, werden die Iraner aufs Schlimmste diskreditiert, verleumdet und sabotiert, in einer Sprache, die eher an das Gemurmel paranoider Verschwörungstheoretiker erinnert.
Auf der Facebook-Profilseite der Veranstalterin des Montagsspaziergangs, Jenifer Gabel, findet man auch dankenswerterweise folgendes Zitat:

„dazu hat eva peteler bereits bei der demo am 13.2. die motivation dieser leute angezweifelt, die nach mohammads tod plötzlich in der GU auftauchten und die stimmung aufheizten. in ihren augen sind sie höchst zweifelhaft, da sie sich nicht klar zu erkennen geben und die flüchtlinge zu diesem krassen weg angestiftet haben.“ (15)

Es scheint also eine jede Person „zweifelhaft“ zu sein, die ohne vorige Anmeldung in Petelers Revier auftaucht. Was aber noch viel schwerwiegender ist: Man spricht den Flüchtlingen jegliche Fähigkeit zur freien, selbstbestimmten Entscheidung ab. Stattdessen wird ernsthaft behauptet, ohne Beleg, dass irgendjemand die Stimmung aufgeheizt, gar die Flüchtlinge zu einem Hungerstreik angestiftet(!) habe. Was für eine ungeheuerliche, niederträchtige Behauptung gegenüber den Hungerstreikenden vor dem Vierröhrenbrunnen. Das Flüchtlinge selbst entscheiden können, ohne dunkle Einflüsse von außen, ohne Vormund oder ehrenamtliche Betreuer, ist in der Logik Petelers undenkbar. Ihr schlimmster Alptraum ist daher auch ein Ausweiten dieser Ausbruchsversuche, Rebellion gegen ihre Vormundschaft:

„Wenn die eine Sonderbehandlung bekommen, sind morgen alle im Zelt.“ (16)

Dass die Iraner und ihre handvoll Unterstützer anfangs komplett auf sich alleine gestellt waren, dass sich keine einzige Organisation oder Gruppe in Würzburg fand, die bereit war, auch nur Decken oder ein kleines Zelt zu stellen, geschweige denn eine Heizung, Feldbetten oder einen Arzt, dass der Hungerstreik aus den Geldspenden einiger weniger solidarischer Einzelpersonen und mit Hilfe einer noch kleineren Zahl von Freunden unter teils völliger physischer und psychischer Verausgabung notdürftig aus dem Boden gestampft werden musste, ist unter anderem Resultat der erfolgreichen Verleumdungskampagne von Peteler und Konsorten.

Durch das Stattfinden der Demonstration am 13. Februar und durch den Eintritt in den Hungerstreik am 19. März hatte man Fakten geschaffen, auf welche natürlich sofort alles, was in Würzburg angeblich in Bewegung ist, anspringen musste: Auf einmal sammelten sich diejenigen vor dem Vierröhrenbrunnen, die noch vor einigen Wochen Petelers Spielchen bereitwillig mitspielten. Antira, AK Asyl, Montagsspazierer, und wie ihre Grüppchen alle heißen. Natürlich ohne sich selbst der offensichtlichen Widersprüchlichkeit ihrer Handlungen bewusst zu sein, geschweige denn der Rolle, welche spielten und weiterhin zu spielen bereit waren. Solidaritätsbekundung mit den Hungerstreikenden bei gleichzeitigem Austausch über Häkelkurse in der Gemeinschaftsunterkunft stellte nur eine der vielen Absurditäten dar, auf die man bei diesen Grüppchen stieß.

Kritik, sowie Hinweisen darauf begegnete man mit schlichtem Unverständnis, teils aggressiven Unmutsbekundungen und lustigen Abgrenzungsbemühungen (17): Denn schließlich schade das doch der gemeinsamen Sache. Doch wenn es eine gemeinsame Sache gibt zwischen den Genannten und den Hungerstreikenden, dann diese: Ersteren geht geht es, ob sie das begreifen wollen oder nicht, um die Erhaltung ihrer Selbst in der Rolle als Gönner, Vormund und Sprachrohr der Flüchtlinge und damit letztlich um die Erhaltung des Status Quo, weil er es einzig vermag ihnen diese Rolle zu garantieren. Nichts Anderes beweisen sie unaufhörlich durch ihre Worte und Taten. Den Flüchtlingen hingegen geht es ebenfalls um ihren Selbsterhalt. Aus diesem Grund haben sie sich entschieden gegen den Status Quo vorzugehen, der für sie nur den langsamen Tod in der GU, oder die Schlinge im Iran bereitzuhalten scheint.

Der nicht ohne Grund gebetsmühlenartig wiederholte Ruf, man solle sich doch auf das gemeinsame Anliegen besinnen, ist also nichts anderes als eine Kampfansage an die Sache der Hungerstreikenden, und ein Appell an die eigenen Reihen: Ein Appell zu verdrängen und auszublenden um ja nicht nachdenken zu müssen. Denn dies würde nichts anderes bedeuten, als Stellung zu beziehen gegen diesen Status Quo, gegen die Elendsverwalter von Heimcafé und -focus.
Und so wird man dieser Frau weiterhin alles abnehmen, anstatt zu begreifen, dass ihre Handlungen nichts anderes als Sabotageakte gegen die sich wehrenden Flüchtlinge sind, ein erneuter Einhegungsversuch unter die Vormundschaft der Karitativen.
 
Dass Peteler es am 2. April wagte, vor dem Zelt der Hungerstreikenden eine Rede zu halten, war daher auch allein Folge der veränderten Öffentlichkeit. In dieser Rede, die nichts anderes als eine langatmige Selbstinszenierung war, schaffte sie es tatsächlich, auch nicht nur ein einziges Wort über die vor ihr sitzenden Hungerstreikenden zu verlieren. Die Iraner, die sehr genau wussten mit wem sie es hier zu tun hatten, verweigerten ihr konsequenterweise jedweden Applaus, und verließen einer nach dem anderen den Ort des Geschehens.
 
Angesichts dieses Heeres von händewackelnden und Beifall klatschenden Zombies, diesem dummen deutschen Brei aus Mut-tut-gut-Bürgern, Sozial-Engagierten und Lokalprominenzen kann ich den mutigen Iranern vom Vierröhrenbrunnen nur mein schmerzlichstes Mitleid aussprechen, in dieser Stadt, in diesem Land gestrandet zu sein.

Was bleibt ist die Hoffnung, dass die iranischen Freunde stark genug sind sich weder von diesen Leuten dumm machen zu lassen, noch in ihrem Streik, angesichts der Hoffnungslosigkeit ihrer Lage, bis zum Äußersten gehen.
 
 
Jonas
Würzburg, 4. April 2012
 
  
zur Lektüre:
Arash Zehforoush: Hinter den Kulissen des Heimcafé
Jörg Finkenberger: Über den Sumpf und sein „anliegen“
 
 
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1) Nur ein Beispiel: „Plötzlich bewegt sich eine weiße Hand auf die dunkelhäutige zu. Sie wirkt gröber und dicker. Während die weiße Hand, die dunkelhäutige kräftig schüttelt, ist der Händedruck der dunkelhäutigen herzlich und weich. (…) Addis wischt sich mit Daumen und Zeigefinger über seine Augen. Anschließend schaut er zu Eva Peteler rechts neben sich. Sie legt den Arm um seine Schulter. Tief atmet der Äthiopier durch, beißt die Lippen aufeinander und sieht nach vorne.“ („Das Gesicht ist wichtiger als das Brot“, Heimfocus N°7 – 10/2011)
http://www.heimfocus.net/projekte/heimfocus/n7-102011/das-gesicht-ist-wichtiger-als-das-brot/
 
2) z.B. den von der Redaktion in Person Peteler abgelehnten Text Hatef Soltanis: „Das Theater als Medium, der Asylsuchende als Problem“ (24. 06.2011) https://www.facebook.com/note.php?note_id=243808122312052
 
3) So zum Beispiel Arash Zehforoushs Text „Ein paar Worte in Erinnerung an die iranische Revolution vom Februar 1979“, der auf penetrantes Drängen von Peteler mehrmals umgeschrieben werden musste, und letztendlich gekürzt in lediglich englischer Fassung auf den hinteren Seiten des Heimfocus (04/2012) erschien.
 
4) Vgl „Das Theater als Medium, der Asylsuchende als Problem“ von Hatef Soltani (24. 06.2011)
 
5) Einige interessante Beobachtungen über Heimfocus und Heimcafé bietet der mutige Text „Hinter den Kulissen des Heimcafé“ von Arash Zehforoush (02.04.2012)

 
6) Hier sei erneut auf den Text von Arash Zehforoush verwiesen.
 
7) Wie z.b. in der aktuellen Heimfocus-Ausgabe (04/2012), auf der das nicht das Foto des verstorbenen Rahsepar, sondern das Foto einer Stadtführung durch Würzburg prangt. Im Vordergrund Personen aus dem Reaktionsumfeld, Untertitel: „Flüchtlinge und engagierte Freunde beim Weltgästeführertag in Würzburg“
 
8) Bayerischer Rundfunk, 13.02.2012
http://www.br.de/franken/inhalt/aktuelles-aus-franken/demonstration-asylbewerber-wuerzburg100.html
 
9) Peteler in einer Mail an die Montagsspazierer, 06.02.2012
http://www.wuerzburger-montagsspaziergang.de/home/letter/Eintrage/2012/2/6_%2861%29.html
 
10) Jörg Finkenberger: Über den Sumpf und sein „anliegen“, 13.02.2012

Über den Sumpf und sein „anliegen“


 
11) Einladung zur Teilnahme am Flüchtlingsprotest auf dem Blog bayerischer Flüchtlinge http://asylbayern.wordpress.com/2012/02/09/einladung-zur-teilnahme-am-fluchtlingsprotest/
 
12) „Diese Demonstration war im übrigen diejenige, welche seitens einiger der „sozial Engagierten“ nicht nur boykottiert, sondern auch massivst sabotiert wurde. So drängte es beispielsweise Herrn Wahid Feizy, schweißgebadet von Raum zu Raum in der GU zu poltern um einen Propagandazug gegen die Demonstration durchzuführen, indem er jedem erzählte, dass sich die morgige Demonstration nur um die politischen Flüchtlinge drehe, sie außerdem von Kommunisten organisiert und instrumentalisiert wird und eine Teilnahme daran eine große Sünde sei. Gegen diese Demonstration wurde, mit dem Zweck, die Verantwortlichen zu isolieren und zu diskreditieren, so mancher Plan geschmiedet und dabei schreckte man auch nicht vor unmoralischen Mitteln zurück.“ (Arash Zehforoush: Hinter den Kulissen des Heimcafés, 02.04.2012)
 
13) „bei ihrem feldzug gegen den islam (anders ist es nicht zu beschreiben) scheut sie sich nicht davor, auch portale und kanäle des rechten lagers zu benutzen. so veröffentlicht sie z.b. texte auf der offen rassistischen und fremdenfeindlichen seite „politically incorrect“ (Letter 61 der Montagsspaziergänger, 06.02.2012) http://www.wuerzburger-montagsspaziergang.de/home/letter/Eintrage/2012/2/6_%2861%29.html
 
14) Main-Netz.de, 20.03.2012
http://www.main-netz.de/nachrichten/region/frankenrhein-main/franken/art4005,2040047
Südwest Presse Online, 21.03.2012
http://www.swp.de/bad_mergentheim/lokales/wuerzburg/Iraner-im-Hungerstreik;art1167873,1387428
 
15) https://www.facebook.com/groups/montagsspaziergang
 
16) Eva Peteler im Gespräch mit der Taz, 04.04.2012
http://www.taz.de/Iranische-Fluechtlinge-protestieren/!90966/
 
17) http://antirawuerzburg.blogsport.de/2012/04/02/klarstellung/

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Dokumentiert: Hinter den Kulissen des Heimcafé. Von Arash Zehforoush

Wir dokumentieren folgenden Artikel eines würzburger Asylbewerbers und Flüchtlings aus dem Iran, in dem er einige kritische Beobachtungen über die Zustände in der GU Würzburg mitteilt. Wir weisen darauf hin, dass 9 iranische Asylbewerber in WÜrzburg sich im Hungerstreik befinden. Sie benötigen finanzielle Unterstützung für ihre weiteren Proteste, ihre Internetseite ist http://gustreik.blogsport.eu/. Der Text ist auch unter http://www.scribd.com/doc/87636928/Hinter-Den-Kulissen-Des-Heimcafes-Arash-Zehforoush zu finden.

Hinter den Kulissen des Heimcafés

Ich, Arash Zehforoush, ehemaliger offizieller Lektor an der Universität und Journalist, möchte michhiermit bei allen politischen Flüchtlingen, und besonders bei denjenigen aus dem Iran, dafür entschuldigen, dass ich einen Artikel im Heimfocus (Ausgabe Nr. 9; 2012) veröffentlicht habe.

Diese Veröffentlichung meines Artikels im Heimfocus stellt den größten Fehler im Verlauf meinesintellektuellen Schaffens dar und ich schäme mich dafür sehr. Denn es scheint zum Konzept diesesMagazins zu gehören, Texte zu veröffentlichen, die explizit gegen iranische Flüchtlinge gerichtetsind, wie z.B. ein Text von Navid Zabihi und dessen Ehefrau Renate Stahl beweist:

„An dieser Stelle möchte ich meinen Auber Schülern ein besonderes Kompliment aussprechen. Trotz ihrer relativen Abgeschiedenheit im Landkreis Würzburg sind sieabsolut motiviert und immer dabei, wenn es ums Lernen geht. Ich wünschte mir vielleicht nur noch, dass auch mehr Frauen zum Unterricht kommen. Aber dass ihr ‚Wunschland‘ Deutschland keine Geschlechtertrennung zelebriert, werde ich auch nochin ihre Köpfe bringen. Allerdings geht die Tendenz in der Würzburger GU leider in genau entgegengesetzte Richtung. Hier erscheinen fast nur noch die Frauen zum Unterricht, da die iranischen Männer in der Würzburger Großstadt wohl andere Anreize gefunden haben, ihr Taschengeld von 40€ loszuwerden. Schade um eine verpasste Chance, eigentlich umden Schlüssel zur Zukunft an sich. Eine Chance, nach der sich so viele anderevergeblich sehnen. Man muss es einmal erwähnen: Es sind nicht immer die anderen schuld, wenn man nicht voran kommt. Solche Entwicklungen können dann allerdingsauch stark an der Motivation des Lehrers kratzen. Aber es gibt zum Glück ja auch AUB!“
(Navid Zabihi, Renate Stahl: Deutsch-Unterricht in der Gemeinschaftsunterkunft in Aub Aub? Wo, bitte, ist Aub?; Heimfocus Nr. 9; 2012)

Zunächst möchte ich ein paar Überlegungen zu diesem Zitat anstellen:

1.Ich möchte Navid Zabihi und seine Frau Renate Stahl darauf aufmerksam machen, dass dieiranischen Flüchtlinge, wie alle anderen Flüchtlinge auch, nicht nur ein monatlichesTaschengeld von 40€ zur Verfügung haben, sondern ganze 40,90€ erhalten!

2.Wäre es da nicht ein Schritt in die richtige Richtung, wenn man den Flüchtlingen statt diesem enormen Betrag, nur noch die Hälfte, also 20€ aushändigen würde? Oh, Entschuldigung, ich meinte natürlich 20,45€!

3.Eine weitere Möglichkeit wäre doch, die Flüchtlinge nicht länger in der Nähe größerer Städte unterzubringen und dies nicht nur im Falle Würzburgs, sondern Bundesweit. Das Heim der iranischen Flüchtlinge Würzburgs sollte wie das der Flüchtlinge aus Aub sein:fernab jeglicher größeren Städte und nach Möglichkeit ohne Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel. Ich finde hierfür könnte man sie doch in abgelegenen Wäldern oder kleinen Dörfern ansiedeln.

4.Die iranischen Flüchtlinge sollten doch, angesichts ihrer momentanen Lage, diese 40€ zu schätzen wissen und sich darüber im klaren sein, dass es nur an ihnen liegen kann, wenn sieden Wert der qualitativ hochwertigen Deutschkurse des Navid Zabihi nicht erkennen und diesen „Schlüssel zur Zukunft“ nicht wahrnehmen.

Natürlich ist Navid Zabihi ein Kenner seines Fachs, ganz besonders des Faches Deutsch. Das liegt wohl auch daran, dass er auf eine gute Ausbildung, was seine unzähligen Auszeichnungen belegen, sowie auf eine langjährige Erfahrung im Bereich der Spracherziehung zurückgreifen kann. Um sich von seinem Wissen, seinen Fähigkeiten und seinen Unterrichtsmethoden selbst zu überzeugen, genügt es, einmal einen seiner Kurse aufzusuchen. So kann es in seinem Unterricht schon mal passieren, dass Navid Zabihi – während er seinen Schülern die Zahlen näherzubringen versucht -,auf die Frage, wie man sich bei einem Dönerimbiss um einen Job bewirbt, diesem Schüler eine Anleitung gibt, wie er einen Arzt auf seine Rückenschmerzen aufmerksam machen kann. Kurzum: sein Unterricht ist bestens strukturiert und gut durchdacht. Hierzu könnte man auch einen seiner engsten Freunde, den weltbekannten Künstler, schillernde Persönlichkeit aus dem Iran, wie auch ehemaligen Universitätsprofessor und heutigen Layouter des Heimfocus-Magazins, Maneis Arbab (alias Mohammad Hossein Tehrani), der rein zufällig die Kurse seines Freundes auch nicht besucht, befragen.

Und es würde sich auch lohnen, auf Herrn Wahid Feizy, eine weitere herausragende Persönlichkeit,von dessen umfangreichen Qualifikationen man sich in seinem Lebenslauf überzeugen kann, noch etwas einzugehen. Was in seinem Lebenslauf wohl nicht nachzulesen sein wird, ist, dass Herrn Wahid Feizy seitens der Flüchtlinge aus der GU Würzburg, aufgrund der Qualität seiner Deutschkurse in diesem Heim, ein Hausverbot erteilt wurde. Natürlich waren diese noch weit unter dem Niveau der Kurse, wie sie Navid Zabihi anbietet.

Warum sind diese politischen Flüchtlinge, besonders die männlichen, nur so furchtbar undankbar und verbauen sich mit ihrem inakzeptablem Verhalten selbst die Zukunft, wie Navid Zabihi und seine Frau behaupten?
All die oben genannten Personen möchte ich hiermit nochmal daran erinnern, dass eine unserer Forderungen, wie wir sie auf der Demonstration am 13.02.12 skandierten, lautete, dass wir regelmäßige und vor allem standardisierte Deutschkurse fordern und wir betonten in unserer Resolution für diese Demonstration, dass das Erlernen der deutschen Sprache den ersten Schritt im Integrationsprozess darstellt.
Diese Demonstration war im übrigen diejenige, welche seitens einiger der „sozial Engagierten“nicht nur boykottiert, sondern auch massivst sabotiert wurde. So drängte es beispielsweise Herrn Wahid Feizy, schweißgebadet von Raum zu Raum in der GU zu poltern um einen Propagandazug gegen die Demonstration durchzuführen, indem er jedem erzählte, dass sich die morgige Demonstration nur um die politischen Flüchtlinge drehe, sie außerdem von Kommunisten organisiert und instrumentalisiert wird und eine Teilnahme daran eine große Sünde sei. Gegen diese Demonstration wurde, mit dem Zweck, die Verantwortlichen zu isolieren und zu diskreditieren, so mancher Plan geschmiedet und dabei schreckte man auch nicht vor unmoralischen Mitteln zurück.Selbst einen Tag vor der Demonstration bemühte man sich, nicht ohne Erfolg, darum, einen Artikelin der Mainpost zu veröffentlichen, in welchem geschrieben stand, dass das Heimcafé, neben anderen Gruppen, nicht an besagter Demonstration teilnehmen werde. Warum? Handelten sie so,weil sie solche Unternehmungen grundsätzlich ablehnen und sie in Wirklichkeit überhaupt keine Änderungen wollen, gar Angst um ihre Gelder bei eintretendem Erfolg haben? Oder handelten sie so, weil sie nicht die führende und tonangebende Gruppe bei dieser Aktion waren und auf ihre Kontrahenten eifersüchtig sind?

Wir sollten uns nun einem weiteren Problem bezüglich des Heimfocus widmen: Nach dem Selbstmord Mohamad Rashepars, war es nicht sein Bild, welches das Cover des Heimfocus, das als Stimme der Flüchtlinge und ganz besonders der Flüchtlinge der GU gedachtwar, zierte, sondern dasjenige von Navid Zabihi, welcher zusammen mit Maneis Arbab und ein Paar Flüchtlingen in der Innenstadt Würzburgs zu sehen ist. Mehrere Male lässt sich sein Gesicht in diesem Magazin finden, wobei es doch der Selbstmord Mohamad Rashepbars sein sollte, welcher in den Vordergrund hätte gerückt werden müssen.
Hat man es sich so vorzustellen, dass die Redaktion des Heimfocus, wie auch dessen Herausgeberin Eva Peteler, die dort publizierten Texte nicht lesen und ihnen auch die dort abgedruckten Bilder egal sind? Oder verhält es sich vielleicht so, dass die Redaktionsmitglieder des Heimfocus für eins, zwei Jahre, oder gar auf Lebenszeit gewählt werden und dies unter der Voraussetzung, dass sie dem Diktum der Herausgeberin fraglos Folge leisten?

Und was Frau Peteler betrifft, frage ich mich außerdem, ob sie, als Organisatorin des montäglichen Treffens des Heimcafés, bei dem sie die Asylbewerber der GU Würzburg dazu aufruft, ihren Namen auf ein Stück Papier zu schreiben um bei einem Gewinnspiel eine Busfahrkarte oder aber auch malein Fahrrad gewinnen zu können, in einer solchen Situation als Asylsuchender, selbst ihren Namen auf einen Papierzettel schreiben würde um einen Preis zu gewinnen? Oder würde sie sich vielleicht doch, so wie ich, zutiefst erniedrigt fühlen und dies als eine derartige Herabsetzung erfahren, wie ich sie bereits regelmäßig an zwei weiteren Tagen in der Woche erlebe, wenn ich auf die Herausgabe meines Essens in einer langen Schlange warten muss?
Ist ihre Antwort nein, so frage ich mich, warum sie so mit uns umspringt? Wenn sie dies damit zu rechtfertigen versucht, dass die Mehrheit der Asylsuchenden nichts gegen diese Methode einzuwenden hat und sie dies sogar fröhlich stimmt, so möchte ich ihr sagen, dass es ihre Pflicht ist,diesen Asylsuchenden die Möglichkeit zu geben, sich ihres Verstandes zu ermächtigen um derlei Ambitionen zu durchschauen, in denen Leute durch ihr „Engagement“ sich einen eigenen Vorteil zu verschaffen suchen. Sollte es nicht die Aufgabe einer jeden Erziehung wie Bildungsarbeit sein, dass ein Mensch seine Würde erfährt und über seine Rechte aufgeklärt wird? Ist es nicht eine solche Selbstermächtigung, welche einen wesentlichen Teil der Integration ausmacht?

Natürlich möchte ich hiermit nicht jeden, der sich im Heimcafé engagiert, kritisieren. Dies tat ich weder in der Vergangenheit, noch heute und ich beabsichtige es auch in Zukunft nicht zu tun, denn es gibt sehr wohl progressive Menschen und auch Gruppen, wie die Antira, die am Heimcaféteilnehmen. Diese Menschen sind für mich enge Freunde, für deren verdienstvolles Tun ich überaus dankbar bin! Z

um Schluss möchte ich noch darauf hinweisen, dass ich mir darüber sehr wohl im Klaren bin, dass diese Personen, welche ich hier öffentlich kritisiert habe, sehr gute Beziehungen haben und ich als politischer Flüchtling keine Lobby hinter mir versammeln kann. Doch die Wahrheit über all dies musste dennoch einmal gesagt werden!

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Heft 2

Bzw. eigentlich ja erst Heft 1; die beiden ersten Hefte waren zusammen Heft 0; also Heft 1 ist jetzt jedenfalls in Druck, wollt ich sagen, und kommt demnächst. Es ist wie immer sehr gut.

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Finger weg vom IvI!

Jede Posse, jede In-Group und jedes Racket benötigt – um sich in ganzer Pracht und Selbstherrlichkeit entfalten zu können – einen eigenen kleinen Pinkelberg, ein Königreich in dem fernab der normierenden Zumutungen der Mehrheitsgesellschaft nach eigenem Gutdünken gefuhrwerkt werden kann. Folgerichtig und gemäß dem deutschen Partikularismus, sieht das in der Frankfurter linken Szene nicht anders aus. Die Antifa hat ihr ehemaliges Gestapogefängnis im Klapperfeld, die Altpunkerinnen, ewig-Autonomen und Betonköpfe haben das Exzess im lauschigen Bockenheim, die Studis haben ihr Kommunikationszentrum auf dem Unicampus, die irre gewordenen Trotzkisten und die schon immer irre gewesenen Antiimperialistinnen haben ein ( unangenehmerweise immer noch nicht strengstens bewachtes) Reservat in Rödelheim. „Wir“ dagegen haben „unser Institut für vergleichende Irrelevanz“ im Kettenhofweg 130. Dieses „Institut“ soll jetzt aber leider wegen Verkauf geräumt werden und da droht uns multiples Ungemach und dringliche Fragen tun sich auf: Wo sollen „wir“ in Zukunft unserem Alkoholismus nachgehen? Wo sollen gescheiterte Unikarrieristen ihre nicht abgegebenen Doktorarbeiten vor handverlesenem Publikum zum Besten geben? Wo sollen die noch nicht gescheiterten Unikarrieristinnen mit Resthoffnung ihre Softskills, z.B. im Personalmanagment erlernen? Wo soll die israelsolidarische Linke ihrem selbstrefferentiellen KonsensDiskussionsElend in leerer Abstraktheit, unbedingter Unverbindlichkeit und Gedankenferne nachgehen? Wo sollen die ganzen Bands die ihre Instrumente nicht bedienen können und deswegen nirgendwo sonst auftreten dürfen zum Tanz aufspielen? Wo soll der Jonglierworkshop jonglieren lernen? Wo soll „das grosse Thier“ in Zukunft Solipartys und unsinnige Lesungen veranstalten? Und nicht zuletzt: Wo sollen die hippen Technokids, die DJs und ihre antifaschistische Peergroup bis zum Morgengrauen durchfeiern wenn das IvI nicht mehr ist?      

Bürger, Kulturschaffende, liebe Sozialdemokraten, Grünalternative, städtebaulich-Interessierte und sonstige Teile der Bevölkerung die sich um einen solchen Kram scheren: Solidarisiert euch! So kann das nämlich nicht gehen! Es darf nicht sein das wir wegen dem völlig ungerechtfertigten Profitinteresse eines dahergelaufenen Inmobilienspekulanten demnächst auf der Strasse sitzen und uns etwas Neues ausdenken müssen. Wir wollen das alles so bleibt wie es ist!!! Die Uni soll das IvI weiterhin dulden wie bisher und vom Verkauf an Francoufort Abstand nehmen. Die Polizei soll die Füße stillhalten und die Stadt soll uns Geld geben damit wir das Klo reparieren können.

Unterstütz diese, unsere Minimalforderungen. Unterschreibt die Petition. Sprecht mit eurer Nachbarin und geht mit uns auf die Strasse. Ansonsten werdet ihr sehen was ihr davon habt! Wir machen dann die nächste Party in eurem Garten. Oder schlimmer: Die nächste Lesung in eurem Wohnzimmer. Oder noch viel schlimmer: Auf eurem eigenen Pinkelberg! Das kann keiner wollen. Eben.

 „das grosse Thier“

Die Redaktion am 17.03.2012

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Über den Sumpf und sein „anliegen“

Zur Demonstration vom 13.2.2012 in Würzburg

Immer wenn in Würzburg einmal ausnahmsweise etwas richtiges geschieht, wird man erleben, dass ein bestimmtes Milieu alles tun wird, um es zu verhindern. Dieses Milieu besteht aus angeblich wohlmeinenden Menschen, caritativ und sozial engagiert, auch irgendwie links, mehr oder weniger, und es spannt sich von der KHG zur Linkspartei, von Teilen der Antifa zur ÖDP. Die Personen wechseln, die Strukturen bleiben. Dieses Milieu entspricht mehr oder weniger dem, was wir gewohnt waren, den Sumpf zu nennen, und es erstreckt sich aus Gründen, die sich jeder Begreifbarkeit entziehen, von an sich irrelevanten Grüppchen, die öffentlich nicht einmal einen Namen haben, zu einer gewissen Schicht von Leuten, deren „gesellschaftliches Engagement“ sie zu einem festen Bestandteil der Vorzimmer der Verwaltung gemacht haben; aus welcher Kombination dieses Milieu einen gewissen Abglanz von Relevanz zu beziehen scheint, der seine paradoxe Existenz erleuchtet.

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Das Milieu lebt vom Zustrom von immer enthusiastischen Studenten, die sich zwischen dem Wunsch, etwas zu sein und zu tun einerseits, und dem Unwillen, wirklich gegen die Ordnung der Dinge sich zu stellen, nicht entscheiden wollen; diese Grundlage ist der beste Boden für jeden weiteren Selbstbetrug. Das macht diese Studenten so unentbehrlich für dieses Milieu. Das Milieu füttert sich diese Studenten gezielt heran, durch Angebote für fast kostenloses, jedenfalls folgenloses Engagement. Der Handel lohnt sich für beide Seiten: die Studenten gewinnen etwas für ihr schwaches Ego, eine geliehene Relevanz, vielleicht erste Berufserfahrungen; im Gegenzug stellen sie das fast beliebig formbare, manipulierbare, unerfahrene, aber begeisterungsfähige und ebendeswegen völlig skrupellose Material, das vor allem diesen Handel ohnehin nur auf beschränkte Zeit eingeht; das von allem, was vor ihnen war und nach ihnen sein wird, nichts wissen will; das das Spiel nur spielen, aber nicht durchschauen will. Der verfestigte, arriviertere Teil des Milieus hingegen verfügt nach Belieben über die Kontinuität der Information, das Netzwerk der Bekanntschaften, und den Zynismus, der dazugehört, das Spiel am Laufen zu halten. So ist es überall, auch bei den unseren, und wird es immer sein, solange es immer neue Studenten gibt, die das Spiel mitspielen, ohne die Regeln und die Zwecke auch nur kennen zu wollen, nach denen und für die es gespielt wird.

Man halte sich deswegen von jedem Milieu fern, in dem enthusiastische Studenten vorkommen. Sie sind das untrügliche Anzeichen des Falschen. Wir haben lange über die Zögerlichkeit und Lethargie der unseren gesprochen; vielleicht haben wir uns geirrt. Vielleicht ist in der Lethargie ein Einwand gegen das Milieu und seine Art der Betriebsamkeit enthalten, den wir nicht nach Verdienst gewürdigt haben. Aber die Lethargie ist niemals die richtige Antwort gewesen, nur ein stumpfer und hilfloser Reflex. Dabei kann es nicht bleiben, und vor allem jetzt nicht mehr. Liebe linke Szene in Würzburg: heute und immer müsst ihr euch wohl entscheiden.

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Die Nötigung, sich zu entscheiden, ist auch dieses Mal wie von aussen gekommen; ein iranischer Asylbewerber namens Mohammad Rahsepar hatte sich in der GU Würzburg umgebracht, und eine Gruppe von anderen iranischen Flüchtlingen hatte beschlossen, das nicht einfach so geschehen sein zu lassen, sondern zum Anlass zu nehmen, gegen die Verhältnisse anzugehen, unter denen er sich umgebracht hatte.

Ich weiss nicht, was es mit diesem Würzburg auf sich hat, dass es immer erst Suizide sein müssen, die zu Brüchen, Entscheidungen, Veränderungen nötigen, und dass auch dann mit nichts gebrochen und nichts verändert wird. Vieles lässt sich nicht ohne weiteres verändern, ich weiss. Aber manches schon. Vor allem unter denen, die es sich leisten können und die nicht besonders am Rand stehen. Aber es scheint einfach zu verlockend zu sein, dass ja alles immer weitergeht. Dass die Toten vergessen sein werden, erschreckt die Lebenden nicht mehr, vielleicht gerade weil die Toten bald vergessen sein werden. Die Szene, in der wir uns einmal herumgetrieben haben, hätte allen Anlass, sich etwas besseres gesagt sein zu lassen. Der Tod ist immer sinnlos, aber das färbt auf das Leben ab, wenn man sich nicht vorsieht; oder es ist schon geschehen.

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Auf den Suizid von Mohammad Rahsepar, den ich nicht gekannt habe, und vor allem auf die Schlüsse, die die daraus gezogen haben, die ihn gekannt haben, kann es bei Leuten wie uns nur eine Reaktion geben, und nicht etwa zwei. Über die Modalitäten könnte man sich verständigen, und das ist geschehen. Ob alles gut gelaufen war, bevor die Frage uns erreichte, ist eine andere Sache, an der man nicht mehr viel ändern kann.

In der GU Würzburg wurde über eine Trauer- und Protestkundgebung für den 13.2. diskutiert, und, wie ich vermute, keine besonders weitgehende Einigkeit gefunden; insbesondere gab es verschiedene Auffassungen darüber, inwieweit der Protest sich auf die asylrechtliche Situation beschränken oder inwieweit er die Verhältnisse im Iran, vor denen er geflohen war, zum Thema haben müsste. Zuletzt organisierten einige Iraner eine Demo, auf der u.a. Mina Ahadi sprechen sollte, eine prononcierte Atheistin und Linke. Daneben begannen Flüchtlinge damit, die elenden Rationen mit Nahrungsmitteln nach dem Asylbewerberleitungsgesetz zu boycottieren und stattdessen zu Spenden aufzurufen; eine sehr richtige Massregel, den etwaigen Unterstützern ausserhalb der GU alle Mittel in die Hand zu geben, um das verbreitete caritative Engagement in Kanäle zu leiten, in denen es wirklich einmal Sinn machen könnte: nämlich eine durchaus politisierte Spendensammelkampagne, die Bewusstsein hätte schaffen können für die irrsinnige und inhumande Praxis der sog. Sachleistungen; sogar, im Erfolgsfalle, die Verwaltung ernsthaft hätte blamieren können. Dieser Gedanke war so einfach, so naheliegend, so richtig, so realistisch und so angemessen, dass er in Würzburg einfach nicht funktionieren konnte, gerade weil er so völlig vernünftig und den Möglichkeiten angemessen war.

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Denn das Milieu ist nicht caritativ, insofern es politisch, und nicht politisch, insofern es caritativ ist. Es hat keineswegs die Schlüssel zum Problem in der Hand, wie man unter den gegeben Umständen etwas sinnvolles tun könnte, sondern es lebt gerade davon, dass niemand diesen Schlüssel hat. Es verwaltet, ohne nennenswerte Bezahlung, die sinnlosen Möglichkeiten, und weiss das.

Die dargebotene Möglichkeit, über alle Differenzen hinweg die vorgeblich gemeinsame Sache zu betreiben: massiv Spenden zu sammeln, notfalls in der Fussgängerzone, massiv für die Belange der Flüchtlinge zu werben, die in diesem Boycott nicht als Objekte der Fürsorge, sondern als sich wehrende Subjekte, als handelnde Personen sichtbar werden; das hat man ausgeschlagen. Die Differenzen in den GU über die Demo aber, die sich vielleicht hätten ausräumen lassen, auf denen hat man bestanden.

Aber es ist doch völlig normal, dass es in einer Einrichtung wie einer GU verschiedene Auffassungen gibt! Völlig verschiedene Leute, die nur administrativ vom bayerischen Staat in dieselbe Kaserne gezwängt werden, werden trotzdem völlig verschiedene Auffassungen haben, und sich zu völlig verschiedenen Parteien halten. Wer hätte, unter halbwegs normalen Bedingungen, das Recht, der einen Partei, mit der wir zufällig sympathisieren, die Betätigung zu versagen? Unbenommen des Rechts jeder anderen Partei, natürlich; aber ich sehe nicht, wo dieses hier betroffen wäre.

Die von einer Partei unter den Flüchtlingen organisierte Demo traf aber gerade unter dem Teil des Milieus, das sich mit der sog. Flüchtlingsarbeit befasst, auf erbitterten Widerstand, und zwar einerseits im Namen der Einheit; genauer gesagt unter dem Vorgeben, es schade der Sache der Flüchtlinge, wenn „draussen“ die Nachricht umginge, sie sprächen nicht mit einer Stimme. Wir werden sehen, wer diese Nachricht am nachdrücklichsten verbreitet hat.

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Der Konsens, der hier beschworen wurde, lief auf nichts anderes hinaus, als der Partei der entschiedenen Linken unter den Iranern das Maul zu stopfen. Auf sonst gar nichts. Das Antifa-Bündnis „Antifa Teheran“, das bestimmt nicht im Ruf steht, für uns zu arbeiten, schreibt hierzu: „Die exiliranische Szene in Deutschland ist es, insbesondere die „Internationale Föderation iranischer Flüchtlinge“, die dieses Thema erfolgreich skandalisiert hat.“(1)

Genau dieser Arbeit war das würzburger Milieu entgegengetreten, mit aller Entschlossenheit. Warum und wozu, das wissen die Götter. Frau Eva Peteler schrieb in einer Rundmail, und die Organisatorin der würzburger „Montagsspaziergänge“, Frau Jenifer Gabel, hatte nichts eiligeres zu tun, als es zu veröffentlichen (!): „[…] eine organisation, die sich auch auf mehrmaliges nachfragen vieler im lager nicht offen zu erkennen gibt und auf deren aufruf und mobilisierung man nur im internet stößt, die einen flüchtling (!!!) billigend gefährdet, indem er die demo anmelden soll und damit verantwortlich zeichnet mit allen konsequenzen, die sich nicht schert um die meinungen und den widerstand der meisten menschen in der GU, um die es eigentlich gehen sollte, die hier fremde, nicht bestellte, den meisten flüchtlingen unbekannte hauptredner von außen sprechen lassen will und klar auf einem weltanschaulich nicht neutralen boden steht, kann für sich nicht in anspruch nehmen, für die flüchtlinge hier zu sprechen, verfolgt ganz klar ihre eigenen ziele an den bewohnern der GU vorbei, kann das anliegen und der positiven öffentliche aufmerksamkeit gegenüber den flüchtlingen aufs spiel setzen. […]“.

Diesen prächtigen Satz kann man mehrmals lesen, und kein Ende nimmt die Wunderwelt seiner logischen Inkonsistenzen: eine Organisation von aussen, die sich hereindrängt und den Flüchtlingen ihren Protest wegnimmt, aber dann doch rätselhafterweise ausgerechnet einen Flüchtling losschickt, um die Sache zu organisieren; eine Organisation, die nebelhaft und unbekannt ist, aber doch dem Namen nach bestimmt, nämlich die eben genannte Internationale Föderation iranischer Flüchtlinge, die allerdings Frau Peteler tatsächlich unbekannt sein mag; Aufrufe im Netz, die unter anderem von ganz anderen Organisationen stammen, unter anderem von der Redaktion dieses Heftes, und als deren Urheber sich „zu erkennen“ zu geben von der IFIR auch etwas viel verlangt gewesen wäre; die schöne Stilblüte der „fremden und nicht bestellten“ Hauptrednerin, bei der mit Frau Peteler etwas durchgegangen ist, wofür wir ihr empfehlen, sich zu schämen (eine den meisten Bewohnern unbekannte Hauptrednerin, die aber im weiteren Verlauf unter den Bewohnern auf einmal heiss umstritten sein wird; wie das wohl zugegangen sein mag); das „anliegen“, das einmal ein Anliegen gewesen sein mag, von dem sie sich aber nicht zu sagen getraut, wessen es denn ist; weswegen die verhauene Logik notwendig als verhauene Grammatik erscheinen muss. Ach, ein Meisterwerk, und Frau Gabel musste es arglos auf Facebook veröffentlichen.(2)

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Die mit der IFIR sympathisierenden Flüchtlinge, die frevelhafterweise die Demonstration in eigenem Namen und auf eigene Gefahr organisierten, anstatt sich als die Organisation von aussen erkennen zu geben, die sie gar nie waren; die ihre eigene politische Tendenz äusserten, statt sich von religiösen Afghanen oder irgendwem sonst aufhalten zu lassen, und schon gar nicht von Frau Peteler: sie gefährdeten das „anliegen“, wenn schon nicht ihr eigenes, so doch das von Frau Peteler, die sich ganz klar und kalt das Recht herausnimmt, die politische Betätigung der Flüchtlinge zu zensieren; zu entscheiden, wer ausser ihr das Recht hat und nicht hat, in deren Namen zu sprechen; und die öffentlich-nichtöffentlich dazu aufrufen kann, ihre Demonstrationen nicht zu unterstützen, weder durch Wort noch durch Tat; was man ihr selbstverständlich aufs Wort glaubt, weil sie schon so lange die Flüchtlinge „betreut“, dass sie deren „anliegen“ ganz sicher besser kennt als diese selbst.

Frau Peteler und ihre Hilfspersonen hatten den Iranern vergeblich versucht, die Demo auszureden, mit dem Argument, wie schlecht die Flüchtlinge dastünden, wenn sie uneinig erschienen; schon darin war eine Drohung angelegt; wer aber am Tag der Demo selbst dem Bayerischen Rundfunk erklärte, dass die Mehrheit der Flüchtlinge die Demo nicht unterstütze, das war Frau Peteler; die sich nicht schämte, die ihr sehr genau bekannten Organisatoren der Demo, Bewohner der GU Würzburg, ein weiteres Mal, und diesmal öffentlich, als verdächtige Elemente hinzustellen, von denen man nicht wisse, von wannen sie kommen: „Den meisten Flüchtlingen sind weder die Initiatoren dieser Demonstration bekannt, noch ihre Forderungen und Ziele“(3). Oder das hier, das dem BR wohl auch Frau Peteler eingeflüstert hat: „Sie wollen in Ruhe ihre Trauer verarbeiten und nicht, dass dieses Einzelschicksal instrumentalisiert wird.“ Einzelschicksal! Instrumentalisiert! Es wäre ja noch schöner, wenn der Tod eines Menschen, der vor dem iranischen System geflohen und in der deutschen Asylverwaltung zerbrochen ist, dazu genommen würde, als Argument gegen dieses System und jene Verwaltung zu dienen. Nein, folgenlos soll der Tod sein, sinnlos, aber beileibe nicht „instrumentalisiert“ werden. Schon gar nicht von den geheimnisvollen Hintermännern der Demo, nämlich denjenigen Bewohnern der GU, die sie organisiert haben.

Die Flüchtlinge, so wollen es ihre wohlmeinenden guten Freunde, sollen sich nur dann zu Wort melden, wenn sie sich qua Flüchtling zu Wort melden, wenn ihr „anliegen“ dem entspricht, was ihre „ehrenamtlichen Betreuer“ für richtig halten, wenn sie untereinander völlig einig sind, das heisst ganz und gar reduziert sind auf ihren Status als Asylbewerber, blosses Objekt der „Betreuung“, untereinander nie uneins, da ohnehin keine Verschiedenheit zwischen ihnen stattfinden soll. Dass so gedacht wird, darf niemanden wundern, es ist die blosse Verlängerung der Logik des deutschen Asylrechts, oder was man wohl Asylrecht nennt. Aber diesmal sind sie hoffentlich einmal an die falschen geraten.

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Gewisse Hilfspersonen von Frau Peteler haben es viel schnörkelloser formuliert, als ihnen beim Versuch, den Organisatoren die Demo auszureden, Formulierungen entglitten wie diese, dass die Demo jetzt zu einem ganz ungünstigen Zeitpunkt käme, jetzt, wo man so gut mit der Anstaltsleitung stünde. „Man“, das heisst die „ehrenamtlichen Betreuer“, die offensichtlich ihr „anliegen“ von derselben Anstalt ernstgenommen wissen, gegen die ihre Bewohner sich wehren wollen; und zugunsten dieser illusorischen günstigen Position, die nicht ihre eigene ist, sollen die Flüchtlinge weiter schweigen. Die Logik ist ganz dieselbe wie die eines zahmen Betriebsrats, der kein Verständnis für den Unmut seiner Kollegen hat, wo er sich doch so gut mit der Geschäftsleitung versteht.

Es ist ganz natürlich, dass solche Personen aufgrund des Renommeè, das sie in ihrer aufopferungsvollen Arbeit sich erwerben, das Anrecht besitzen, dass ihnen jederzeit voll geglaubt wird; dass sie, hinter dem Rücken der Flüchtlinge wie vor Rundfunkmikrofonen, jederzeit den iranischen Flüchtlingen in den Rücken fallen können, aber unbedingte Glaubwürdigkeit geniessen, wenn sie auch noch auf diese Flüchtlinge deuten und ihnen die Schuld geben an der Uneinigkeit, an dem grossen Schaden, den das „anliegen“ zu nehmen droht. Das „anliegen“ und die Sache selbst, das sind nämlich zwei paar Stiefel. Und alle die, die auf den Lärm dieser Personen hereingefallen sind, kalte Füsse bekommen haben und von ihrem ursprünglichen, richtigen Impuls abgegangen sind, der hiess: die Flüchtlinge unterstützen, den Nachschub organisieren; alle die bitte ich herzlich, noch einmal genau nachzudenken, auf was für ein Spiel sie hereingefallen sind. Die Sache ist hoffentlich noch lange nicht zu Ende, und Hilfe wird immer noch dringend benötigt. Hier kann man tatsächlich einmal etwas richtiges tun.

Wer hat die iranischen Flüchtlinge alleingelassen? Wer hat pausenlos auf sie eingeredet, wer hat sie ihren Freunden und Unterstützern mit Andeutungen über unbekannte Organisationen verdächtig zu machen gesucht? Wer hat auf backchannels, von denen die Studenten nichts wissen wollen, alle Welt, von der gespenstischen Montagsspaziergängerszene bis hin zum offiziösen Ausländerbeirat, dazu aufgerufen, ihnen jede Unterstützung zu entziehen? Was haben unsere Antirassisten dazu zu sagen? Fällt ihnen vielleicht etwas auf, oder hat das Milieu ihnen schon das Gehirn angefressen?

Gegen den Sumpf in dieser Stadt helfen nur Kühnheit, Renitenz und Kritik. Wir danken den Iranern für die Lektion, die sie uns gegeben haben, und rufen alle dazu auf, sie zu unterstützen, und auch ansonsten diesem Milieu keinen Moment mehr Ruhe zu lassen. Liebe würzburger linke Szene! Heute müsst ihr euch entscheiden.

Anmerkungen

1 http://antifateheran.blogsport.de/2012/02/07/tote-fluechtlinge-und-deutsche-lippenbekenntnisse/
2 http://www.wuerzburger-montagsspaziergang.de/home/letter/Eintrage/2012/2/6_%2861%29.html
3 http://www.br.de/franken/demonstration-asylbewerber-wuerzburg100~_csn-1fcf0635-09ef-4fc0-89e6-ecec7518bc6e_-c95965fc6125093142a481dca28a92b0cdee1fb4.html

Halle an der Saale, 13.2.2012
Jörg Finkenberger

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Der Aufruf der würzburger Flüchtlinge

Nachzulesen auf http://asylbayern.wordpress.com/2012/02/10/appeal-of-the-wurzburg-refugees/

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Flugblatt in Farsi und Englisch

در سوگ محمد رهسپار

در فشار و غوغایی که هر روزِ این زندگی بر ما روا میدارد، در این گذار عمر که چنین شتابان در گذر است، برای بیان فاجعهای چنین ژرف، به سختی میتوان واژهای درخور یافت.
در روز 29 ژانویۀ 2012 محمد رهسپار، پناهندۀ ایرانی، در اردوگاه پناهندگی ورتزبورگ رشتۀ زندگانی خویش را از هم گسست.
ما از همگان میخواهیم که تنها برای لحظهای سر در گریبان فروبرده و در خلوت خویش به محمد بیاندیشند.
محمد رهسپار در اهواز به دنیا آمد. برای مدتی نان خویش را از راه خدمت در اردوی پلیس به خانه میآورد تا آنکه یک بار به سبب سرپیچی از فرمان، زندانی، شکنجه و اخراج شد. پس از آن بود که محمد، ترک یار و دیار نمود و به امید روز و روزگاری بهتر تن به غربتی ناخواسته داد و در آلمان، پناهندگی جُست. اما به عنوان یک پناهجو، حقوق شهروندی یک انسان آزاد و کوشا، مصرانه از او دریغ گردید. انسان به مثابه یک «سوژه» در سیستم سرمایهداری، «آزاد» است تا برای تامین نان روزانه، نیروی کار خود را بفروشد. اما محدودیتهای این آزادی که بازتاب یک تضاد ذاتی است، خود را به روشنی تمام آشکار میسازد: این آزادی شامل حال یک پناهجو نمیشود.
این که کمینههای تعیین شده (از قبیل استانداردهای بهداشتی، حداقل 7 متر مربع فضا برای هر نفر و …) رعایت نمیشوند، مشکل دیروز و امروز نیستند بلکه دیرگاهی است که این استانداردها در اردوگاههای پناهندگی آلمان زیرپا گذاشته شدهاند. با پادگانی کردن زندگی پناهندگان، هرگونه شوق و نشاط از آنان سلب میگردد به گونهای که محیط اطراف به مراتب ملالآورتر از جهنمی میگردد که از آن گریختهاند. دولت آلمان پناهندگان را نمیکُشد اما اینجا و آنجا کمک میکند تا آنان خود راه مرگ را برگزینند. محمد همواره گلایه میکرد: «نمیتوانم تمام مدت در اتاقم بمانم.» به گونهای روزافزون نیز از محیط اطراف تحت فشار بود تا آنجا که از زندگانی خود سیر شد.
نومیدی و یاس چنان بر محمد غلبه یافت که حتا ـبا آگاهی به مخاطراتی از قبیل زندان و شکنجههای روحی و جسمی و حتا اعدام که در رژیم ملایان او را تهدید میکردـ درخواست بازگشت به ایران را داده بود. امروز در اروپا فراموش شده است که چه غوغایی در سال 2009 در ایران برپا گردید و پس از آن سکوت قبرستان بر این سرزمین حکمفرما گشت. اعتراضات تودهای علیه «انتخاب» دوبارۀ احمدینژاد تا سرحد یک انقلاب فراگیر گسترش یافت که تمامیت رژیم را مورد تهدید قرار داده بود. امروز اوضاع آرام شده است اما نه به سبب از بین رفتن «شرایط رادیکال» (مارکس) بلکه به علت بیرحمی و شقاوت رژیم در برخورد سرکوبگرانه با معترضین. مردم ایران در شرایط «ترس دائم» زندگی میکنند زیرا هرکه از نرمهای تحمیلی کمترین انحرافی یافت (از قبیل همجنسگرایی، خیانت در زناشویی و …) بیدرنگ در میدانهای عمومی اعدام یا سنگسار میشود.
گریز از این جهنم هول و دستیابی به یک زندگی درخور شان و کرامت انسان، اکنون آرزوی بسیار کسانی همچون محمد رهسپار میباشد. این که چنین پایانی بر آن رقم زده میشود، باعث تاسف عمیق ما است و بدین وسیله میخواهیم مراتب همدردی خود را با همسر داغدیده، پسر هشتساله، خواهر و تمام دوستان و بستگان او ابراز داریم با آنکه میدانیم این همدردی چیزی از عمق فاجعه نمیکاهد.

در سوگ نشستگان: جمعی از دوستان به حاشیه رانده شدۀ منفرد و تنها. فوریۀ 2012

Neocommunist_innen (http://neocommunistinnen.wordpress.com)
Das grosse Thier (http://dasgrossethier.wordpress.com/)
Cosmoproletarian Solidarity (http://cosmoproletarian-solidarity.blogspot.com/)

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Against the background of the bustle of our everyday life, and the pace with which our life rushes past us, we can hardly find the right words, any clear thoughts to rightly handle what has happened. On January the 29th 2012, Mohammad Rahsepar, refugee from Iran, took his own life in the Wurzburg Refugee camp (the former „Adolf Hitler Barracks“), out of desperation. We kindly ask you to pause for a moment, and commemorate Mohammad Rahsepar.

Mohammad was born in the Iranian city of Ahvaz. For a while, he earned his living as a policeman, until the day he refused to obey orders. As a result, he was tortured by the Islamist regime of Iran, had to flee Iran leaving his beloved ones behind, and finally he applied for political asylum in Germany. He hoped for a better life in Germany, but as a political refugee he is vehemently denied the existential right to be a citizen with active civil rights.
Human beings as subjects under the rule of the capital only have the freedom (if it exists at all) to sell their manpower. By doing so, they become able to reproduce their manpower through the comsumption of goods they can freely choose. The narrowness of this capitalist freedom is only too evident. But the refugee is even denied this limited freedom (1). He is not even allowed to have private property, nor to sell his manpower to nourish himself. The refugee is the redundant, even more: the made-redundant human being, and he has to be grateful that he can make use of his passive rights the administrative apparatus puts upon him. This means, in concrete terms, that the „necessary requirements in nutrition, accomodation, heating, clothing, health care, body care, consumer and consumable goods, is covered by non-cash benefits.“ (§3 of the Asylbewerberleistungsgesetz [the German social welfare law for Asylum seekers]). It has been obvious not only for the last months, but already for a fairly long time, that the awarded „guarantees“ (adherence to standards of hygiene, allowance of living space of at least 7m², etc.), are not fulfilled in practice – that is daily routine in German refugee camps. People are barracked to make sure they cannot enjoy the liberation from the coercive powers they just escaped, to make them vanish again of their own „free will“: „The distribution and allocation is not meant to impede the repatriation of the affected people: it is meant to encourage the will to return to the homeland.“ (Asyldurchführungsverordnung Bayern [Regulation on the implementation of Asylum law, Bavaria]). It’s only 40,90 Euros (as is the legally guaranteed grant to refugees) that distinguish between a human being and an object (i.e. to be valued as a natural being, like an animal, for example). Realizing this, the phrases about a „more humane“ and an „accommodation which suits human dignity“ made by politicians are nothing but a farce. They demand a more humane barracking of those people who are made redundant by European politics on refugees. The German state does not kill them yet, but assists a little now and then. That this has been backed by reality now, the Lower Franconian [unterfränkische] governance does not want to take responsibility for. Their spokesman Johannes Hardensacke seriously declared: „We don’t see any connection between the suicide (of Mohammad Rahsepar) and his lodging in the Asylum-seeker accommodation.“ His fellow lodgers and the responsible doctor, under whose treatment Mohammad had been, tell a different story. Mohammad himself complained: „I can’t stay in my room permanently, the whole day.“ More and more afflicted by the local circumstances, he finally took his own life.

In the end, Mohammad Rahsepar was that desperate that he even filed an application for returning back to his country of origin – aware of the risk of being tortured both physically and spiritually by the Mullah-regime. In Europe, people have already forgotten about the events which started in June 2009, and have been silenced to graveyard peace by today. The mass protest against the „re-election“ of Mahmud Ahmadinedschad has increasingly risen towards a revolt against the coercive power of the clerical fascist despotism. Reform Khomeinians like Mir-Hossein Mousavi ran after the widespread oppositional movement to entrap them, but without success. It is beyond doubt that the revolting people did not ask for new elections but primarly aimed and are still aiming for a regime change. They have been quietened at the moment, but not by a suppressed „radical need“ (Marx) but because of the direct brutal force of repression perpetrated by the Iranian sovereign. For 2010, Iranian authorities have admit 252 executions. This figure includes dissidents who have been convicted for imaginary crimes as „rapists“ and „enemies of God“. People in Iran are holding out in a constant state of anxiety, because whoever becomes guilty of, for example, „homosexuality“ or „adultery“, is at the risk of being executed in public.

Meanwhile, the EU brought itself to apply sanctions on the Iranian oil export, but Germany remains one of the most important partners with Iran in import and export businesses. And that is not all: the most sensitive part of German exports to Iran, the esporting of goods with a potential military use, has even grown in recent months, according to a report by the German newspaper „Handelsblatt“. Those imported goods are, on the one hand, used for building up repressive measures of control against potential enemies (or those who are thought to be enemies of the Mullah-regime) in-country, and, on the other hand, they support the construction of weapons of nuclear mass destruction meant to be used against Israel, to finally make the anti-Semitic mania of extermination come true.

To break out of this living hell, to dare to escape with the hope for a better life, is the dream of so many, and this also was Mohammad Rahsepar’s desire. We heartily regret that it ended the way it did, and we want to send out a message to his bereaved wife, his eight-year-old son, his sister, his friends and his family, even with the knowledge that this can be nothing but a small comfort.

In deep mourning: some marginalised, isolated individuals.
February 2012.

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(1) „The human being“ does not exist under the coercive force of the sovereign. „Therefore, it is not the empirical human being who constitutes the subject or the legal entity, but the capital functionalisation of the objective nature of human beings to be able to work more than what was necessary for his own physic reproduction, which allows to conceptualise him under the corporative form of the subject. The functualisation finds expression in the figure of the twice-free wage labour, that is the fair payment of the capital usage of manpower with money.“ (Initiative Sozialistisches Forum. Flugschriften – Gegen Deutschland und andere Scheußlichkeiten. Freiburg, 2001)

Hier gibt es eine weiteres Flugblatt der Antifa Teheran.

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Mahmoud Salem über Ägypten

Mahmoud Salems neuer Artikel über Ägypten ist etwas, das man unbedingt lesen muss.

Wir haben diesen unglaublichen Menschen im Heft 0 des Grossen Thieres schon erwähnt, auf eine Weise, die vielleicht die meisten nicht verstanden haben:

Ohne Zweifel wird es solche geben, auch unter unseren Freunden, die es bevorzugen werden, bekanntzugeben, dass sich hier nun einmal die eigene innere Tendenz der arabischen Revolutionen zeige, dass es dabei nämlich immer gegen Israel gegangen sei. Solcherart Gerede, so sehr es sich mit dem angemassten Attribut der „Kritik“ schmücken wird, läuft darauf hinaus, den tatsächlichen und kämpfenden Gegenkräften gegen das Unheil in den Rücken zu fallen. Der Lakonismus des Mahmoud Salem, für den die Existenz dieses Moments höchster Gefahr ausser Frage steht und der aber ohne grosse Dramatik beschlossen hat, nun eben dagegen anzugehen, ist unendlich humaner als das Bescheidwissen derer, die schon immer vermutet hatten, dass es so ist, wie es nun einmal ist, und die es werden haben kommen sehen.

Der neue Artikel ist ein sehr schönes Beispiel dafür, was wir damit meinen, und alle diejenigen, die wissen wollen, was mit der ideologiekritischen Strömung schiefgegangen sein mag, sollten deren Produkte zum selben Thema zum Vergleich danebenhalten. Wir verlosen für die 5 schönsten Begriffe für den Unterschied einen formschönen Blumentopf.

Übrigens erinnert uns das, was er hier beschreibt, erscheckend an das, was man schon vorgeahnt hat:

So, what we have seen so far is the giant nightmarish repetition of the French february 1848, with worse conditions, a ruthless enemy within, and all that in tormenting slow motion. We fear that june 1848 may come and be lost, again

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Flugblatt für die Demonstration am 13.02.2012 in Würzburg

In der ganzen Hektik, die uns im Alltagsleben widerfährt, in der Geschwindigkeit, in der unser Leben an uns vorbeirauscht, finden wir kaum Worte, keinen klaren Gedanken, um dieses Geschehen recht verarbeiten zu können. Am 29. Januar 2012 nahm sich Mohammad Rahsepar, Flüchtling aus dem Iran, in der Würzburger Flüchtlingsunterkunft (der ehemaligen „Adolf Hitler Kaserne“) aus Verzweiflung sein Leben. Wir möchten darum bitten einen Moment inne zu halten, um den Augenblick zu wahren und Mohammad Rahsepar zu gedenken.

Mohammad wurde im iranischen Ahvaz geboren. Einstweilen verdiente er seinen Lebensunterhalt als Polizist, bis er eines Tages den Befehl verweigerte. Er wurde infolgedessen durch das islamistische Regime gefoltert, floh daraufhin seine Liebsten zurücklassend und beantrage schließlich in Deutschland Asyl. Hier in Deutschland versprach er sich ein besseres Leben, doch als Flüchtling wird ihm das existenzielle Recht, Staatsbürger mit aktiven Rechten zu sein, vehement verwehrt. Die Menschen als Subjekte haben unter der Herrschaft des Kapitals die Freiheit (wenn sie überhaupt existiert), ihre Arbeitskraft zu entäußern. Dadurch wird es ihnen ermöglicht, ihre Arbeitskraft durch den Konsum von Waren, die sie frei wählen können, zu reproduzieren. Die Beschränktheit dieser kapitalen Freiheit ist nur zu offenkundig. Dem Flüchtling jedoch wird selbst diese beschränkte Freiheit verwehrt (1). Ihm wird nicht einmal zugesprochen, Privateigentum zu besitzen, gar seine Arbeitskraft zu entäußern, um sich selbst zu erhalten. Der Flüchtling ist der überflüssige, viel mehr: der überflüssig gemachte Mensch und er muss dankbar sein, dass er von seinen passiven Rechten, die der Verwaltungsapparat ihm aufdrückt, Gebrauch machen kann. Konkret bedeutet dies, dass der „notwendige Bedarf an Ernährung, Unterkunft, Heizung, Kleidung, Gesundheits- und Körperpflege und Gebrauchs- und Verbrauchsgütern durch Sachleistungen gedeckt wird.“ (§3 des Asylbewerberleistungsgesetzes). Dass die zugesprochenen „Garantien“ (Einhaltung von Hygienestandards, Zuspruch von mindestens 7 qm² Wohnraum, usw.) in der praktischen Umsetzung nicht erfüllt werden, ist keine Erkenntnis der letzten Monate, sondern schon seit geraumer Zeit Alltag in deutschen Flüchtlingslagern. Man kaserniert sie, dass sie nur keine Freude haben an der Befreiung von den unmittelbaren Zwangsgewalten, vor denen sie flohen, und sich wieder aus freiem Willen verflüchtigen: „Die Verteilung und die Zuweisung darf die Rückführung der betroffenen Personen nicht erschweren: sie soll die Bereitschaft zur Rückkehr in das Heimatland fördern.“ (Asyldurchführungsverordnung Bayern) Gerade einmal 40,90 Euro (die vorgeschriebene rechtliche Bargeldzahlung an Flüchtlinge) trennen den Menschen vom Ding (d.h. natürliches Wesen zu sein; wie bspw. ein Tier). Mit dieser Erkenntnis verkommen die zu Phrasen geronnen Ausdrücke einer „humaneren“ und einer „der Würde des Menschen angemesseneren Unterkunft“ seitens der Politik zur bloßen Farce. Sie fordern eine humanere Kasernierung dieser überflüssig gemachten Wesen europäischer Flüchtlingspolitik. Der deutsche Staat bringt sie damit jedoch noch nicht um, hilft aber hier und da ein bisschen nach. Und dass dies nun Wirklichkeit geworden ist, damit will die zuständige unterfränkische Regierung freilich nichts zu tun haben, erklärt doch der Pressesprecher Johannes Hardensacke ernsthaft: „Wir sehen keinen Zusammenhang, dass der Selbstmord (von Mohammad Rahsepar) mit der Unterbringung in der Gemeinschaftsunterkunft zusammenhängt.“ Anderes verlautbaren Mitbewohner und der verantwortliche Arzt, bei dem Mohammad in Betreuung war. Mohammad beteuerte selbst: „Ich kann doch nicht dauernd in meinem Zimmer bleiben.“ Zunehmend geplagt von den dortigen Umständen, nahm er sich schließlich das Leben.

Mohammad Rahsepar war letztendlich so verzweifelt, dass er gar den Antrag auf Rückkehr in den Iran stellte – wissend um die Gefahr, dass ihm dort Folter an Leib und Geist durch das Mullahregime gedroht hätte. In Europa ist bereits vergessen, was im Juni 2009 im Iran begann und alsdann zur Friedhofsruhe gerann. Die Massenproteste gegen die „Wiederwahl“ Ahmadinedschads uferten zunehmend zu einer Revolte gegen die unmittelbare Zwangsgewalt der klerikalfaschistischen Despotie aus. Reformkhomeinisten wie Mir-Hossein Mousavi trabten der breiten Opposition hinterher um sie noch einzufangen, vergeblich. Kein Zweifel, dass die Revoltierenden nicht um eine Neuwahl warben, sondern ein regime change ihr primäres Ziel war und weiterhin ist. Derzeit ist es ruhig geworden, jedoch nicht aus Gründen eines verdrängten „radikalen Bedürfnisses“ (Marx), sondern aufgrund der unmittelbaren repressiven Gewalt des islamistischen Souveräns. Für das Jahr 2010 sprechen die iranischen Behörden von 252 Hinrichtungen. Auch Regimekritiker sind darunter, die als fingierte „Vergewaltiger“ und „Feinde Gottes“ verurteilt werden. Die Menschen im Iran harren unter permanenten Angstzuständen aus, denn wer sich schuldig macht, d.h. etwa sich zur Homosexualität bekennt oder die Ehe bricht, wird schlimmstenfalls öffentlich exekutiert.

Zwar rang sich die EU zu Öl-Sanktionen gegen das Mullahregime durch, Deutschland aber bleibt eines der wichtigsten Export- und Importländer des Irans. Und damit nicht genug: Der prekärste Teil der deutschen Iran-Exporte, die Ausfuhr von Gütern mit potentiellem militärischem Verwendungszweck, hat in den vergangenen Monaten nach Informationen vom Handelsblatt sogar zugelegt. Die importierten Güter werden einerseits für den repressiven Ausbau der Überwachung potentieller Feinde (oder alle die dafür gehalten werden) im Inland eingesetzt und andererseits nutzen sie dem Bau der atomaren Vernichtungswaffe, die gegen die Inkarnation des Bösen, den Staat Israel, eingesetzt werden soll, um den antisemitischen Vernichtungswahn durch den finalen Einsatz der Atombombe gegen Israel praktisch werden zu lassen.


Aus dieser Hölle auszubrechen, sich mit der Hoffnung auf ein besseres Leben davon zu wagen, das sind die Träume vieler und dies war auch Mohammad Rahsepars Wunsch. Dass er so endete, bedauern wir sehr und möchten seiner hinterlassenen Frau, dem achtjährigen Sohn, der Schwester, seinen Freunden und der restlichen Verwandtschaft eine Botschaft schicken, auch mit der Einsicht, dass dies nur schwacher Trost sein kann.

In Trauer: Ein paar marginalisierte vereinzelte Einzelne. Februar 2012.

Neocummunist_innen, Das grosse Thier, Cosmoproletarian Solidarity

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(1) „Den Menschen“ gibt es unter der Zwangsgewalt des Souveräns nicht. „Daher ist nicht der empirische Mensch, der das Subjekt oder die Rechtsperson konstituiert, sondern es ist die kapitale Funktionalisierung der objektiven Natur des Menschen, mehr arbeiten zu können als er es für seine physische Reproduktion tun müsste, die es möglich macht, ihn unter der gesellschaftlichen Form des Subjekts zu verfassen. Die Funktionalisierung schlägt sich in der Figur der doppelt freien Lohnarbeit nieder, das heißt in der gerechten Bezahlung des kapitalen Gebrauchs der Arbeitskraft mit Geld.“ (Initiative Sozialistisches Forum. Flugschriften – Gegen Deutschland und andere Scheußlichkeiten. 2001)

Einen weiteren Verweis auf aktuelle Infos bezüglich der Demonstration und interessanten Links findet sich – wie nicht anders zu erwarten – auf Facebook:https://www.facebook.com/events/170757966366744/

Hier ist ein weiteres Flugblatt der Antifa Teheran zu finden.

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weil ich gerade drüber hänge…

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Ausgabe II

So. Die Ausgabe II ist in Vorbereitung und sämtliche Artikel liegen derzeit der Redaktion vor. In den kommenden zwei Wochen sollte auch eine gedruckte Ausgabe kostenlos zum Versand bereitstehen. Derzeit kann man sich selbstverständlich noch ein Abonnement sichern.

Bis dann!

Geheimtipp: Am 3.3. sind wahrscheinlich Autoren des Großen Thiers in Frankfurt/Main (IVI) zu bestaunen.

 

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Kurras

Der „Spiegel“ berichtet Neuigkeiten in der Angelegenheit Karl-Heinz Kurras. Das erinnert mich, dass es im Letzten Hype mal einen Text dazu gab:

http://letzterhieb.blogsport.de/2009/07/24/jeder-tag-ist-der-2-juni-und-jede-stadt-ist-west-berlin/

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